"Du bist das Barcamp!" So einfach lässt sich das Prinzip eines Barcamps zusammenfassen. Im September fand zum zweiten Mal in Deutschland eine solche Veranstaltung zu Diabetes statt. Eine der vieldiskutierten Fragen: Warum sind Diabetes-Onlinecommunity und Selbsthilfe zwei Welten?

Ein Barcamp ist irgendwie ein Paradoxon: Erklärt wird die Idee eines Barcamps gerne als "Nicht-Konferenz", und doch setzt es das um, was eigentlich auch Ziel jeder klassischen Konferenz ist: Themen zu finden, die die Teilnehmer wirklich persönlich interessieren.

Am 8. September fand auf dem Frankfurter Mediacampus das zweite Diabetesbarcamp in Deutschland statt, veranstaltet wie die Premiere im Oktober 2017 von der Blood Sugar Lounge, einer vom Kirchheim-Verlag initiierten Online-Community rund um den Diabetes. Die übernahm es auch wie im letzten Jahr, fünf der insgesamt 23 Sessions live ins Internet zu übertragen und wurden von vielen Teilnehmern, die nicht in Frankfurt sein konnten, verfolgt.

Vor Ort waren über 100 Menschen mit Typ-1-, Typ-2-Diabetes und Typ F, also Familie und Freunde von Menschen mit Diabetes. Raum fanden Themen wie „Pumpe ja oder nein?“, „Unverträglichkeiten von Pflastern und Nahrung“ und „Selbsthilfe und deren Entwicklung“. Auch die Sessions „Patient trifft Pharma“ und „Hypos sind doof“ fanden Interesse. Allen Sessions gemeinsam war, dass ihr Thema von einem Teilnehmer des Barcamps auf der Veranstaltung vorgeschlagen wurde.

Diabetes verbindet

Als Motto nutzt auch das Diabetesbarcamp den Slogan "Wir sind viele!" Und natürlich passt das inhaltlich zur Community einer Volkskrankheit, zumal die schiere Größe der Prävalenzzahlen für Typ-2-Diabetes oft vergessen lässt, dass auch die 300.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes in Deutschland wirklich viele sind. Die Veranstaltung zeigte, wie vielfältig der Diabetes ist und wie viele Geschichten er schreibt. Für die Mitglieder der in der Blood Sugar Lounge aktiven Diabetes-Community und Gleichgesinnte verbindet Diabetes, ein Ziel ist es naheliegenderweise, die Menschen auch außerhalb der Internetwelt offline zusammenzubringen.

Klingt wie Selbsthilfe, ist es aber dann doch nicht. Eine Session, die im Livestream von der Veranstaltung besonders munter diskutiert wurde, trug den Titel "Selbsthilfe? Community? Beides? Mit- statt gegeneinander?" Die Session wurde eingebracht von Antje Thiel, sie startete mit der Frage "Warum sind das zwei Welten – Community und Selbsthilfe?" Eine einfache Antwort fand sich wie zu erwarten nicht, trotzdem ist auch der nachträgliche Blick in den Stream interessant.

Das ist die Blood Sugar Lounge
Die Blood Sugar Lounge versteht sich als ein Forum für alle, die mit Diabetes leben, eine Plattform, um sich auszutauschen, sich kennenzulernen und zu vernetzen. Die Blood Sugar Lounge war 2018 nominiert für den Deutschen Preis für Onlinekommunikation, musste sich im Finale leider Sport 1 geschlagen geben. Kürzlich ist eine überarbeitete Version 3.0 der Internetseite online gegangen mit erweiterten Funktionen.

Am 27. Oktober stieg bereits das nächste Barcamp der Blood Sugar Lounge, und zwar zum Thema Typ-1-Diabetes 45plus. Es war gedacht für alle Menschen mit Typ-1-Diabetes über 45 Jahren, die herausfinden möchten, wie sie im Alter gut mit Diabetes leben können.



Autor: Marcus Sefrin
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Erschienen in: DiabetesNews, 2018; 16 (6) Seite 4