Tabaei BP, Howland RE, Gonzalez JS, Chamany S, Walker EA, Schechter CB, Wu WY; New York, USA; Diabetes Care 2020; 43: 743 – 750; DOI: 10.2337/dc19-0954

Fragestellung: Schulung und Unterstützung des Selbstmanagements sind unerlässlich um die Qualität der Stoffwechseleinstellung bei Diabetes zu verbessern. Eine über ein Jahr angelegte randomisierte telefonische Intervention (Bronx-A1c) zur Verbesserung des Diabetes-Selbstmanagements konnte die Blutglukoseeinstellung effektiv verbessern. Die Gruppe der Probanden der Studie setzte sich in erster Linie aus Latinos und Afroamerikanern zusammen. Um weitere Effekte der Intervention darzustellen, wurden in der aktuellen Studie die Auswirkungen der Intervention auf die Reduzierung der Inanspruchnahme und der Kosten der Gesundheitsversorgung über einen Zeitraum von vier Jahren untersucht.

Methodik: Die Autoren erfassten die stationären (n = 816) Aufnahmen der Teilnehmenden an der Bronx-A1c-Studie auf der Grundlage der Daten aller Krankenhausentlassungen des Staates New York zwischen 2006 und 2014. Es wurden mehrstufige gemischte Modellierungen eingesetzt, um Änderungen der Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung und der Kosten zwischen den Teilnehmenden der Intervention (Tele/Pr) und Patienten des Kontrollarms (PrO) darzustellen.

Ergebnisse: Während der Nachuntersuchungsphase ergaben sich signifikante Unterschiede für die Reduzierung stationärer Aufnahmen (alle Indikationen) zwischen der Interventionsgruppe (Tele/Pro) und der Kontrollgruppe: Wahrscheinlichkeit der Krankenhausaufnahme (Odds Ratio [OR] 0,89; 95 % CI 0,82, 0,97; p < 0,01), Anzahl der Krankenhausaufenthalte (Rate Ratio [RR] 0,90; 95 % CI 0,81, 0,99; p = 0,04) und Krankenhauskosten (RR 0,90; 95 % CI 0,84, 0,98; p = 0,01). Die Reduzierungen der Krankenhausnutzung und der Kosten waren bei stationären Aufenthalten, die im Zusammenhang mit dem Diabetes standen, noch stärker ausgeprägt. Diese Ergebnisse standen in keinem signifikanten Zusammenhang zu Veränderungen des Hämoglobins A1c während der Teilnahme der Probanden an der 1-Jahres-Intervention.

Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse zeigen, dass die Bronx A1C-Intervention sich nicht nur auf kurzfristige Verbesserungen der Blutzuckerkontrolle, sondern auch auf die langfristige Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung auswirkt. Dieses Ergebnis ist bedeutsam, da es darauf hinweist, dass die Effekte der Intervention von langer Dauer waren und nicht nur die Krankenhauseinweisungen reduzierten, sondern auch die mit dem stationären Aufenthalt verbundenen Kosten senken konnten.

Kommentar: Stationäre Aufenthalte wegen des Diabetes sind nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland besonders kostenintensiv. Wenn es durch eine relativ einfache, auf die Lebenssituation sozial eher benachteiligter Gruppen zugeschnittene telefonische Intervention gelingt, stationäre Kosten über Jahre zu senken, dann müsste sie sich nicht nur finanziell sondern auch bezogen auf die Lebensqualität amortisieren. Auch in Deutschland sind sozioökonomisch benachteiligte Gruppen überproportional von Typ-2-Diabetes betroffen. Oft sind diese Patienten von den Anforderungen an das Selbstmanagement und den mittelschicht-orientierten Diabetesschulungen überfordert. Hier könnten einfache, regelmäßige, telefonische Hilfen zur Verbesserung des Selbstmanagements ein sinnvoller Ansatz sein.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (4) Seite 45-46