Spaic T, Robinson T, Goldbloom E, Gallego P, Hramiak I, Lawson ML, ­Malcolm J, Mahon J, Morrison D, Parikh A, Simone A, Stein R, Uvarov A, Clarson C for the JDRF Canadian Clinical Trial CCTN1102 Study Group ­Division of Endocrinology and Metabolism; London, Ontario, Canada; Spaic T, Robinson T, Goldbloom E, Gallego P, Hramiak I, Lawson ML, ­Malcolm J, Mahon J, Morrison D, Parikh A, Simone A, Stein R, Uvarov A, Clarson C for the JDRF Canadian Clinical Trial CCTN1102 Study Group ­Division of Endocrinology and Metabolism; London, Ontario, Canada

Fragestellung: Es sollte untersucht werden, ob ein strukturiertes Transitionsprogramm für junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes die Zuverlässigkeit bei Klinikbesuchen, die Qualität der Stoffwechseleinstellung, die diabetesbedingten Belastungen, die Lebensqualität und die Zufriedenheit mit der Versorgung verbessert.

Methodik: In dieser multizentrischen randomisierten kontrollierten Studie wurden junge Erwachsene (17 bis 20 Jahre) mit Typ-1-Diabetes zufällig einem Transitionsprogramm mit einem Transitionskoordinator oder einer Standardversorgung zugewiesen. Die Intervention erstreckte sich über 18 Monate (6 Monate in der pädiatrischen und 12 Monate in der internistischen Diabetologie). Das primäre Ergebnis bezog sich auf den Anteil der Teilnehmenden, die während der 12-monatigen Nachbeobachtung nach Abschluss der Intervention mindestens einen Besuch in einer Diabetesklinik für Erwachsene versäumt hatten.

Ergebnisse: Es wurden 205 Teilnehmende zufällig dem Transitionsprogramm (n = 104) oder der Standardbetreuung (n = 101) zugewiesen. In der Transitionsgruppe war die Zahl der ambulanten Besuche höher (mittlere [SD] Anzahl der Besuche 4,1 [1,1] gegenüber 3,6 [1,2], p = 0,002), und die Zufriedenheit mit der Versorgung war größer (mittlere [SD] Punktzahl 29,0 [2,7] gegenüber dem Vorjahr 27,9 [3,4], p= 0,032). Weiterhin war die diabetesspezifische Belastung geringer (mittlerer [SD]-Wert 1,9 [0,8] gegenüber 2,1 [0,8], p = 0,049) als in der üblichen Versorgung. Es zeigte sich ein Trend zu einem niedrigeren mittleren HbA1c (8,33 % [68 mmol/mol] gegenüber 8,80 % [73 mmol/mol], p = 0,057). Während der 12-monatigen Nachbeobachtungszeit gab es keinen Unterschied zwischen denjenigen Teilnehmenden, die keinen oder mindestens einen Klinikbesuch versäumt hatten (p = 0,846). Die mittlere Veränderung des HbA1c unterschied sich nicht zwischen den Gruppen (p = 0,073). Nach Abschluss der Nachuntersuchung unterschieden sich die Gruppen nicht in Bezug auf die Zufriedenheit mit der Versorgung, diabetesbedingte Belastungen und Lebensqualität.

Schlussfolgerung: Das 18-monatige Transitionsprogramm war mit regelmäßigeren Klinikbesuchen, höherer Zufriedenheit mit der Versorgung und geringeren diabetesbedingten Belastungen verbunden. Diese Vorteile blieben jedoch 12 Monate nach Abschluss der Intervention nicht erhalten.

Kommentar: Die Optimierung des Übergangs von der pädiatrischen in die internistische Diabetesbetreuung wird auch in Deutschland intensiv bearbeitet. Diese große Studie aus Kanada zeigt einerseits eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden an einem Transitionsprogramm. Jedoch ließen sich nachhaltige Effekte auf die Qualität der Stoffwechseleinstellung nicht nachweisen. Wahrscheinlich setzten sich Unterschiede, die durch das elterliche Engagement bereits in der Kindheit und Jugend etabliert wurden, bis weit ins Erwachsenenalter fort, ohne dass diese Intervention darauf Einfluss nehmen konnte.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (3) Seite 47-48