Bebu I, Schade D, Braffett B, Kosiborod M, Lopes-Virella M, Soliman EZ, Herman WH, Bluemke DA, Wallia A, Orchard T, Lachin JM on behalf of the DCCT/EDIC Research Group. Rockville, USA; Diabetes Care 2020: 43: 867 – 874

Fragestellung: Die Diabetes Control and Complications Trial (DCCT) und die beobachtende Follow-up-Studie Epidemiology of Diabetes Interventions and Complications (EDIC) zeigten die dominierende Rolle der Glykämie (durchnittlicher HbA1c) als Risikofaktor – nur Alter war ein stärkerer Risikofaktor – für ein erstes kardiovaskuläres Ereignis bei Typ-1-Diabetes (T1D). Wir untersuchen nun den Zusammenhang zwischen etablierten Risikofaktoren und der Gesamtbelastung durch kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD), einschließlich nachfolgender, das heißt wiederkehrender, Ereignisse.

Methodik: CVD-Ereignisse von den 1441 DCCT/EDIC-Teilnehmern wurden getrennt nach Typ (CVD-Tod, akuter Myokardinfarkt [MI], Apoplex, stiller MI, Angina pectoris, PTCA/CABG und Herzinsuffizienz [CHF]) oder als zusammengesetzte Endpunkte (CVD oder schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse [MACE]) analysiert. Proportionalratenmodelle und bedingte Modelle bewerteten die Assoziationen zwischen Risikofaktoren und CVD-Endpunkten.

Ergebnisse: Über ein medianes Follow-up von 29 Jahren hatten 239 Teilnehmer 421 CVD-Ereignisse und 120 Personen 149 MACE. Das Alter war der stärkste Risikofaktor für akuten MI, stillen MI, Apoplex und PTCA/CABG, während die Glykämie der stärkste Risikofaktor für CVD-Tod, CHF und Angina war, der zweitstärkste für akuten MI und PTCA/CABG, der drittstärkste für Apoplex, aber nicht mit stillem MI assoziiert war. HbA1c war der stärkste modifizierbare Risikofaktor für ein erstes CVD-Ereignis (CVD: HR 1,38 [95 % CI 1,21, 1,56] pro 1 % höheres HbA1c; MACE: HR 1,54 [1,30, 1,82]) und auch für nachfolgende CVD-Ereignisse (CVD: Inzidenzratio [IR] 1,28 [95 % CI 1,09, 1,51]; MACE: IR 1,89 [1,36, 2,61]).

Schlussfolgerung: Ein intensives glykämisches Management wird empfohlen, um das Risiko für initiale CVD-Ereignisse bei T1D zu senken. Nach einem ersten Ereignis kann eine optimale Blutglukosekontrolle das Risiko wiederkehrender CVD-Ereignisse verringern und sollte deswegen beibehalten werden.

Kommentar: Neu ist der Befund, dass bei T1D – zumindest in der DCCT/EDIC-Studie – die Glykämie/der durchschnittliche HbA1c auch für kardiovaskuläre Folgeereignisse der dominante beeinflussbare Risikofaktor ist. Frauen wie Männer haben ein etwa gleich hohes Risiko sowohl für kardiovaskuläre Erst- als auch für Folgeereignisse, die kardiovaskuläre Sterblichkeit ist bei Männern allerdings höher als bei Frauen. Bei T2D sind Folgeereignisse hingegen bei Männern häufiger (Hoorn-Studie, Diabetes and Informatics Study). Eine höhere mittlere Pulsfrequenz war mit einem höheren Risiko für nachfolgende CVD-Ereignisse verbunden. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass die kardiale autonome Neuropathie auch eine ursächliche Rolle gespielt hat.



Autor: PD Dr. med. Michael Hummel
Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
und
Krankenhaus München-Schwabing
Kölner Platz 1
80804 München

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (2) Seite 38-39