Patel P, Gupta P, Burns A, Mohamed AA, Cole R, Lane D, Seidu S, Khunti K; Department of Chemical Pathology and Metabolic Diseases, University Hospital of Leicester, NHS Trust, Leicester, UK; Diabetes Care 2019; 42: 1132 – 1135

Fragestellung: Flüssigkeitschromatographie-Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS) ist eine neue objektive und robuste Methode, um Nichtadhärenz zu entdecken. Diese Methode wurde eingesetzt, um Nichtadhärenz bei kardiovaskulärer Medikation bei Menschen mit Typ-2-Diabetes (T2DM) zu untersuchen.

Methodik: Routine-Urinproben bei den jährlichen Diabetesuntersuchungen wurden in der Primärversorgung von 228 Menschen mit T2DM gewonnen und mit LC-MS/MS auf Adhärenz untersucht.

Ergebnisse: Insgesamt 28,1 % der Patienten (n = 64) waren nicht adhärent bei antdiabetischer, antihypertensiver und/oder lipidsenkender Medikation. Die Nichtadhärenz war mit 23,7 % am höchsten bei Statinen, die Nichtadhärenz bei oralen antihyperglykämischen Medikamenten betrug 9,3 %. HbA1c, Albumin/Kreatinin-Quotient und das Lipidprofil waren signifikant höher bei den nichtadhärenten Patienten, verglichen mit denen mit Therapieadhärenz.

Schlussfolgerung: Diese, bisher einzige, Studie zeigt, dass Routine-Urinproben eingesetzt werden können, um Adhärenz mit LC-MS/MS zu testen und erbringt hohe Nichtadhärenz-Raten besonders bei Statinen bei Menschen mit T2DM. Zukünftige Studien, die LC-MS/MS als diagnostische/therapeutische Maßnahme verwenden, können eventuell klinische Ergebnisse verbessern.

Kommentar: Seitdem die glukozentrische Sichtweise auf den T2DM zugunsten einer multimodalen zielwertorientierten Therapie verlassen wurde, ist die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität der Patienten mit T2DM eindrucksvoll gesunken, wie etliche Studien zeigen konnten. Allerdings werden oft die definierten Therapieziele nicht erreicht, aus diversen Gründen. Einerseits spielt die therapeutische Trägheit der Ärzte eine Rolle in diesem Szenario, andererseits ist die Nichtadhärenz der Patienten bei einer multimodalen Therapie höher. Je größer die Anzahl der verordneten Medikamente, desto größer die Nichtadhärenz. Diese Studie bestätigt zweifelsfrei das bekannte Problem bei Polypharmazie. Allerdings ist das biochemisch aufwendige Verfahren nicht überall verfügbar und wird vorerst vermutlich ausgewählten Fällen und Studien vorbehalten bleiben.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (3) Seite 46