In der Maastricht-Studie fand sich, dass sozial isolierte Menschen häufiger mit Typ-2-Diabetes diagnostiziert werden als Personen mit größeren sozialen Netzwerken. Also könnte die Förderung von sozialer Integration ein vielversprechendes Ziel von Präventionsstrategien sein, so die Autoren.

Runter vom Sofa ist schon lange als guter Tipp für die Diabetesprävention bekannt. Bisher dachte man dabei an körperliche Bewegung und ihre vorteilhafte Wirkung auf den Stoffwechsel. Jetzt hat eine Analyse aus der Maastricht-Studie diesem Ratschlag eine neue Perspektive hinzugefügt, und zwar eine soziale: In ihr fand sich, dass sozial isolierte Personen häufiger mit einem Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurden als solche mit einem größeren sozialen Netzwerk. Die Ergebnisse wurden im Dezember 2017 von ­Stephanie Brinkhues und Kollegen in BMC Public Health publiziert.

Wer sozial weniger vernetzt ist, erkrankt eher an Diabetes

„Hochrisikogruppen für Typ-2-Diabetes sollten ihre Netzwerke vergrößern und ermutigt werden, neue Freunde zu finden sowie Mitglieder in Vereinen zu werden, zum Beispiel Freiwilligenorganisationen, Sportvereinen oder Diskussionsgruppen“, schlug Dr. Miranda Schram, Hauptautorin der Arbeit, vor. Sie wies darauf hin, dass alleine lebende Männer offenbar ein höheres Diabetesrisiko haben, „sie sollten als Hochrisikogruppe im Gesundheitssystem erkannt werden“, forderte die Epidemiologin an der Universität Maastricht. Weiterhin könnten die Größe des sozialen Netzwerks und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten zukünftig auch als Indikatoren des Diabetesrisikos verwendet werden, denkt Schram.

Die Autoren nutzten Daten zu 2.861 Teilnehmern der Maastricht-Studie, einer beobachtenden Kohortenstudie von Männern und Frauen im Alter zwischen 40 und 75 Jahren aus der südniederländischen Region um die gleichnamige Stadt. Von diesen Teilnehmern hatten 56,7 Prozent einen normalen Glukosestoffwechsel, 15,0 Prozent hatten Prädiabetes, 3,9 Prozent einen neu diagnostizierten und 24,4 Prozent einen bekannten Typ-2-Diabetes.

Typ-2-Diabetes-Prävention: Vorteile durch Vereinsleben

Soziale Teilnahme in Vereinen und Gruppen zeigte sich in der Analyse als vorteilhaft. Fehlende Teilnahme daran war bei den Frauen mit einer um 60 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eines Prädiabetes und einer um 112 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eines Typ-2-Diabetes im Vergleich mit Teilnehmern mit normalem Glukosestoffwechsel assoziiert. Bei den Männern war das Fehlen von sozialer Teilhabe mit einer um 42 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für einen Typ-2-Diabetes assoziiert.

Die Studie fand außerdem, dass jedes Mitglied weniger im eigenen sozialen Netzwerk mit einer um fünf bis zwölf Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eines neu diagnostizierten oder bekannten Typ-2-Diabetes assoziiert war, wieder im Vergleich mit Personen mit normalem Glukosemetabolismus. Jede zehn Prozent weniger Netzwerk-Mitglieder in Gehentfernung waren bei Frauen mit einer um 9 bis 21 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit eines neu diagnostizierten oder bekannten Typ-2-Diabetes assoziiert.

Bei Männern und Frauen war ein größerer Anteil an Haushaltsmitgliedern in einem sozialen Netzwerk mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eines neu diagnostizierten Diabetes assoziiert. Die Forscher fanden außerdem, dass bei Männern das allein Leben mit einem um 94 Prozent höheren Typ-2-Diabetes-Risiko assoziiert war.

Veränderungen im Glukosemetabolismus könnten einschränken sein

Als mögliche Einschränkung weisen die Autoren darauf hin, dass Veränderungen im Glukosemetabolismus in der Frühphase unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit und Unwohlsein verursachen können, die dann eine Erklärung für begrenzte soziale Teilnahme sein könnten.

„Wir sind die ersten, die die Assoziation einer breiten Auswahl an Charakteristika des sozialen Netzwerks wie soziale Unterstützung, Netzwerkgröße oder Art der Beziehungen mit verschiedenen Stadien des Typ-2-Diabetes bestimmt haben“, betonte Ersttautorin Brinkhues. „Unsere Ergebnisse unterstützen die Idee, dass das Überwinden von sozialer Isolation helfen könnte, die Entwicklung von Typ-2-Diabetes zu verhindern“, erklärte sie.



Autor: Marcus Sefrin
Chefredaktion DiabetesNews
Verlag Kirchheim & Co GmbH, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90

Erschienen in: DiabetesNews, 2018; 17 (3) Seite 2