Laffel LM, Kanapka LG, Beck RW, Bergamo K, Clements MA, Criego A, DeSalvo DJ, Goland R, Hood K, Liljenquist D, Messer LH, Monzavi R, Mouse TJ, Prahalad P, Sherr J, Simmons JH, Wadwa RP, Weinstock RS, Willi SM, Miller KM; CGM Intervention in Teens and Young Adults with T1D (CITY) Study Group; CDE10; Boston, USA; JAMA. 2020; 323: 2388 – 2396. doi:10.1001/jama.2020.6940

Fragestellung: Bezogen auf die Lebensspanne weisen Jugendliche und junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes die ungünstigste glykämische Kontrolle auf. Während für Erwachsene eine Verbesserung der glykämischen Kontrolle durch ein kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) gezeigt werden konnte, wurde der Nutzen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen noch nicht belegt. Entsprechend sollte hier der Einfluss von CGM auf die Glukoseeinstellung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes untersucht werden.

Methodik: Zwischen Januar 2018 und Mai 2019 wurde eine randomisierte klinische Studie in 14 endokrinologischen Praxen mit 153 Personen mit Typ-1-Diabetes im Alter zwischen 14 und 24 Jahren durchgeführt. Deren HbA1c lag beim Screening zwischen 7,5 % und 10,9 %. Die Teilnehmenden wurden zufällig 1:1 entweder der CGM-Gruppe (n = 74) oder der Gruppe mit üblicher Behandlung mit Blutglukosemessungen (BGM-Gruppe, n = 79) zugewiesen. Das primäre Ergebnis war die Veränderung des HbA1c zwischen Studieneintritt und der Nachuntersuchung 26 Wochen später. Außerdem wurden 20 zusätzliche sekundäre Ergebnisparameter einschließlich weiterer HbA1c-Werte, CGM-Daten und subjektiver Einschätzungen der Patienten erfasst und hinsichtlich multipler Faktoren adjustiert um falsch positive Ergebnisse zu vermeiden.

Ergebnisse: Von den rekrutierten 153 Teilnehmenden ((Mittelwert ± Standardabweichung) Alter 17 ± 3 Jahre; 76 (50 %) weiblich; Diabetesdauer: 9 ± 5 Jahre) schlossen 142 (93 %) die Studie ab. In der CGM-Gruppe nutzten 68 % der Teilnehmenden das CGM über 6 Monate an mindestens 5 Tagen jeder Woche. Das mittlere initiale HbA1c in der CGM-Gruppe betrug 8,9 %, nach 26 Wochen lag es bei 8,5 %. In der BGM-Gruppe lagen die mittleren HbA1c-Werte zu beiden Zeitpunkten bei 8,9 % (adjustierte Differenz zwischen den Gruppen -0,37 % [95 % KI, -0,66 % bis -0,08 %]; p = 0,01). Von 20 zuvor definierten sekundären Ergebnisparametern ergaben sich bei 3 von 7 binären HbA1c-Vergleichen signifikante Unterschiede. Dies traf ebenso auf 8 von 9 Parametern der CGM-Daten und 1 von 4 patientenbezogenen subjektiven Einschätzungen zu. Die am häufigsten genannten akuten Komplikationen waren in beiden Gruppen schwere Hypoglykämien (3 Teilnehmende in der CGM- und 2 in der BGM-Gruppe), Hyperglykämien mit Ketose (1 Teilnehmender in der CGM-Gruppe und 4 in der BGM-Gruppe) und dia­betische Ketoazidosen (3 Teilnehmende in der CGM- und 1 in der BGM-Gruppe).

Schlussfolgerung: Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes führte die kontinuierliche Glukosemessung gegenüber den üblichen Blutglukosemessungen im Verlauf von 26 Wochen zu kleinen, aber statistisch signifikanten, Verbesserungen der glykämischen Kontrolle. Weitere Studien sind erforderlich, um die klinische Relevanz der Ergebnisse einzuordnen.

Kommentar: Nachdem sich bereits in einigen US-amerikanischen Studien die Stoffwechseleinstellung besonders von jungen Menschen mit Typ-1-Diabetes beim Einsatz neuer Technologien nicht verbessert, sondern teilweise auch verschlechtert hat, zeigt die Arbeitsgruppe um Lori Laffel für eine ausgewählte Gruppe, dass es zu leichten Verbesserungen der metabolischen Parameter und der Lebensqualität kommt. Gleichzeitig wird auch deutlich, dass die nachweislich effektiven Technologien eine weitreichende Veränderung des täglichen Verhaltens und die Fähigkeit zur systematischen Analyse der komplexen Glukose- und Therapie–daten erfordern. Diese lassen sich nicht durch kurze technische Einweisungen erreichen, sondern nur durch ein kompetentes Coaching über eine längere Frist. Voraussetzung ist dabei umso mehr, dass Nutzer dazu bereit und kognitiv in der Lage sind.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (4) Seite 41