Der progrediente Krankheitsverlauf von Typ-2-Diabetes macht üblicherweise im Zeitverlauf eine medikamentöse Anpassung notwendig, um die individuellen Therapieziele zu realisieren. Wird es Zeit für den Einstieg in eine Insulintherapie, stellt dies oft einen therapeutischen Wendepunkt dar, der Patient:innen belasten kann. Hier gilt es, deren Bedürfnisse und eventuelle Befürchtungen ernst zu nehmen. Insulin degludec kann hier möglicherweise helfen, Barrieren zu überwinden.

An Menschen mit Typ-2-Diabetes werden im Alltag hohe Anforderungen gestellt. Sie sollen ihr Bewegungs- und Ernährungsverhalten ändern sowie ein adhärentes Therapieverhalten entwickeln. Doch trotz aller Bemühungen und der Therapie mit oralen Antidiabetika und/oder GLP-1 Rezeptoragonisten können die individuellen Therapieziele möglicherweise nicht dauerhaft erreicht werden. Dann sollte, wie Prof. Dr. med. Matthias Weber, Mainz, auf einer Video-Pressekonferenz von Novo Nordisk anhand nationaler und internationaler Leitlinien [1,2] zeigte, eine Insulintherapie begonnen werden, in der Regel dabei mit einem lang wirksamen Basalinsulin.

Hemmnisse ernst nehmen

Der Einstieg in die Insulintherapie kann sich oftmals schwierig gestalten. Rund 20-50% der Patient:innen mit Typ-2-Diabetes, welche erstmals eine Insulintherapie angeboten bekommen, würden diese zunächst ablehnen, sagte Dipl.-Psych. Arne Schäfer, Bad Mergentheim. "Fast reflexartig wird von ihnen gefragt: ‚Muss das sein? Gibt es keine Alternativen?" Ursächlich hierfür ist nach Schäfer eine ‚psychologische Insulinresistenz‘ d. h. Einstellungen, Ängste und Befürchtungen würden dazu führen, dass eine Insulintherapie nicht gewollt und nicht umgesetzt wird. Nach Weber ist es daher unbedingt zu vermeiden, Patient:innen zur Erhöhung der Therapieadhärenz mit der Angst vor der Spritze disziplinieren zu wollen. Vielmehr könne eine frühzeitige, fundierte Aufklärung der Betroffenen den Übergang zur Insulintherapie erleichtern. Nach Schäfer konnten in einer internationalen Online-Befragung [3] fünf Faktoren identifiziert werden, die helfen können, Befürchtungen und Hemmnisse der Patient:innen mit Typ-2-Diabetes hinsichtlich einer Insulintherapie zu überwinden (vgl. Kasten). Dabei ist Schäfer der Überzeugung, entscheidend sei nicht die rhetorische Geschicklichkeit von Ärzt:innen, sondern ihre Haltung. Diese sollte von Respekt und Wertschätzung gegenüber den Patient:innen und der Aufgabe, die diese zu bewältigen haben, geprägt sein.

Insulin degludec zum Einstieg in die Insulintherapie

"Insulin hat einen wichtigen Stellenwert und muss gut ausgewählt werden. Es sind aber die Patient:innen, die damit umgehen müssen", brachte es Dr. med. Matthias A. Schweitzer, Mainz, auf den Punkt. Insulin degludec (Tresiba®) hat ein flaches und stabiles Wirkprofil, das den Patient:innen bei Bedarf Flexibilität in der Anwendung bieten kann, ohne Beeinträchtigung der Wirksamkeit und Sicherheit [4]. Dies kann es den Patient:innen einfacher machen, die Therapie in ihren Alltag zu integrieren. "Aus meiner Sicht ist Insulin degludec für den Einstieg in eine Basalinsulin-Therapie ein sehr guter Kandidat", erklärte Dr. med. Markus Menzen, Bonn.

Faktoren zum Überwinden von Barrieren und Hemmnissen
  • Erläuterung der Vorteile einer Insulinbehandlung
  • kollaborativer/patient:innenzentrierter Stil von Mediziner:innen
  • Mythen/Vorurteile über Insulin zerstreuen
  • Überzeugung des Arztes, dass Insulin hilfreich ist [3]

Flexibel und stabil sind keine Widersprüche

Flexibel im Einsatz und stabil in der Wirkung: der spezielle Verzögerungsmechanismus von Insulin degludec macht es möglich. Insulin degludec bildet nach subkutaner Injektion ein Depot aus Multihexamerketten, aus denen kontinuierlich Insulin degludec-Monomere freigesetzt werden, wodurch eine flache, stabile blutzuckersenkende Wirkung über 24 Stunden entsteht [5].
Dies ermöglicht, dass das 1-mal täglich anzuwendende Basalinsulin zu jeder Tageszeit verabreicht werden und der Injektionszeitpunkt bei Bedarf von Tag zu Tag variieren kann, ohne dass die glykämische Kontrolle oder die Sicherheit beeinträchtigt wird [4]. Einzige Bedingung: es müssen mindestens acht Stunden zwischen den Injektionen liegen [5].

