Moser O, Eckstein ML, Mueller A, Birnbaumer P, Aberer F, Koehler G, Sourij C, Kojzar H, Holler P, Simi H, Pferschy P, Dietz P, Bracken RM, Hofmann P, Sourij H; Swansea, Vereinigtes Königreich; Diabet Med 2019; 36: 606 – 611

Fragestellung: Ziel war die Untersuchung des Sensor-Verhaltens des FreeStyle Libre kontinuierlichen Glukose-Monitoring-Systems bei periodisch gesichteten Werten im Vergleich mit Referenzblutglukosewerten, während moderat-intensiver körperlicher Aktivität; unter kompletten oder reduzierten basalen Insulindosen bei Personen mit Typ-1-Diabetes.

Methodik: Zehn Teilnehmer mit Typ-1-Diabetes [vier Frauen, Mittelwert ± SD; Alter 31,4 ± 9,0 Jahre, BMI 25,5 ± 3,8 kg/m2, HbA1c 55 ± 7 mmol/mol (7,2 ± 0,6 %)] trainierten auf einem Fahrradergometer über 55 Minuten unter moderater Intensität an 5 aufeinanderfolgenden Tagen in der klinischen Forschungseinrichtung und erhielten entweder ihre gewöhnliche oder eine 75 % basale Insulindosis. Nach einer 4-wöchigen Auswaschperiode absolvierten die Teilnehmer die zweite Trainingseinheit, nach Wechsel zur alternativen basalen Insulindosis. Während des Trainings wurden die referenz-kapillären Blutglukosewerte mittels einer voll-enzymatischen amperometrischen Methode analysiert und mit den interstitiellen Glukosewerten verglichen. Die Genauigkeit periodisch gesichteteter Beobachtung des kontinuiertlichen Glukosemonitorings wurde, bezüglich der medianen (Interquartilenbereich) absoluten relativen Unterschiede, des Clarke-Fehler-Fensters; analysiert sowie einer Bland-Altman-Analyse für Gesamtglukosewerte während des Trainings, stratifiziert für glykämischen Bereich und Basalinsulin-Dosisschema (p < 0,05).

Ergebnisse: Insgesamt 845 Glukosemessungen waren während der Trainingsphase, zur Evaluierung des Verhaltens periodisch gesichteter kontinuerlicher Glukosemonitoring-Werte erhältlich. Die medianen (Interquartilenbereich) absoluten relativen Unterschiede zwischen den Referenzwerten und den über kontinuerliches Glukosemonitoring erhaltenen Werten über den glykämischen Bereich lagen insgesamt bei 22 (13,9 – 29,7) %; bei 36,3 (24,2 – 45,2) % während Hypoglykämie, bei 22,8 (14,6 – 30,6) % während Euglykämie und bei 15,4 (9 – 21) % während Hyperglykämie. Die gewöhnliche basale Insulindosis war während des Trainings mit schlechterer Sensorperformance assoziiert, verglichen mit der reduzierten (75 %) basalen Insulindosis [Median (Interquartilenbereich) absoluter relativer Unterschied: 23,7 (17,2 – 30,7) % vs 20,5 (12 – 28,1) %; p < 0,001)].

Schlussfolgerung: Der periodisch gesichtete kontinuierliche Glukosesensor zeigte verringerte Genauigkeit während des Trainings. Sensorgelieferte absolute Glukose-Ablesungen sollten unter Vorsicht verwendet werden und benötigen einer Bestätigung durch zusätzliche kapillare Blutglukosemessungen.

Kommentar: Der hier untersuchte Glukosesensor lieferte bei moderater körperlicher Aktivität im Vergleich zu kapillär gemessenen Referenzglukosemessungen zu hohe Werte, mit einem erhöhten Risiko für Hypoglyämie bei alleinigem Verlass auf die Gukosesensorwerte.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (3) Seite 44-45