Zhou M, Liu J, Qi Y, Wang M, Wang Y, Zhao F, Hao Y, Zhao D; Beijing, China; Diabetologia 2018; 61: 300 – 307

Hintergrund: Frühere Studien lassen eine mögliche Verbindung zwischen Helicobacter-pylori (H. pylori) -Infektion und Diabetesrisiko vermuten. Es fehlen jedoch prospektive Studien, die die direkte Assoziation dieser beiden Faktoren untersuchen. In dieser prospektiven Kohortenstudie evaluierten die Autoren die Assoziation zwischen H.-pylori-Infektion mit dem Risiko einer Diabetesentwicklung.

Methodik: Die Autoren führten eine Populations-basierte prospektive Studie durch, es wurden Teilnehmer im Alter von 45 – 74 Jahren ohne Diabetes von der chinesischen multi­-provinzial Kohorten Studie aus 2002 rekrutiert und über 10 Jahre auf Diabetesentwicklung untersucht. Der H.-pylori-Serostatus wurde mittels Messung von H.-pylori-Antikörpern bestimmt. H.-pylori-Seropositivität wurde als Antikörperkonzentration ≥ 10 U/ml definiert. Um die Assoziation von H.-pylori-Seropositivität und Diabetesrisiko zu untersuchen, wurde eine modifizierte Poisson Regression durchgeführt.

Ergebnisse: Von 2 085 Teilnehmern ohne Diabetes waren 1 208 (57,9 %) seropositiv für H. pylori in 2002. Nach multivariater Adjustierung von möglichen Diabetesrisikofaktoren war die H.-pylori-Seropositivität-assoziiert mit einem niedrigeren Diabetesrisiko (RR 0,78 [95 % KI 0,63 – 0,97], p = 0,022). Von den 1 275 Teilnehmern mit gemessenen Antikörpern sowohl in 2002 als auch in 2007 waren 53,1 % persistierend seropositiv. Ein niedrigeres Diabetesrisiko wurde ebenfalls bei Teilnehmern mit persistierender H.-pylori-Positivität (RR 0,61 [95 % KI 0,41 – 0,93], p = 0,020) beobachtet, wenn mit persistierend seronegativen verglichen wurde.

Schlussfolgerung: H.-pylori-Seropositivität war mit einem niedrigeren Diabetesrisiko in dieser prospektiven Kohortenstudie assoziiert. Die Extrapolation dieser Ergebnisse und der zugrundeliegende Mechanismus dieser beobachteten Assoziation bedürfen weiterer Untersuchungen.

Kommentar: Diese Studie wirft die Frage auf, ob H. pylori bis zu einem gewissen Grad protektiv sein könnte für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Dabei ist völlig offen, ob die Effekte durch die Gastritis B oder durch andere Effekte günstig beeinflusst werden. Interessant wäre der Vergleich von eradizierten und nicht-eradizierten H.-pylori-positiven Personen und deren Diabetesentwicklung.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (2) Seite 52