McAuley SA, Lee MH, Paldus B, Vogrin S, de Bock MI, Abraham MB, Bach LA, Burt MG, Cohen ND, Colman PG, Davis EA, Hendrieckx C, Holmes-Walker DJ, Kaye J, Keech AC, Kumareswaran K, MacIsaac RJ, McCallum RW, Sims CM, Speight J, Stranks SN, Sundararajan V, Trawley S, Ward GM, Jenkins AJ, Jones TW, O‘Neal DN; Australian JDRF Closed-Loop ­Research Group. Melbourne, Victoria, Australien; Diabetes Care 2020; dc201447. doi: 10.2337/dc20-1447. Online ahead of print.

Einführung: Es wurden die glykämischen und psychosozialen Folgen der Nutzung eines Hybrid Closed-Loop-Systems (HCL) mit den Ergebnissen einer nutzergesteuerten Therapie mit mehrfach täglichen Insulininjektionen (MDI) oder mit einer Insulinpumpe (Standardtherapie der meisten Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes) verglichen.

Methodik: Erwachsene mit Typ-1-Diabetes mit einer MDI oder Insulinpumpentherapie ohne ein kontinuierliches Glukosemonitoring (CGM) wurden zufällig über 26 Wochen entweder der Interventionsgruppe zur Nutzung eines HCL-Systems (Medtronic 670G) oder der Fortsetzung der gegenwärtigen Therapie zugewiesen. Der primäre Ergebnisparameter bezog sich auf die Zeit im Zielbereich (TiR; 70 – 180 mg/dl). Diese wurde während der letzten drei Wochen mit einem maskierten CGM-System erfasst.

Ergebnisse: Die Teilnehmenden wurden zufällig der HCL- Gruppe (n = 61) oder der Kontrollgruppe zugeordnet (n = 59). Das mittlere Alter (SD) bei Studienbeginn betrug 44,2 (11,7) Jahre; das HbA1c betrug 7,4 % (0,9 %) (57 [10] mmol/mol); 53 % waren weiblich und 51 % nutzten eine MDI. Die TiR der Interventionsgruppe stieg von 55 % (13 %) (initial) auf 70 % (10 %) nach 26 Wochen an, während es in der Kontrollgruppe zu keiner Veränderung gekommen ist: initial 55 % (12 %) und nach 26 Wochen 55 % (13 %) (Differenz 15 % [95 % CI 11 bis 19 %]; p < 0,0001). In der HCL-Gruppe waren das HbA1c niedriger (Median [95 % CI] Differenz −0,4 % [−0,6 bis −0,2]; −4 mmol/mol [−7 bis −2]; p < 0,0001) und das diabetesspezifische Wohlbefinden höher (Differenz 1,2 [95 % CI 0,4 bis 1,9]; p < 0,0048) ohne dass es zu einer Erhöhung der Diabetesbelastung, einer Veränderung der subjektiven Schlafqualität oder der kognitiven Leistungsfähigkeit gekommen ist. In der HCL- bzw. der Kontrollgruppe kam es zu 17 (9 gerätebezogenen) gegenüber 13 schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen.

Schlussfolgerung: Bei Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes verbesserten sich nach 26 Wochen der Nutzung eines Hybrid Closed-Loop-Systems die Zeit im Zielbereich (TiR), das HbA1c und die Behandlungszufriedenheit gegenüber den Nutzern einer individuell gesteuerten Insulingabe mit mehrfachen Injektionen täglich oder mit einer Insulinpumpe mit Blutzuckermessungen. Für die meisten Menschen mit Typ-1-Diabetes weltweit zeigt diese Studie, dass ein HCL-System machbar, akzeptabel und von Vorteil ist.

Kommentar: Die positiven Effekte von HCL-Systemen für die Stoffwechseleinstellung bei Typ-1-Diabetes wurden bereits mehrfach publiziert. Diese Studie zeigt nun außerdem, dass auch Menschen mit langer Diabeteserfahrung und relativ guter Stoffwechseleinstellung die Umstellung auf eine externe Steuerung der Insulindosierung als Entlastung und Gewinn an diabetesspezifischer Lebensqualität erleben. Sie konnten dem System vertrauen und hatten eine gute Schlafqualität. Damit hat das System auch wichtige psychologische Vorteile.



Autorin:
Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (6) Seite 50