Bereits zum 14. Mal fand am 15. Februar 2020 das Hecker-Symposium im Stuttgarter GENO-Haus statt. Benannt wurde die Veranstaltung nach Oberarzt Dr. Wolfgang Hecker vom Olgahospital Stuttgart, der sich insbesondere in der praktischen Diabetologie und für die Etablierung der Diabetologen DDG engagiert hatte. Aktuelle Daten zur Frage "Wann wechseln Jugendliche mit Diabetes zum Internisten?" wurden von Dr. Stefanie Lanzinger von der Universität Ulm im Rahmen des Hecker Symposiums vorgestellt.

Dr. Wolfgang Hecker ist 2006 überraschend verstorben. An der Schnittstelle zwischen Psychologie und Diabetologie hat sich das Symposium gut etabliert und wird von der Arbeitsgemeinschaft Diabetologie Baden-Württemberg und den "Diabetikern Baden-Württemberg" als Träger unterstützt. Thema des diesjährigen Symposiums war: "Erwachsenwerden mit Diabetes".

Für Betroffene und ihre Angehörigen sind die Entwicklungsaufgaben, welche Jugendliche und junge Erwachsene trotz und mit der chronischen Erkrankung Diabetes mellitus bewältigen müssen, eine große Herausforderung.

Erfahrene Referenten erörterten aus verschiedenen Blickwickeln die Frage, wie die Selbsthilfe, Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Beraterinnen und Berater Betroffene und Angehörige bei diesen Schritten unterstützen können.

Untersuchungen der Übergangsphase von der pädiatrischen in die internistische Versorgung bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes zeigten eine Verschlechterung der Stoffwechseleinstellung während des Übergangs (Kapellen et al., 2018).

In der Regel findet diese Transition genau in der Lebensphase statt, in der bei Jugendlichen ohnehin elementare Veränderungen des Alltags auftreten, wie zum Beispiel Auszug aus dem Elternhaus, die erste Partnerschaft, Änderungen des Lebensstils, Einstieg in das Berufsleben oder Beginn eines Studiums.

Aktuelle Daten zur Frage "Wann wechseln Jugendliche mit Diabetes zum Internisten?" wurden von Dr. Stefanie Lanzinger von der Universität Ulm im Rahmen des Hecker Symposiums vorgestellt. Hierbei wurden Daten der multizentrischen, prospektiven Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) herangezogen. Die DPV-Initiative umfasst derzeit rund 500 Zentren vorwiegend in Deutschland und Österreich. Insgesamt sind rund 580 000 Menschen mit Diabetes in DPV registriert.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Übergang in die "Erwachsenenmedizin"?

Die während des Vortrags gezeigten Zahlen beziehen sich auf eine vorläufige Analyse der DPV-Daten. Von einem Übergang in die internistische Versorgung wurde ausgegangen, falls sich Jugendliche mit Typ-1-Diabetes mindestens 2 Jahre nicht mehr im pädiatrischen Versorgungszentrum vorgestellt hatten.

Wie in der Tabelle 1 dargestellt, liegt das Alter, in dem 90 % der Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes die pädiatrische Versorgung verlassen, im Median bei 17,73 Jahren.

Weiterführende Analysen zeigen einen späteren Übergang von der pädiatrischen in die internistische Versorgung in Universitätskliniken (Median 17,90 Jahre) im Vergleich zu kommunalen Krankenhäusern (17,56 Jahre).

Zusätzlich wechseln Männer im medianen Alter von 17,85 Jahren, Frauen hingegen im medianen Alter von 17,65 Jahren.

Empfehlung der Fachgesellschaft: Übergangsalter flexibel halten

Internationale Leitlinien zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes geben keine klaren Vorgaben bezüglich des optimalen Übergangsalters (Cameron et al., 2018). Stattdessen empfehlen die Leitlinien das Übergangsalter flexibel zu halten und die familiären Umstände sowie die Reife der Jugendlichen zu berücksichtigen.

Besonders wichtig für eine erfolgreiche Übergangsphase ist eine frühzeitige Kommunikation zwischen dem pädiatrischen und internistischen Versorgungszentrum.

In der Versorgungsrealität ist das Alter bei Übergang jedoch überwiegend durch strukturelle, organisatorische und finanzielle Voraussetzungen bestimmt (z. B. Altersgrenze bei Ermächtigungsambulanzen).

Fazit
Das Übergangsalter in die internistische Versorgung sollte sich nach der Reife und den familiären Umständen der Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes richten und weniger durch strukturelle, organisatorische und finanzielle Voraussetzungen bestimmt werden. Hierbei ist eine frühzeitige Kommunikation zwischen dem pädiatrischen und internistischen Versorgungszentrum wichtig.

Literatur
1. Cameron FJ et al., Pediatric diabetes, 19, 250 – 261
2. Kapellen T M et al., Pediatric diabetes, 19(6), 1094 – 1099
3. Menrath I et al., J Transition Med 2018; https://doi.org/10.1515/jtm-2018-0001 1-10
4. Müther S: Wenn Kinder mit Diabetes erwachsen werden. Perspektiven der Diabetologie 1/ 2017 DeutschesÄrzteblatt



Autorin: Dr. biol. hum. Stefanie Lanzinger
Institut für Epidemiologie und medizinische Biometrie am ZIBMT
Universität Ulm
89069 Ulm

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (3) Seite 25-26