Li J, Parrott S, Sweeting M, Farmer A, Ross J, Dack C, Pal K, Yardley L, ­Barnard M, Hudda M, Alkhaldi G, Murray E; York, Vereinigtes Königreich England (UK); J Med Internet Res. 2018 Jun 8; 20(6):e201. doi: 10.2196/jmir.9256.

Einführung: Es sollte die Kosteneffektivität eines webbasierten Selbstmanagementprogramms für Menschen mit Typ-2-Diabetes (HeLP-Diabetes) im Vergleich zur üblichen Versorgung untersucht werden.

Methodik: Auf der Grundlage der Daten einer multizentrischen randomisierten zweiarmigen Studie über 12 Monate wurde eine inkrementelle Kosten-Effektivitäts-Analyse durchgeführt. Sie bezog sich auf die Kosten, die damit für das Gesundheitssystem (NHS) und das Sozialsystem verbunden waren. In die Studie wurden Erwachsene (18 Jahre und älter) mit der Diagnose Typ-2-Diabetes aufgenommen, die in den teilnehmenden 21 allgemeinmedizinischen Praxen in England (UK) registriert waren. Ausgeschlossen wurden Personen, die der Teilnahme nicht zustimmten oder die Intervention nicht nutzen konnten, terminal erkrankt waren oder an einer anderen Intervention zum Selbstmanagement beteiligt waren. Die Teilnehmer wurden zufällig entweder der üblichen Behandlung plus HeLP-Diabetes, d. h. einem interaktiven webbasierten Selbstmanagement-Programm, oder der üblichen Betreuung plus einer Website mit grundlegenden Informationen zugewiesen. Die Kosten für die Intervention und die Nutzung weiterer Ressourcen des Gesundheitssystems wurden analysiert. Außerdem wurden zwei Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität eingesetzt: 1) Problembereiches des Diabetes (PAID-Skala) und der EQ-5D-3L. Letzterer diente zur Berechnung der qualitätsadjustierten Lebensjahre (QALYs). Primär wurde eine Intention-to-treat-Analyse durchgeführt, bei der fehlende Daten durch multiple Imputation ersetzt wurden.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 374 Teilnehmende randomisiert, davon wurden 185 der Interventionsgruppe zugewiesen und 189 der Kontrollgruppe. Die Primäranalyse konnte eine Kosteneffektivität von £ 58 (95 % CI -411 bis 587) pro Verbesserung um einen Punkt auf der PAID-Skala und von £ 5 550 (95 % CI -21,077 bis 52,356) pro QALY in der HeLP-Diabetes-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe zeigen. Die vollständige Fallanalyse zeigte eine geringere Kostenwirksamkeit und höhere Unsicherheit mit inkrementellen Kosten-Nutzen-Verhältnissen von £ 116 (95 % CI -1 299 bis 1 690) pro Verbesserung um einen Punkt auf der PAID-Skala und £ 18 500 (95 % CI -203 949 bis 190 267) pro QALY. Die Kosten-Effektivitäts-Akzeptanzkurve ergab eine 87 %-Wahrscheinlichkeit der Kosteneffektivität, wenn pro QALY eine Summe von £ 20 000 akzeptiert würde. Nach entsprechenden Sensitivitätsanalysen wäre die Teilnahme von 363 Patienten an der Intervention erforderlich, um geringere Kosten als bei der üblichen Betreuung zu erreichen.

Schlussfolgerung: Der unterstützte Zugang zum webbasierten Programm „HeLP-Diabetes“ ist verglichen mit der üblichen Behandlung in dem Sinne kosteneffektiv, dass die Kosten unter der vom „National Institute of Health and Care Excellence“ (NICE) definierten Grenze von £ 20 000 bis £ 30 000 pro QALY liegen.

Kommentar: Aktuell werden mit webbasierten Interventionen für die große Zahl von Patienten mit Typ-2-Diabetes große Erwartungen verbunden. Diese relativ aufwendige und engagierte Studie aus England zeigt realistische Chancen, aber auch Probleme auf. Die webbasierte Intervention sollte mit einer persönlichen Einladung und Einführung durch das Behandlungsteam verbunden werden. Nur eine begrenzte Zahl der Patienten mit Typ-2-Diabetes konnte unter Versorgungsbedingungen für die Teilnahme rekrutiert werden. Die Kosten, die hier noch ohne die Entwicklungskosten für die web-basierte Intervention berechnet wurden, waren immer noch relativ hoch und führen potenziell erst bei hohen Teilnahmeraten zu einer Kostenreduktion. Auf der anderen Seite wird hier ein methodisch ausgereifter Ansatz vorgestellt, um die Chancen und den Nutzen webbasierter Interventionen bei Typ-2-Diabetes bezogen auf die Lebensqualität und relevante Stoffwechselparameter realistisch abzubilden.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (5) Seite 54-55