Shields BM, McDonald TJ, Oram R, Hill A, Hudson M, Leete P, Pearson ER, Richardson SJ, Morgan NG, Hattersley AT, TIGI Consortium. Exeter, UK; Diabetes Care 2018: 41: 1486 – 1492

Fragestellung: Der C-Peptid-Verlust in den ersten fünf Jahren nach der Diagnose eines Typ-1-Diabetes wurde bereits gut untersucht, aber über den Langzeitverlauf ist wenig bekannt. Die Studie hatte das Ziel die Assoziation zwischen log-transformierten C-Peptid-Spiegeln und der Diabetesdauer bis zu 40 Jahre nach Diagnosestellung zu untersuchen.

Studiendesign und Methoden: Die Autoren untersuchten unter Verwendung nicht-linearer Regressions-Ansätze die Assoziations-Muster zwischen der Urin-C-Peptid-/Kreatinin-Ratio (UCPCR) und der Diabetesdauer in cross-sektionalen Daten von 1 549 Personen mit Typ-1-Diabetes. Die Forschungsergebnisse wurden durch longitudinale Verlaufsdaten für sowohl UCPCR (n = 161 Personen, 326 Beobachtungen) als auch Plasma C-Peptid (n = 93 Personen, 473 Beobachtungen) repliziert.

Ergebnisse: Die Autoren identifizierten zwei deutlich unterscheidbare Phasen des C-Peptid-Verlusts: ein initialer, exponentieller Abfall über 7 Jahre (47 % Abfall/Jahr [95 % CI -51; -43]) gefolgt von einer stabilen Periode danach (+0,07 %/Jahr [−1,3; +1,5]). Die beiden Phasen hatten bei Patienten über und unter dem medianen Alter bei Diagnose (10,8 Jahre) eine vergleichbare Dauer und einen vergleichbaren Kurvenverlauf, obwohl die C-Peptid-Spiegel bei den jüngeren Patienten unabhängig von der Dauer niedriger waren. Die Muster waren sowohl bei der longitudinalen UCPCR (n = 162; ≤ 7 Jahre Dauer: -48%/Jahr [-55; -38]; > 7 Jahre Dauer -0,1 % [-4,1; +3,9]) als auch beim Plasma C-Peptid (n = 93; > 7 Jahre Dauer nur: -2,6 % [-6,7; +1,5]) übereinstimmend.

Schlussfolgerung: Diese Daten unterstützen zwei klar abgrenzbare Phasen des C-Peptid-Verlusts: ein initialer, exponentieller Abfall über eine 7-jährige Periode, gefolgt bei einer prolongierten Stabilisation, bei welcher das C-Peptid nicht weiterhin absinkt. Das Verständnis der pathophysiologischen und immunologischen Unterschiede zwischen diesen beiden Phasen wird entscheidende Einsichten in das Verständnis des ß-Zell-Überlebens geben.

Kommentar: Diese interessante Arbeit beschreibt erstmals den C-Peptid-Verlauf im Langzeitverlauf nach Manifestation des Diabetes. Die deskriptive Untersuchung ist Hypothesen-generierend und kann die Ursache dieses erstaunlich deutlich zwei-phasigen Prozesses nicht klären. Möglicherweise gibt es eine spezifisch geschützte ß-Zell-Population, die sich der Zerstörung nach Manifestation widersetzen kann und so die Insulinproduktion über lange Zeit weiter ermöglicht. Offensichtlich sind die pathophysiologisch relevanten Mechanismen in der Zeit nach der Krankheitsmanifestation deutlich uniformer als in der Phase vor Manifestation, die ja durch sehr unterschiedliche Zeitdauer, differente Antikörpermuster und deutlich verschiedene Progressionsgeschwindigkeiten und -verläufe gekennzeichnet ist.



Autor: PD Dr. med. Michael Hummel
Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
und
Krankenhaus München-Schwabing
Kölner Platz 1
80804 München

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (4) Seite 46