Skipper N, Gaulke A, Sildorf SM, Eriksen TM, Nielsen NF, Svensson J; ­Aarhus, Dänemark; JAMA 2019; 32: 484 – 492

Fragestellung: Typ-1-Diabetes steht mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Folgekomplikationen wie Retinopathie und Nephropathie in Verbindung. Es ist jedoch noch nicht geklärt, ob es einen Zusammenhang zwischen Typ-1-Diabetes und den Schulleistung von Kindern gibt. Dazu wurde in dieser Studie verglichen, ob sich die Ergebnisse in standardisierten Lese- und Mathematiktests zwischen Schülern mit oder ohne Typ-1-Diabetes unterscheiden.

Methodik: Vom 1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2015 (Enddatum der Folgeuntersuchungen) wurde eine bevölkerungsbezogene retrospektive Kohortenstudie unter allen dänischen Schüler durchgeführt, die die Klassen 2, 3, 4, 6 oder 8 an öffentlichen Schulen besuchten. Dazu wurden die Test­ergebnisse in Mathematik (n = 524 764) und die im Lesen (n = 1 037 006) einbezogen. Mittels linearer Regressionsmodelle wurden die Testergebnisse analysiert und zwar sowohl mit, als auch ohne Adjustierung hinsichtlich sozioökonomischer Merkmale. Als primäre Ergebnisse dienten die zusammengefassten Testergebnisse in Mathematik und im Lesen (min – max: 1 – 100).

Ergebnisse: Unter den 631 620 in die Studie eingeschlossenen Kindern (51 % Jungen) öffentlicher Schulen betrug das mittlere Alter 10,31 (SD 2,42) Jahre. Bei 2 031 Kindern lag ein bestätigter Typ-1-Diabetes vor. Insgesamt lag die mittlere kombinierte Punktzahl in Mathematik und im Lesen bei 56,11 Punkten (SD 24,93). Es konnten keine signifikanten Unterschiede bezogen auf die Testergebnisse zwischen Kindern mit Typ-1-Diabetes (Mittelwert 56,56) und Kindern ohne Dia­betes (Mittelwert 56,11; Unterschied: 0,45 [95 % CI; -0,31 bis 1,22]) festgestellt werden. Der geschätzte Unterschied zwischen den Testwerten der Kinder mit und ohne Typ-1-Diabetes (basierend auf einem linearen Regressionsmodell mit Adjustierung hinsichtlich Klassenstufe, Thema des Tests und Jahr) betrug 0,24 (95 % CI; -0,90 bis 1,39) und 0,45 (95 % CI; -0,58 bis 1,49) bei zusätzlicher Adjustierung hinsichtlich des sozioökonomischen Status.

Schlussfolgerung: Unter dänischen Kindern, die eine öffentliche Schule besuchten, konnten keine signifikanten Unterschiede in standardisierten Lese- und Mathematiktests zwischen Kindern mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zu Kindern ohne Diabetes nachgewiesen werden.

Kommentar: Diese repräsentativen Daten aus Dänemark zeigen, dass Kinder trotz der täglichen Anforderungen durch die Selbsttherapie und sicher auch mit Schwankungen ihrer Glukosespiegel vergleichbare kognitive Leistungen erbringen wie stoffwechselgesunde Gleichaltrige. Diese insgesamt positiven Daten können Eltern von Kindern mit Dia­betes von Sorgen entlasten, die durch aktuelle Studien aus den USA zu neurokognitiven Veränderungen bei Diabetes verunsichert sind. Für die große Gruppe der Kinder mit Typ-1-Diabetes insgesamt scheinen neurokognitive Besonderheiten wenig Relevanz zu haben. Trotzdem sollte die kognitive Entwicklung von Kindern mit sehr früher Diabetesmanifestation und einer unzureichenden Qualität der Stoffwechseleinstellung sorgfältig überwacht werden.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (2) Seite 49-50