Bally L, Thabit H, Hartnell S, Andereggen E, Ruan Y, Wilinska ME, Evans ML, Wertli MM, Coll AP, Stettler C, Hovorka R; Cambridge, Grossbritannien; N Engl J Med 2018; 379: 547 – 556

Hintergrund: Bei Patienten mit Diabetes kann die Behandlung im Krankenhaus das Erreichen von Blutzuckerzielwerten erschweren. Zunehmende Erfahrungen zeigen, dass das Closed-Loop-System (künstlicher Pankreas) die Blutglukosekontrolle bei Patienten mit Typ-1-Diabetes verbessert. Die Autoren wollten untersuchen, ob das Closed-Loop-System auch für die Blutglukosekontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes auf der Allgemeinstation verbessert.

Methodik: Diese randomisierte, offene klinische Studie wurde auf der Allgemeinstation von zwei Krankenhäusern in Großbritannien und der Schweiz durchgeführt. Die Autoren ordneten 136 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die eine subkutane Insulintherapie bekamen, einem Arm mit konventioneller subkutaner Insulintherapie (66 Patienten) zu und einem weiteren Arm mit Closed-Loop-System (70 Patienten) zu. Primärer Endpunkt war der prozentuale Zeitanteil der Glukosewerte im Zielbereich von 100 – 180 mg/d (5,6 – 10,0 mmol/l) über 15 Tage oder bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus.

Ergebnisse: Die mittlere Zeitdauer (+SD), in der der Sensor Glukosemessungen im Zielbereich zeigte, betrug 65,8 + 16,8 % in der Closed-Loop-Gruppe und 41,5 + 16,9 % in der Kontrollgruppe, was einem Unterschied von 24,3 + -2,9 % (95 % Konfidenz Intervall [CI], 18,6 bis 30,0, p < 0,001) entsprach. Werte oberhalb des Zielbereichs wurden gemessen bei 23,6+ 16,6 % und 49,5 + 22,8 % der Patienten, entsprechend einer Differenz von 25,9+ 3,4 Prozentpunkten (95 % CI, 19,2 – 32,7; p < 0,001). Der mittlere Glukosewert betrug in der Closed-Loop-Gruppe 154 mg/d(8,5 mmol/l) und 188 mg/d (10,4 mmol/l) in der Kontrollgruppe (p < 0,001). Es gab keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich der Dauer der Hypoglykämie (definiert als Sensor Glukosemessung unter 54 mg/d; p = 0,80) oder bezüglich der Menge des verabreichten Insulins (mediane Dosis 44,4 Einheiten und 40,2 Einheiten, p = 0,50). Während der Studie ereignete sich keine schwere Hypoglykämien oder klinisch signifikante Hyperglykämien.

Schlussfolgerung: Bei hospitalisierten Patienten mit Typ-2-Diabetes auf der Allgemeinstation, war der Gebrauch von einem automatisierten Closed-Loop-Insulinabgabe-System mit einer besseren Blutglukoseeinstellung assoziiert im Vergleich konventionelle subkutane Insulintherapie, ohne dass dabei das Risiko für Hypoglykämie erhöht war.

Kommentar: Diese Studie wurde in zwei Krankenhäusern der Allgemeinversorgung durchgeführt und die Blutglukose war besser in der Closed-Loop-Gruppe als in der konventionellen Gruppe. Das macht deutlich, dass die automatisierte Glukoseeinstellung besser funktioniert als die herkömmliche. Die Frage bleibt, ob ein besser geschulter Patient oder ein besser geschultes Diabetespersonal es mit dem Closed-Loop aufnehmen könnte. Da das wahrscheinlich nur für wenige Zentren und wenige Patienten gilt, müsste geklärt werden, ob die verbesserte Blutglukose wirklich klinisch relevant sind und wenn ja, wie diese neue, vielversprechende Technik für Patienten mit Typ-2-Diabetes unter ICT in die Realität umgesetzt werden könnte.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (5) Seite 56-57