Schwartz GG, Leiter LA,Ballantyne CM, Barter PJ, Black DM, Kallend D, Laghrissi-Thode F, Leitersdorf E, McMurray JJV, Nicholls SJ, Olsson AG, Preiss D, Shah PK, Tardif J-C, Kittelson J; Cardiology Section, Veterans Affairs Medical Center, University of Colorado School of Medicine, Aurora, CO, USA; Diabetes Care 2020; 43: 1077 – 1084

Fragestellung: Eine Neumanifestation eines Typ-2-Diabetes ist häufig unter Patienten mit rezentem akutem Koronarsyndrom und ist assoziiert mit einer schlechten Prognose. Einige Daten deuten darauf hin, dass Cholesterin-Ester-Transfer-Protein (CETP)-Inhibitoren die Neumanifestation eines Typ-2-Diabetes reduzieren. Verglichen wurde der Behandlungseffekt des CETP-Inhibitors Dalcetrapib mit Placebo auf die Diabetes-Neumanifestation bei Patienten mit rezentem akutem Koronarsyndrom.

Methodik: In der dal-OUTCOMES-Studie wurden 15 871 Patienten randomisiert einer Therapie zugeteilt mit 600 mg Dalcetrapib oder Placebo, Beginn 4 – 12 Wochen nach einem akuten Koronarsyndrom. Das Fehlen eines Diabetes zu Beginn basierte auf der medizinischen Vorgeschichte, keinem Gebrauch von antihyperglykämischer Medikation und HbA1c sowie Blutzuckerkonzentrationen unterhalb diagnostischer Grenzwerte. Bei diesen Patienten war ein neumanifestierter Diabetes nach der Randomisierung definiert durch jedes diabetesbezogene Ereignis, den neuen Gebrauch von antihyperglykämischen Medikamenten, ein HbA1c >/= 6,5 % oder eine Kombination von wenigstens 2 Messungen von Blutglukose >/= 7,0 mmol/l (nüchtern) oder >/= 11,1 mmol/l (zu irgendeinem Zeitpunkt).

Ergebnisse: Zu Beginn wiesen 10 645 Patienten (67 % der Studienkohorte) keinen Diabetes auf. Während einer mittleren Beobachtungsdauer von 30 Monaten wurde ein Diabetes neu entdeckt bei 403 von 5 326 Patienten (7,6 %), die Dalcetrapib zugeordnet waren, und bei 516 von 5 319 Patienten (9,7 %), die Placebo zugeordnet waren, was einer absoluten Risikoreduktion von 2,1 % entspricht, Hazard Ratio von 0,77 (95 % CI 0,68 – 0,99; p < 0,001), und der Notwendigkeit, 40 Patienten für 3 Jahre zu behandeln, um 1 Fall von Diabetesneumanifestation zu verhindern. Betrachtet man nur diejenigen mit Prädiabetes zu Beginn, betrug die Number Needed to Treat (NNT) für 3 Jahre, um einen Fall von Diabetesneumanifestation zu verhindern, 25. Dalcetrapib reduziert auch die Anzahl der Patienten, die von der Normoglykämie zum Prädiabetes übergingen und erhöhte die Anzahl derer, die vom Diabetes remittierten.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit rezentem akutem Koronarsyndrom ist eine Diabetesneumanifestation häufig und wird substantiell reduziert durch eine Therapie mit Dalcetrapib.

Kommentar: Dalcetrapib ist ein Cholesterin-Ester-Transfer-Protein-Inhibitor, der ursprünglich entwickelt wurde, um die HDL-Cholesterin-Konzentration anzuheben und dadurch Atheroskleroseentwicklung und die kardiovaskuläre Ereignisrate zu reduzieren. Bedauerlicherweise wurde dieses Ziel von Dalcetrapib verfehlt, wie im Übrigen schon von anderen CETP-Inhibitoren vorher. Auch bei Betrachtung der Studienergebnisse mit älteren CETP-Inhibitoren, wie dem Torcetrapib, war schon eine Abnahme der Blutglukosekonzentration und der Insulinsekretion unter der Therapie mit diesen Substanzen aufgefallen, zusammen mit einer niedrigeren Rate an Diabetes-Neumanifestationen. Der genaue Effekt von CETP-Inhibitoren auf den Kohlenhydratstoffwechsel ist unbekannt. Möglich ist der positive Einfluss durch die Reduktion des intrazellulären oxidativen Stresses infolge einer höheren HDL-Cholesterin-Konzentration, auch in Adipozyten und den pankreatischen Betazellen. Ob diese positiven Effekte Dalcetrapib zu einem neuen antidiabetischen Präparat werden lassen, bleibt abzuwarten.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (3) Seite 42-43