Xu T, Magnusson Hanson LL, Lange T, Starkopf L, Westerlund H, Madsen IEH, Rugulies R, Pentti J, Stenholm S, Vahtera J, Hansen ÅM, Kivimäki M, Rod NH; Kopenhagen, Dänemark Diabetologia 2018; 6: 75 – 83

Fragestellung: Mit der Studie über mehrere Kohorten wird untersucht, ob Arbeitnehmer, die sozialem Stress am Arbeitsplatz, z. B. durch Mobbing oder Gewalt, ausgesetzt sind, ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes haben.

Studiendesign und Methoden: In die Studie wurden 45 905 Männer und Frauen im Alter zwischen 40 bis 65 Jahren aus vier Studienkohorten aus Schweden, Dänemark und Finnland einbezogen. Bei Aufnahme in die Studie lag noch bei keiner Person ein Diabetes vor. Bei Studieneintritt gaben die Teilnehmenden an, ob sie Mobbing und Gewalt am Arbeitsplatz erleben. Die folgende Diabetesinzidenz wurde über nationale Gesundheits- und Behandlungsregister sowie Sterberegister erfasst. Für die Analysen wurden marginale strukturelle Cox-Regressionen berechnet, die hinsichtlich Alter, Geschlecht, Geburtsland, Familienstand und Bildungsniveau adjustiert wurden.

Ergebnis: 9 % der Teilnehmenden berichteten über Mobbing am Arbeitsplatz und 12 % waren Gewalt ausgesetzt oder wurden damit bedroht. Teilnehmende mit Mobbingerfahrung hatten ein 1,46-fach erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken als Teilnehmer ohne diese Belastung (95 % CI 1,23 bis 1,74). Gewalterfahrungen oder Bedrohungen mit Gewalt waren ebenfalls mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert (HR 1,26 [95 % CI 1,02 bis 1,56]). Die Risikoschätzungen gingen bei Berücksichtigung des BMI vor allem für das Mobbing geringfügig zurück. Die Ergebnisse waren für Männer und Frauen vergleichbar und in gleicher Weise in allen Kohorten zu beobachten.

Schlussfolgerung: Die Autoren stellen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes unter Arbeitnehmern fest, die Mobbing oder Gewalt am Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Weitere Studien sind notwendig, um zu prüfen, ob gesetzliche Maßnahmen zur Reduktion von Mobbing oder Gewalt am Arbeitsplatz das Auftreten von Diabetes unter der arbeitenden Bevölkerung reduzieren können. Zu den dabei wirksamen Mechanismen sind weitere Forschungen erforderlich.

Kommentar: Wie schon in anderen großen Kohortenstudien zu den Folgen von Stress wird auch hier deutlich, dass die langfristige Erfahrung von Hilflosigkeit und Kontrollverlust wahrscheinlich auch über den Weg eines langfristig erhöhten Kortisonspiegels zu einer Insulinresistenz und damit zu einem erhöhten Diabetesrisiko beiträgt.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (1) Seite 48