Henry RR, Thakkar P, Tong C, Polidori D, Alba M. San Diego, USA; Diabetes Care 2015; 38: 2258 – 2265

Fragestellung: Diese Studie untersucht bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes die Effektivität und die Sicherheit von Canagliflozin, einem Natrium-Glucose Cotransporter-2 Inhibitor, als additive Therapie zu Insulin.

Methodik: Diese 18-wöchige, doppel-blinde Phase-2-Studie randomisierte 351 Patienten (HbA1c 7,0 – 9,0 % [53 – 75 mmol/mol]) mit ICT oder Insulinpumpentherapie zu Canagliflozin 100 oder 300 mg oder Placebo. Primärer Endpunkt war der Anteil von Patienten, die in der Woche 18 sowohl eine Reduktion des HbA1c von ≥ 0,4 % (≥ 4,4 mmol/mol) als auch keinen Anstieg des Körpergewichts aufwiesen. Andere Endpunkte beinhalteten Veränderungen von HbA1c, Körpergewicht, Insulindosis und der Inzidenz von Hypoglykämien. Die Sicherheit wurde durch Berichte von unerwünschten Ereignissen (AE) erfasst.

Ergebnisse: Mehr Patienten mit Canagliflozin 100 und 300 mg versus Placebo hatten in der Woche 18 eine HbA1c-Reduktion ≥ 0,4 % ohne einen Anstieg des Körpergewichts (36,9 % und 41,4 % versus 14,5 %; p < 0,001). Beide Dosierungen von Canagliflozin bewirkten über 18 Wochen eine Reduktionen des HbA1c, des Körpergewichts und der Insulindosis versus Placebo. Die Inzidenz von Hypoglykämien war zwischen den Gruppen vergleichbar; die Raten von schweren Hypoglykämien waren niedrig (1,7 – 6,8 %). Die Gesamtinzidenz von AEs war 55,6 %, 67,5 % und 54,7 % mit Canagliflozin 100 und 300 mg und Placebo; die Abbruchraten waren niedrig (0,9 – 1,3 %). Eine erhöhte Inzidenz von ketonbezogenen AEs (5,1 %, 9,4 %, 0 %), inklusive der spezifischen AE der diabetischen Ketoazidose (DKA) (4,3 %, 6,0 %, 0 %) wurde mit Canagliflozin 100 und 300 mg versus Placebo beobachtet.

Schlussfolgerung: Canagliflozin bewirkt Reduktionen von HbA1c, Körpergewicht und Insulindosen ohne Anstieg von Hypoglykämien, aber mit erhöhten Raten von ketonbezogenen AEs, inklusive DKA, bei inadäquat mit Insulin eingestellten erwachsenen Patienten mit Typ-1-Diabetes.

Kommentar: Wie aus pathophysiologischer Sicht erwartet, lassen sich auch bei Patienten mit Typ-1-Diabetes durch die SGLT-2-Inhibitor-Therapie positive Effekte auf HbA1c und Gewicht beobachten. Die Rate von diabetischen Ketoazidosen ist mit circa 5 % (versus 0 % bei Placebo) allerdings erschreckend hoch. Hier müssten im klinischen Alltag Wege gefunden werden um dieses Risiko zu minimieren. Interessant wären Subgruppenanalysen bzw. Folgestudien, die untersuchen ob bestimmte Personengruppen, z. B. Patienten mit Typ-1-Dia­betes und Übergewicht oder Patienten mit einem „Doppeldiabetes“ oder mit Herzinsuffizienz/KHK, besonders stark profitieren.



Autor: PD Dr. med. Michael Hummel
Forschergruppe Diabetes am Helmholtz Zentrum München
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
und
Krankenhaus München-Schwabing
Kölner Platz 1
80804 München

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (2) Seite 48-49