Perkovic V, Jardine MJ, Neal B, Bompoint S, Heerspink HJL, Charytan DM, Edwards R, Agarwal R, Bakris G, Bull S, Cannon CP, Capuano G, Chu PL, de Zeeuw D, Greene T, Levin A, Pollock C, Wheeler DC, Yavin Y, Zhang H, Zinman B, Meininger G, Brenner BM, Mahaffey KW; CREDENCE Trial ­Investigators; Sydney, Australia; N Engl J Med 2019; doi: 10.1056/NEJMoa1811744. [Epub ahead of print]

Fragestellung: Typ-2-Diabetes führt weltweit am stärksten zu Nierenversagen, aber es gibt nur wenige effektive Langzeitbehandlungen. Explorative Ergebnisse aus kardiovaskulären Studien mit Hemmern des Sodium-Glucose Co-Transporter 2 (SGLT2) lassen vermuten, dass diese Medikamente renale Endpunkte bei Patienten mit Typ-2-Diabetes verbessern können.

Methodik: In dieser doppelblinden, randomisierten Studie teilten die Autoren Patienten mit Typ-2-Diabetes und albuminurischer chronischer Nierenerkrankungen dem Behandlungsarm mit Canagliflozin, einem oralen SGLT-2-Inhibitor in einer Dosierung von 100 mg täglich oder Placebo zu. Alle Patienten hatten eine geschätze glomeruläre Filtrationsrate (GFR) von 30 bis < 90 ml pro Minute pro 1,73 m2 Körperoberfläche und eine Albuminurie (Ratio von Albumin [mg] zu Kreatinin [g] von > 300 – 5 000) und wurden mit Hemmern des Renin-Angiotensin-Systems behandelt. Primärer Endpunkt war eine Kombination von Nierenversagen (Dialyse, Transplantation, wiederholter eGFR < 15 ml/min/1,73 m2), eine Verdoppelung des Serumkreatininspiegels oder Tod aufgrund renaler oder kardiovaskulärer Ursachen. Präspezifierte sekundäre Endpunkte wurden hierarchisch getestet.

Ergebnisse: Die Studie wurde im Rahmen einer geplanten Interimanalyse gemäß den Empfehlungen des Sicherheitskommittees frühzeitig gestoppt. Zu diesem Zeitpunkt waren 4 401 Patienten randomisiert und Daten über eine mediane Beobachtungsdauer von 2,62 Jahren standen zur Verfügung. Das relative Risiko für den primären Endpunkt war 30 % niedriger in der Canagliflozin-Gruppe als in der Placebo-Gruppe. Die Ereignisraten waren 43,2 und 61,2 pro 1 000 Patientenjahre (Hazard Ratio (HR) 0,70; 95 % Konfidenzintervall [KI]) 0,59 bis 0,82; p = 0,00001). Das relative Risiko der renal-bezogenen kombinierte Endpunkt aus Nierenversagen, Kreatininverdopplung oder Tod durch renale Ursache war 34% niedriger (HR 0,66; 95 % KI 0,54 bis 0,86; p = 0,002). Die Canagliflozin-Gruppe hatte auch ein niedrigeres Risiko für kardiovaskulären Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall (HR 0,80; 95 % KI 0,67 bis 0,95; p = 0,01) und Hospitalisierung wegen Herzinsuffzienz (HR 0,61; 95 % KI 0,47 bis 0,80; p < 0,001). Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede für Amputation oder Frakturen.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankung war das Risiko für Nierenversagen und kardiovaskuläre Ereignisse niedriger in der Canagliflozin-Gruppe im Vergleich zu Placebo über eine medianen Beobachtungsdauer von 2,62 Jahren.

Kommentar: Diese Studie bestätigt die Beobachtung aus den Subanalysen der bisherigen CVOT („Cardiovaskulären Outcome Trials“) mit SGLT-2-Hemmern, dass Canagliflozin nierenprotektiv ist, auch bei Patienten, die bereits eine Nephropathie aufweisen. Fast alle der Patienten erhielten einen ACE-Hemmer/AT1-Blocker. Dieses sehr eindrucksvolle Ergebnis wird hoffentlich dazu führen, dass Canagliflozin schnell einer breiten Gruppe von Diabetespatienten mit Nephropathie, auch solchen mit erniedrigten eGFR, zugänglich gemacht werden.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (3) Seite 48