Vertrauen in die Anwendung

"Patient:innen möchten sich auf ihr Insulin verlassen können", erklärte Menzen. "Dazu gehört eine möglichst stabile und vorhersagbare Blutzucker-senkende Wirkung des Insulins." Wie Menzen darlegte, zeichnet sich Insulin degludec durch ein flaches und stabiles Wirkprofil über 24 Stunden aus [5]. Auch in besonderen Situationen wie z.B. einer Koloskopie ergaben sich in einer kleinen Beobachtungsstudie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes (n = 12) keine Unterzuckerungen durch die lange Wirkdauer des Insulins [6]. Die Gabe von Insulin degludec wurde dabei einmalig am Morgen der Koloskopie ausgesetzt. Ein Pluspunkt sei zudem die Möglichkeit, den Injektionszeitpunkt im Tagesverlauf zu verschieben, unter Beachtung eines Mindestabstands von acht Stunden zwischen den Injektionen [5]. Zwar sei ein gleichbleibender Zeitpunkt für die Insulininjektion anzustreben, aber die Möglichkeit, diesen flexibel zu gestalten, würde den Patient:innen ein hohes Maß an Freiheit bieten, was dazu beitragen kann, ihnen die Angst vor therapiebedingten Einschränkungen im Alltag zu nehmen, so Menzen weiter.

Tresiba® im FlexTouch® Fertigpen
Der Einsatz von Insulin degludec wird durch den leicht zu bedienenden Insulinpen Tresiba® FlexTouch® noch vereinfacht. Dabei handelt es sich um den einzigen vorgefüllten Insulinpen, bei dem die Penlänge bei der Injektion unabhängig von der eingestellten Dosis stets gleichbleibt. Für Patient:innen kann dies eine Erleichterung bei der Injektion bedeuten. Eine randomisierte, offene Cross-over-Studie, in die 145 Patient:innen mit Typ-2-Diabetes eingeschlossen waren, konnte zudem zeigen, dass 70,4 % der Teilnehmer:innen die Ansicht vertraten, der Injektionsknopf von Tresiba® FlexTouch® ließe sich leichter drücken als der von Lantus® SoloStar® [10].

Angst vor Hypoglykämien begegnen

Eine Barriere, die den Einstieg in eine Insulintherapie erschweren oder verhindern kann, ist die Angst vor Hypoglykämien. Auch hier kann Insulin degludec hilfreich sein. So zeigte Insulin degludec in der Gesamtschau klinischer Studien bei bestimmten Patientenpopulationen mit Typ-2-Diabetes geringere Hypogly-kämieraten als Insulin glargin 100 E/ml [5,7-9]. In der kardiovaskulären Outcome-Studie DEVOTE trat bei vergleichbarer glykämischer Einstellung eine um 40 % niedrigere Rate von schweren Hypoglykämien unter Insulin degludec gegenüber Insulin glargin 100 E/ml (p < 0,001) auf. Bei schweren nächtlichen Hypoglykämien war die Rate unter Insulin degludec um 53 % niedriger (p < 0,001). Kardiovaskuläre Sicherheit Die Ergebnisse der DEVOTE-Studie bestätigen zudem die kardiovaskuläre Sicherheit von Insulin degludec. Hier zeigten die Daten zum primären Endpunkt mit einer Hazard Ratio von 0,91 (95 %-Konfidenzintervall: 0,78-1,06) die Nicht-Unterlegenheit von Insulin degludec im Vergleich zu Insulin glargin
100 E/ml [8].

Wirtschaftlich interessant

Last but not least ist die Verordnung von Insulin degludec wirtschaftlich*, da die Therapiekosten die Kosten einer Humaninsulintherapie nicht überschreiten.# Insulin degludec ist bisher das einzige Insulin, das einen Nutzenbewertungsprozess nach AMNOG durchlaufen hat, sodass Rabattverträge nicht notwendig werden.

