Jarvie JL, Pandy A, Ayers RC, McGavock JM, Sénéchal M, Berry JD, ­Patel KV, McGuire DK; Division of Cardiology, University of Colorado School of Medicine, Aurora, CO, USA; Diabetes Care 2019; 42: 1333 – 1339

Fragestellung: Lebensstilintervention bleibt die bedeutendste Maßnahme im Management des Typ-2-Diabetes (T2DM). Die Adhärenz zu empfohlener physischer Aktivität (PA) jedoch und der Einfluss der Adhärenz auf die kardiorespiratorische Fitness in dieser Population wurden wenig untersucht. Es sollte die Adhärenz zu PA-Empfehlungen und ihre Assoziation zu kardiopulmonaler Fitness in einer Population von Patienten mit T2DM untersucht werden.

Methodik: Es wurde eine Querschnittsanalyse von Basaldaten aus einer randomisierten klinischen Studie (NCT 00424762) durchgeführt. Insgesamt 150 Individuen mit einem medikamentös behandelten T2DM und atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung (ASCVD) oder mit Risikofaktoren für eine ASCVD wurden aus Tageskliniken an einem universitären medizinischen Zentrum rekrutiert. Alle Individuen wurden einem gestuften Laufbandstresstest bis zur Erschöpfung, erfasst mit einer Analyse des Gasaustausches zur Bestimmung des ­VO2-Peaks, unterzogen. Die PA wurde geschätzt mittels eines strukturierten 7-tägigen Rückrufinterviews für körperliche Aktivität.

Ergebnisse: Die Teilnehmer hatten ein mittleres ± SD Alter von 54,9 ± 9,0 Jahren, 41 % waren Frauen, 40 % waren schwarz, 21 % spanischer Abstammung. Das mittlere HbA1c betrug 7,7 ± 1,8 % und der mittlere BMI 34,5 ± 7,2 kg/m². Insgesamt 72 % hatten eine arterielle Hypertonie, 73 % eine Hyperlipoproteinämie und 35 % eine ASCVD. Die mittlere ± SD berichtete tägliche PA war 34,3 ± 4 kcal/kg, nur 7 % oberhalb derjenigen einer sitzenden Tätigkeit; 47 % der Kohorte verfehlten das Minimum an empfohlener PA. Der mittlere ± SD VO2-Peak betrug 27,4 ± 6,5 ml/kg fettfreier Masse/min (18,8 ± 5,0 ml/kg/min).

Schlussfolgerung: Im Durchschnitt berichten Patienten mit T2DM, die eine ASCVD aufweisen oder ein Risiko dafür, über ein niedriges Maß an PA und besitzen eine geringe kardiorespiratorische Fitness. Dies unterstreicht die Bedeutung fortgesetzter Bemühungen, diese therapeutische Lücke zu schließen.

Kommentar: Ein Lebensstil, gekennzeichnet von geringer körperlicher Aktivität und hyperkalorischer Ernährung, führt bei genetischer Prädisposition zu einer diabetischen Stoffwechselstörung und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko. Eine kategorische Lebensstilmodifikation kann nicht nur die kumulative Diabetesinzidenz um 60 % reduzieren, sie ist fester Bestandteil des Hyperglykämiemanagements bei T2DM und ist der erfolgreiche Weg zur Verbesserung der Insulinresistenz. Eine Gewichtsreduktion, die bei > 80 % der Patienten mit T2DM notwendig ist und die nur mit Kalorienrestriktion und Steigerung der körperlichen Aktivität gelingt, kann zudem eine Diabetesremission in einem Ausmaß wie die bariatrische Chirurgie erzielen, wenn der Gewichtsverlust groß genug ist (DIRECT, 2018). Die erhöhte kardiorespiratorische Fitness reduziert zusätzlich die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Leider ist die Patientenadhärenz schlecht, wie diese Untersuchung aus den USA eindrucksvoll an einem typischen Diabetes-Kollektiv demonstriert. Eine Verbesserung der Situation gelingt vermutlich nur, wenn die Patienten in ein zeitintensives Kontrollprogramm eingebunden werden, das viel Manpower erfordert und kaum zu finanzieren ist.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (4) Seite 46-47