Aroda VR, Rosenstock J, Terauchi Y, Altuntas Y, Lalic NM, Morales Villegas EC, Jeppesen OK, Christiansen E, Hertz CL, Haluzik M für die PIONEER 1-Investigatoren; Brigham and Women’s Hospital, Harvard Medical School, Boston, MA, USA; Diabetes Care 2019; 42: 1724 – 1732

Fragestellung: Die Studie verglich die Wirkung und Sicherheit des ersten oralen glucacon-like-peptide 1 (GLP1) Rezeptoragonisten, orales Semaglutid, in der Monotherapie mit Placebo an Patienten mit Typ-2-Diabetes, die allein mit Diät und körperlicher Aktivität geführt wurden. Zwei statistisch ermittelte Schätzgrößen (Estimand) adressierten 2 wirkungsassoziierte Fragen: ein Behandlungsprinzip Estimand (unabhängig vom Absetzen des Studienproduktes oder vom Gebrauch einer Ersatzmedikation) und ein Studienprodukt Estimand (für das Studienprodukt ohne Einsatz einer Ersatzmedikation) bei allen randomisierten Patienten.

Methodik: Es handelte sich um eine Phase 3a, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Parallelgruppen-Studie von 26 Wochen Dauer, die an 93 Plätzen in 9 Ländern durchgeführt wurde. Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, die unzureichend mit Diät und körperlicher Aktivität kontrolliert waren, wurden im Verhältnis (1:1:1:1) randomisiert zu 1x täglich Semaglutid 3 mg oral, 7 mg oral, 14 mg oral oder Placebo zugeteilt. Der primäre Endpunkt war die HbA1c-Veränderung zwischen Ausgangspunkt und Woche 26. Der sekundäre Endpunkt war die Änderung des Körpergewichtes vom Ausgangspunkt zur Woche 26.

Ergebnisse: Bei den 703 randomisierten Patienten (mittleres Alter 55 Jahre, 50,8 % Männer, mittleres Ausgangs-HbA1c 8,0 % [64 mmol/mol]) reduzierte orales Semaglutid HbA1c (Placebo-adjustierte Therapiedifferenz bei Woche 26: Behandlungsprinzip Estimand, -0,6 % [3 mg], -0,9 % [7 mg] und -1,1 % [14 mg]; Studienprodukt Estimand, -0,7 % [3 mg], -1,2 % [7 mg] und -1,4 % [14 mg]; p < 0,001 für alle) und das Körpergewicht (Behandlungsprinzip -0,1 kg [3 mg], -0,9 kg [7 mg] und -2,3 kg [14 mg]; p<0,001; Studienprodukt -0,2 kg [3 mg], -1,0 kg [7 mg; p < 0,01] und -2,6 kg [14 mg; p < 0,001]). Milde bis moderate gastrointestinale Beschwerden waren die häufigsten Nebenwirkungen von oralem Semaglutid. Absetzen des Studienproduktes traten bei 2,3 bis 7,4 % mit oralem Semaglutid und bei 2,2 % mit Placebo auf.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zeigte orales Semaglutid klinisch relevante Verbesserungen des HbA1c (alle Dosierungen) und Gewichtsverlust (14 mg) im Vergleich zu Placebo. Das Sicherheitsprofil ist vergleichbar mit anderen GLP-1-Rezeptoragonisten.

Kommentar: GLP-1-Rezeptoragonisten gehören zu den bevorzugten Therapeutika bei Typ-2-Diabetes wegen ihrer guten HbA1c-reduzierenden Wirkung, ihres geringen Hypoglykämierisikos und ihres günstigen Einflusses auf das Körpergewicht. Semaglutid ist ein GLP-1-Rezeptoragonist mit nachgewiesenem kardioprotektiven Effekt. Nachteil aller bisher verfügbarer GLP-1-Rezeptoragonisten ist die Tatsache, dass sie als Peptide injiziert werden müssen und nicht oral verabreicht werden können. Semaglutid ist der erste GLP-1-Rezeptoragonist, für den eine oral zu verabreichende Form entwickelt wurde. Diese erste Studie mit dem oralen Semaglutid zeigt, es wird resorbiert, senkt HbA1c und in höherer Dosis auch das Körpergewicht. Alles weitere bleibt abzuwarten.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (5) Seite 45-49