Fazit
Der Einstieg in die Insulintherapie ist für Patient:innen mit Typ-2-Diabetes häufig ein mit Hemmnissen und Befürchtungen belasteter Schritt. Diese gilt es von Seiten der Ärzt:innen ernst zu nehmen und in patient:innenzentrierten Gesprächen auszuräumen. Neben einer vertrauensvollen Gesprächsführung kann die richtige Wahl des Basalinsulins dabei helfen, den Start in die Insulintherapie zu erleichtern. Mit Insulin degludec (Tresiba®) steht ein Basalinsulin zur Verfügung, das zahlreiche Vorteile aufweisen kann:ein flaches und stabiles WirkprofilFlexibilität im Alltag einfache Anwendung mit Insulinpen Tresiba® FlexTouch®ein gut dokumentiertes Sicherheitsprofil, einschließlich einer belegten kardiovaskulären Sicherheitgesicherte Wirtschaftlichkeit# Mit diesem Profil kann Insulin degludec dazu beitragen, den Start in die Insulintherapie für Menschen mit Typ-2-Diabetes möglichst einfach zu gestalten

Literatur
1. Landgraf R et al. Diabetologie und Stoffwechsel 2020; 15 (Suppl 1):S65-S92
2. Buse JB et al. Diabetologia 2020;63:221-228
3. Polonsky WH et al. J Diabetes Complications 2019; 33:307-314
4. Meneghini L et al. Diabetes Care 2013;36:858–864
5. Fachinformation Tresiba®; Stand: November 2020
6. Takeishi S et al. J Diabetes Investig 2016;7:374-380
7. Wysham C et al. JAMA 2017;318:45- 56
8. Marso SP et al. N Engl J Med 2017;377:723-732
9. Ratner RE et al. Diabetes Obes Metab 2013;15:175-184
10. Warren ML et al. Curr Med Res Opinion 2019;11:1-7



Impressum
Verlag Kirchheim + Co GmbH,
Wilhelm-Theodor-Römheld-Str. 14, 55130 Mainz
Video-Pressekonferenz: Typ-2-Diabetes – einfach mit Insulin degludec durchstarten. 25. Februar 2021; Veranstalter: Novo Nordisk Pharma GmbH
Redaktion: Dr. Claudia-Viktoria Schwörer
Die Herausgeber der Zeitschrift übernehmen keine Verantwortung für diese Inhalte.
Mit freundlicher Unterstützung der Novo Nordisk Pharma GmbH


Tresiba® 200 Einheiten/ml Injektionslösung im Fertigpen (FlexTouch®). Tresiba® 100 Einheiten/ml Injektionslösung in einer Patrone (Penfill®).
Wirkstoff: Insulin degludec. Zusammensetzung: Arzneilich wirksamer Bestandteil:100/200 E/ml Insulin degludec, gentechnisch hergestellt in Saccharomyces cerevisiae mit Hilfe von rekombinanter DNS. Sonstige Bestandteile:Glycerol, Metacresol, Phenol, Zinkacetat, Salzsäure (zur Einstellung des pH-Werts), Natriumhydroxid (zur Einstellung des pH-Werts), Wasser für Injektionszwecke. Anwendungsgebiete: Diabetes mellitus bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab dem Alter von 1 Jahr. Bei Typ 2 Diabetes auch in Kombination mit oralen Antidiabetika, GLP-1-Rezeptoragonisten und schnell wirkenden Insulinen. Bei Typ 1 Diabetes immer Kombination mit schnell wirkendem Insulin. Art der Anwendung: Nur zur s.c. Injektion. Tresiba® steht in 2 Stärken zur Verfügung. Unterscheidung anhand der Farben des Etiketts und der Packung beachten. Die Dosisanzeige zeigt stets die Anzahl der Einheiten, daher darf keine Dosisumrechnung bei Umstellung der Stärke vorgenommen werden. Aus dem Fertigpen darf die Lösung nicht mit einer Spritze aufgezogen werden. Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Insulin degludec oder einen der sonstigen Bestandteile. Vorsicht bei der Kombination mit Pioglitazon (Spontanmeldungen von Herzinsuffizienz). Es liegen keine Daten über die Anwendung von Tresiba® in der Schwangerschaft oder Stillzeit sowie bei Kindern unter 1 Jahr vor. Es ist nicht bekannt, ob Insulin degludec in die Muttermilch übergeht. Nebenwirkungen: Hypoglykämien. Ödeme zu Beginn der Behandlung. Reaktionen an der Injektionsstelle (Rötung, Schwellung, Entzündungen, Juckreiz und Blutergüsse). Lipodystrophie und kutane Amyloidose an der Injektionsstelle. Allergische Reaktionen, potenziell allergische Reaktionen, Urtikaria und Ausschläge; sehr selten generalisierte Überempfindlichkeitsreaktionen, die lebensbedrohlich sein können. Bei schneller Verbesserung der Blutzuckereinstellung vorübergehende Verschlechterung der diabet. Retinopathie. Warnhinweise: Verwenden Sie nur klare, farblose Lösung. Darf nur von einer Person verwendet werden. Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren. Verschreibungspflichtig. Novo Nordisk A/S, Novo Allé, 2880 Bagsvaerd, Dänemark. Stand: September 2020


Erschienen in: Diabetes-Forum, 2021; 33 (5) Seite 25