Cummings DM, Lutes LD, Littlewood K, Solar C, Carraway M, Kirian K, Patil S, Adams A, Ciszewski S, Edwards S, Gatlin P, Hambidge B; ­Greenville, NC, USA ; Diabetes Care 2019; pii: dc181841. doi: 10.2337/dc18 – 1841

Fragestellung: In dieser Studie wurden die Auswirkungen einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) plus einer Lebensstilberatung in der primärärztlichen Versorgung in einer ländlichen Region auf das Hämoglobin A1c (HbA1c) von Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2D) und komorbiden depressiven Symptomen oder diabetesbezogenem Distress untersucht.

Methodik: Bei dieser Studie handelte es sich um eine randomisierte, kontrollierte Studie mit einer 16 Sitzungen umfassenden individuell zugeschnittenen KVT plus Lebensstilberatung im Vergleich zur üblichen Versorgung. Die Ergebnisparameter bezogen sich auf das HbA1c, Diabetesdistress, depressive Symptome, Therapieverhalten und Medikamentenadhärenz über einen Zeitraum von 12 Monaten.

Ergebnisse: Es wurden 139 sehr unterschiedliche Erwachsene aus einer ländlichen Region eingeschlossen (mittleres Alter: 52,6 ± 9,5 Jahre; 72 % Afroamerikaner; BMI: 37,0 ± 9,0) mit T2D (mittleres HbA1c: 9,6 [81 mmol/mol] ± 2,0) und komorbiden depressiven oder Distress-Symptomen. Bei der Intention-to-treat-Analyse ergaben sich für die Patienten der Interventionsgruppe grenzwertig signifikante Verbesserungen im HbA1c (-0,92 ± 1,81 vs. -0,31 ± 2,04; p = 0,06) im Vergleich zur Kontrollgruppe. Jedoch beschrieben die Interventionspatienten signifikante Verbesserungen gegenüber der üblichen Betreuung bezogen auf den Diabetesdistress (-1,12 ± 1,05 vs. -0,31 ± 1,22; p = 0,001), depressive Symptome (-3,39 ± 5,00 vs. -0,90 ± 6,17; p = 0,01), das Therapieverhalten (1,10 ± 1,30 vs. 0,58 ± 1,45; p = 0,03) und die Medikamentenadhärenz (1,00 ± 2,0 vs. 0,17 ± 1,0; p = 0,02). Verbesserungen im HbA1c korrelierten mit Verbesserungen des Diabetesdistress (r = 0,3; p = 0,0001) und der Adhärenz (r = -0,23; p = 0,007).

Schlussfolgerung: Eine individualisierte kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit einer Lebensstilintervention verbessert die verhaltensbezogenen Ergebnisparameter und könnte das HbA1c bei Patienten aus dem ländlichen Raum, die von Typ-2-Diabetes und komorbiden Depressions- oder Distress-Symptomen betroffen sind verbessern.

Kommentar: Auch hier konnten mit einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Intervention unzureichend behandelte und schwer erreichbare Patienten mit Typ-2-Diabetes zu einer langfristigen Maßnahme motiviert und auf der psychologischen Seite deutliche Erfolge verzeichnet werden. Jedoch ist es auch hier schwierig, bedeutsame somatische Verbesserungen unter Patienten zu erreichen, deren Typ-2-Diabetes über Jahre unzureichend behandelt wurde. Ob und unter welchen Versorgungsbedingungen dies möglich sein könnte, bleibt weiteren Studien vorbehalten.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (3) Seite 45