Heerspink HJL, Stefánsson BV, Correa-Rotter R, Chertow GM, Greene T, Hou FF, Mann JFE, McMurray JJV, Lindberg M, Rossing P, Sjöström CD, Toto RD, Langkilde AM, Wheeler DC; DAPA-CKD Trial Committees and Investigators; Groningen, Die Niederlande; N Engl J Med . 2020 Sep 24. doi: 10.1056/NEJMoa2024816. Online ahead of print.

Hintergrund: Patienten mit chronischer Nierenerkrankung haben eine hohes Risiko für unerwünschte Nierenereignisse oder kardiovaskuläre Ereignisse. Der Effekt von Dapagliflozin bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, mit oder ohne Typ-2-Diabetes, ist nicht bekannt.

Methodik: Die Autoren ordneten 4 304 Teilnehmer mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) von 25 bis 75 ml pro Minute pro 1,73 m2 Körperoberfläche und einer Albumin zu Kreatinin Ratio im Urin von 200 bis 5 000 (mit Albumin gemessen in Milligramm und Kreatinin gemessen in Gramm) randomisiert der Behandlung mit Dapagliflozin (10 mg täglich) oder Plazebo zu. Primärer Endpunkt war die Kombination aus anhaltendem Abfall der eGFR von mindestens 50 %, Nierenversagen im Endstadium oder Tod durch renale oder kardiovaskuläre Ursache.

Ergebnisse: Ein unabhängiges datenmonitorierendes Komitee empfahl die Beendigung der Studie aufgrund der Wirksamkeit. Über einen Median von 2,4 Jahren ereignete sich der primäre Endpunkt bei 197 der 2 152 Teilnehmer (9,2 %) in der Dapagliflozingruppe und bei 312 der 2 152 Teilnehmer (14,5 %) in der Plazebogruppe (Hazard Ratio, 0,61; 95 % Konfidenzintervall [KI], 0,51 bis 0,72; p < 0,001; Number-needed-to-treat um den primären Endpunkt zu verhindern war 19 [95 % KI, 15 bis 27]). Die Hazard Ratio für den kombinierten Endpunkt bestehend aus anhaltendem eGFR Verlust von mindestens 50 %, Nierenversagen im Endstadium oder Tod durch renale Ursache betrug 0,56 (95 % KI, 0,45 bis 0,68; p < 0,001), und die Hazard Ratio für den kombinierten Endpunkt Tod durch kardiovaskuläre Ursache oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz war 0,71 (95 % KI, 0,55 bis 0,92; p = 0,009). Es starben 101 Teilnehmer (4,7 %) in der Dapagliflozin-Gruppe und 146 Teilnehmer (6,8 %) in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio, 0,69; 95 % KI, 0,53 bis 0,88; p = 0,004). Die Effekte von Dapagliflozin waren bei Teilnehmern mit und ohne Typ-2-Diabetes ähnlich. Das bekannte Sicherheitsprofil von Dapagliflozin wurde bestätigt.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, verringerte sich mit Dapagliflozin im Vergleich zu Plazebo, unabhängig von der Diagnose Typ-2-Diabetes, das Risiko für den kombinierten Endpunkt anhaltender ­eGFR Verlust von mindestens 50 %, Nierenversagen im Endstadium oder Tod durch renale oder kardiovaskuläre Ursachen. (Funded by AstraZeneca; DAPA-CKD ClinicalTrials.gov number, NCT03036150.).

Kommentar: Diese Studie wurde bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz mit eGFR zwischen 25 und 75 ml/min durchgeführt und wurde vorzeitig abgebrochen, weil die Therapie mit Dapagliflozin klare Vorteile zeigte, die Number-needed-to-treat (NNT über 2,4 Jahre) wurde mit 19 berechnet. Der Effekt war deutlich, und es machte keinen Unterschied, ob die Patienten neben der Niereninsuffizienz einen Typ-2-Diabetes hatten oder nicht. Diese Ergebnisse erinnern an Studien zur Herzinsuffizienz mit SGLT-2-Hemmern, bei denen ebenfalls die Vorteile sowohl bei Patienten mit als auch ohne Typ-2-Diabetes gesehen wurden. Wir können also hoffen, dass nach Einreichung der neuen Daten bei der FDA und EMA eine Zulassungerweiterung erreicht wird, die auch in der Fachinformation die Gabe von Dapagliflozin auch bei einer GFR unterhalb 60 bzw unter 45 ml/min. erlaubt und auch unabhängig vom Diabetes indiziert sein wird.



Autorin:
Prof. Dr. med. Nanette Schloot

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (6) Seite 47-48