Beim Limoverbrauch ist alles anders als im Fußball: Deutschland ist Europameister, England nur Siebter und Argentinien Weltmeister. Die entsprechende Erhebung, interessanterweise von einer Fitnessstudiokette, analysiert auch, welche Länder mit einer Zuckersteuer gegen den Konsum angehen.

Deutschland hat einen weiteren unerwünschten Europameister-Titel errungen: Mit 139,6 Litern Limonadenverbrauch pro Kopf und Jahr führt es eine Liste an, die die britische Fitnessstudiokette Puregym unter 26 europäischen Ländern recherchiert hat. Umgerechnet auf die typische 330-Milliliter-Dose trinkt der Deutsche im Schnitt 423 Dosen pro Jahr. Selbst heruntergerechnet auf eine Woche bleibt der Verbrauch hierzulande mit 2,5 Litern Softdrinks immer noch üppig.

Zuckersteuer unter den Top 5 selten

Hinter Deutschland rangieren in der Limo-Liste Dänemark mit 124,7 Litern auf Platz 2, Tschechien mit 123,9 Litern auf Platz 3, Belgien mit 122,0 Litern auf Platz 4 und Bulgarien mit 115,4 Litern auf Platz 5. In einer Pressemeldung zu dem Ranking weist Puregym darauf hin, dass unter den Top 5 mit Belgien nur ein einziges Land ist, in dem eine Art Zuckersteuer in Kraft ist. Dort wurde 2016 eine „Gesundheitssteuer“ eingeführt. Pro Literflasche zuckerhaltiger Limonade werden dort zunächst 3 Eurocent fällig – pro Dose 1 Cent.

Neben der vergleichsweise geringen Höhe kommt hinzu, dass nicht nur zuckerhaltige Limonaden, sondern auch Produkte mit Zuckerersatzstoffen wie Light-Limonaden von der neuen Steuer betroffen sind. Trotz des öffentlichkeitswirksamen Namens „Gesundheitssteuer“ kritisieren Experten aus diesen Gründen, dass die Abgabe eher Geld in die Staatskasse spülen soll, statt das Verhalten der Bürger zu beeinflussen. Der belgische Staat soll sich laut Manager Magazin durch die progressive Steuer im ersten Jahr Mehreinnahmen von 50 Millionen Euro erhoffen, die dann pro Jahr um jeweils 50 Millionen Euro steigen sollen. Zum Progressionsende 2020 sollen sie dann bei 250 Millionen liegen.

Die Nummer 2 des Rankings, Dänemark, hatte 2011 eine Fett-Steuer eingeführt und eine Zuckersteuer geplant, beide wurden nach nur einem Jahr 2012 von einer neu gewählten Mitte-Rechts-Regierung wieder gestrichen, weil die Industrie Einnahmeverluste beklagte.

Genügsame Griechen

Am genügsamsten in Europa in Sachen Limonadenverbrauch sind nach der Liste die Griechen mit im Mittel 47,7 Liter pro Kopf und Jahr oder 145 Dosen. Die weiteren Plätze am Ende der Liste nehmen Italien mit 51,2 Litern und Litauen mit 55,3 Litern pro Kopf und Jahr ein. In Litauen, so der Report, sei eine Zuckersteuer derzeit ausgesetzt, die Regierung verhandele stattdessen momentan eine Partnerschaft mit der Industrie, um den Zuckergehalt in Nahrungsmitteln und Getränken zu reduzieren.

Viel Zucker, viel Verbrauch

Großbritannien als Heimatland des Ranking-Auftraggebers Puregym landet mit einem Verbrauch von 106,1 Litern oder 322 Dosen auf Platz 7. Im Vereinigten Königreich wurde im April eine Sugar Tax eingeführt, wahrscheinlich ist es zu früh, um bereits Auswirkungen davon auf den Limoverbrauch verzeichnen zu können, spekuliert Puregym.

Im weltweiten Vergleich erreicht Argentinien mit einem Jahresverbrauch von 155 Liter Softdrinks pro Kopf den Spitzenplatz. Nur einen Liter dahinter landet mit den USA ein üblicher Verdächtiger in Sachen ungesunder Lebensstil. Südamerika schneidet in dem Ranking generell schlecht ab, den weltweiten Platz 3 sicherte sich mit 141 Litern Chile, auf Platz 5 ist Uruguay mit 113 Litern. Dazwischen liegt mit Mexiko ein weiterer Vertreter aus Nordamerika.

Puregym weist darauf hin, dass die Länder mit dem Top-Verbrauch pro Kopf USA und Chile auch beim Zuckergehalt der Limonaden ganz oben stehen. In den USA betrage der Zuckergehalt einer 330-Milliliter-Dose Fanta Orange beispielsweise 41 Gramm, in Chile 40 Gramm – und in Großbritannien nur 23 Gramm.



Autor: Marcus Sefrin
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Erschienen in: DiabetesNews, 2018; 17 (5) Seite 7