Huo L, Magliano DJ, Rancière F, Harding JL, Nanayakkara N, Shaw JE, Carstensen B; Melbourne, Australien; Diabetologia 2018; 61: 1055 – 1063

Hintergrund: Aktuelle Erkenntnisse lassen vermuten, dass ein Typ-2-Diabetes einen größeren Einfluss bei Personen mit jüngerem Lebensalter (und längerer Diabetesdauer) hat. Allerdings gibt es hier nur wenige Daten. Die Autoren untersuchten den Alterseffekt bei Diagnose des Typ-2-Diabetes auf das Risiko der Mortalität aufgrund jeglicher Ursache und Ursachen-bezogener Mortalität über 15 Jahre.

Methodik: Daten von 743 709 Australiern mit Typ-2-Diabetes aus dem Nationalen Diabetes Service Schema (NDSS) zwischen 1997 und 2011 wurden untersucht. Mortalitätsdaten wurden aus dem mit dem NDSS gekoppelten „Nationalen Death Index“-Register genommen. Mortalität jeglicher Ursache und Mortalität durch kardiovaskuläre Erkrankung (CVD), Krebs und allen anderen Ursachen wurde betrachtet. Eine Poisson Regression wurde angewendet um Mortalitätsraten in Abhängigkeit von Geschlecht, aktuellem Alter, Alter bei Diagnose, Diabetesdauer und Kalenderzeit zu modellieren.

Ergebnisse: Das mediane Alter bei Registrierung im NDSS war 60,2 Jahre (interquartiler Range [IQR] 50,9 – 69,5) und die mediane Beobachtungszeit waren 7,2 Jahre (IQR 3,4 – 11,3). Das mediane Alter bei Diagnose war 58,6 Jahre (IQR 49,4 – 67,9). Insgesamt traten 115 363 Todesfälle während der 7,20 Millionen Personenjahre über die Beobachtungszeit auf. Während der ersten 1,8 Jahre nach Diabetesdiagnose verminderte sich die Gesamtmortalität und die krebsbedingte Mortalität, die kardiovaskuläre Mortalität blieb konstant. Alle Mortalitätsraten stiegen exponentiell mit dem Alter an. Eine frühere Diagnose des Typ-2-Diabetes (längere Diabetesdauer) war mit einem höheren Risiko für Mortalität jeglicher Ursache, primär getrieben von der kardiovaskulären Mortalität, assoziiert. Eine um 10 Jahre frühere Diagnose (entsprechend einer um 10 Jahre längeren Diabetesdauer) war assoziiert mit einem 1,2 – 1,3 fach erhöhten Risiko von Mortalität jeglicher Ursache und mit einem 1,6 fach erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Mortalität. Die Effekte waren bei Männern und Frauen ähnlich. Bei krebsbedingter Mortalität (alle Krebsformen, kolorektaler und Lungenkrebs) fanden die Autoren, dass eine frühere Typ-2-Diabetes-Diagnose mit einer niedrigeren Mortalität assoziiert war.

Schlussfolgerung: Die Daten zeigen, dass Personen mit Diagnose Typ-2-Diabetes in früherem Lebensalter ein erhöhtes Mortalitätsrisiko aufweisen, wobei dieser Effekt vor allem durch kardiovaskulär bedingte Mortalität zustande kommt. Anstrengungen, die darauf hinzielen die Manifestation eines Typ-2-Diabetes hinauszuziehen, könnten deshalb die Mortalität reduzieren.

Kommentar: Bei der hier untersuchten großen australischen Kohorte ist das mittlere Diagnosealter der Diabetes­patienten jünger als in Deutschland. Diese epidemiologische Analyse unterstreicht, dass die Mortalität bei längerer Krankheitsdauer und jüngerem Diagnosealter ansteigt. Die Autoren stellen die interessante Berechnung auf, dass am Beispiel von 2 Männern mit einer Altersdifferenz bei Diagnose von 10 Jahren, derjenige mit der früheren Diabetesdiagnose ein etwa 30 % und 60 % erhöhtes Risiko für Gesamtmortalität und kardiovaskulären Tod aufweist. Die Studie berücksichtigt wichtige klinische Aspekte wie HbA1c, BMI, und Raucherstatus nicht, da diese im NDSS nicht enthalten sind.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (3) Seite 39-40