Garg SK, Henry RR, Banks P, Buse JB, Davies MJ, Fulcher GR, Pozzilli P, Gesty-Palmer D, Lapuerta P, Simó R, Danne T, McGuire DK, Kushner JA, Peters A, Strumph P; Denver, Colorado, USA; Effects of Sotagliflozin Added to Insulin in Patients with Type 1 Diabetes N Engl J Med 2017; 377: 2337 – 2348

Fragestellung: Bei den meisten Patienten mit Typ-1-Diabetes wird die adäquate glykämische Kontrolle mit alleiniger Insulintherapie nicht erreicht. Die Autoren untersuchten die Sicherheit und Wirksamkeit von Sotagliflozin, einem oralen Hemmer des Natrium-Glucose-Cotransporter 1 und 2 (SGLT1 und 2), in Kombination mit Insulin bei Patienten mit Typ-1-Diabetes.

Studiendesign und Methoden: In dieser doppelblinden Phase-III-Studie, die weltweit in 133 Zentren durchgeführt wurde, wurden 1 402 Patienten mit Typ-1-Diabetes und Insulintherapie (Pumpe oder Injektionen) in einen Arm mit Sotagliflozin (400 mg/Tag) oder Placebo über 24 Wochen zugeteilt. Primärer Endpunkt war ein glykiertes Hämoglobin unter 7,0 % nach 24 Wochen ohne Episoden mit schwerer Hypoglykämie oder diabetischer Ketoazidose nach Randomisierung. Sekundärer Endpunkt war die Veränderung des HbA1c im Vergleich zu Studienbeginn, Gewicht, systolischer Blutdruck und die mittlere tägliche Insulinbolusdosis.

Ergebnisse: Ein signifikant größerer Anteil der Patienten aus der Sotagliflozingruppe im Vergleich zur Placebogruppe erreichte den primären Endpunkt (200 von 699 Patienten [28,6 %] vs. 107 von 703 [15,2 %], p < 0,001). Die Veränderung des HbA1c zu Studienbeginn, gemessen als die mittlere Veränderung der kleinsten Quadrate, war in der Sotagliflozingruppe signifikant größer als in der Placebogruppe (Unterschied -0,46 Prozentpunkte), Gewicht (-2,98 kg), systolischem Blutdruck (-3,5 mmHg) und mittlerer täglicher Insulinbolus (-2,8 Einheiten pro Tag) (p < 0,002 für alle Vergleiche). Die Rate schwerer Hypoglykämien war in der Sotagliflozin- und Placebogruppe ähnlich (3,0 % [21 Patienten] und 2,4 % [17], resp.) Die Rate dokumentierter Hypoglykämien mit einem Blutglukosespiegel von 55 mg/dl (3,1 mmol/l) oder darunter war in der Sotagliflozingruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe. Die Rate diabetischer Ketoazidosen war in der Sotagliflozingruppe höher als in der Placebogruppe (3,0 % [21 Patienten] und 0,6 % [4], resp).

Schlussfolgerung: Bei insulintherapierten Patienten mit Typ-1-Diabetes war der Anteil an Patienten, die ein HbA1c unter 7,0 % erreichten ohne schwere Hypoglykämien oder diabetische Ketoazidosen in der Sotagliflozingruppe höher. Allerdings war die Rate an diabetischen Ketoazidosen höher in der Sotagliflozingruppe.

Kommentar: Das Therapieprinzip einer dualen Hemmung der Glukosewiederaufnahme über SGLT-1- (Darm) und SGLT-2 (Niere)-Hemmung leuchtet für die Therapie einer Hyperglykämie ein. Dass Patienten mit Typ-1-Diabetes insulinpflichtig sind, ist auch unbestritten. Die auch von den Autoren geäußerte Sorge besteht im vermehrten Auftreten von diabetischen Ketoazidosen unter SGLT-Hemmung. Auch wenn die DKA ohne SGLT-Hemmung auftreten kann, sollte jede Risikoerhöhung ob der Schwere dieses unerwünschten Ereignisses vermieden werden. Die Abwägung kurzfristiger Nachteile und auch der Vorteile einer SGLT-Hemmung gegenüber möglichen langfristigen Vorteilen, wie sie für die SGLT-2-Hemmer Empagliflozin und Canagliflozin bei kardiovaskulären Hochrisiko-Typ-2-Diabetikern beschrieben wurden, wird Gegenstand vieler Diskussionen sein.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (1) Seite 46