REWIND, CAROLINA, DECLARE-TIMI 53, BRIGHT, PREVIEW und PIONEER, um nur einige der großen Studien zu nennen, die auf dem Kongress der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft (American Diabetes Association – ADA) vorgestellt und diskutiert wurden. Der Kongress in San Francisco, Kalifornien, war vollgepackt mit wichtigen Studien – die 15 000 Teilnehmer (einschließlich über 12 000 Professionals) des ADA-Kongresses, aus 115 Ländern, bekamen einiges geboten.

Schaut man sich das Programm des Kongresses der American Diabetes Association (ADA) an, und wie auch auf dem Kongress zu sehen war, ist eines klar zu erkennen: Hier geht es nicht mehr nur um Diabetes mellitus, hier geht es um sämtliche Begleiterkrankungen – es geht um u. a. das Herz, die Niere oder die nichtalkoholische Steatohepatitis – alles findet seinen Platz. Diese Gewichtung findet sich auch in den Ergebnissen der großen vorgestellten Studien wieder.

Orales Semaglutid mit guten Ergebnissen

Schon auf dem letzten großen Kongress der ADA in Orlando, Florida, fand das neue orale Semaglutid, der erste orale GLP-1-Rezeptoragonist (RA), vom Pharmaunternehmen Novo Nordisk einen Platz. In diesem Jahr wurde die lange erwartete PIONEER-6-Studie vorgestellt. Die Ergebnisse der PIONEER-6-Studie legen nahe, dass orales Semaglutid für Patienten mit Typ-2-Diabetes mit hohem kardiovaskulärem Risiko (CV) sicher ist.

Die "PIONEER-Wissenschaftler" um Prof. John B. Buse, Medizinische Fakultät in Chapel Hill, North Carolina, USA, berichteten, dass das orale Semaglutid kardiovaskulären Tod (95 % Kl: 0,27 – 0,92) und die Gesamtmortalität (95 % Kl: 0,31 – 0,84) nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 15,9 Monaten um fast 50 % gegenüber Placebo reduzierte (Abb. 1).

"Todesfälle jeglicher Ursache" traten bei 23 von 1 591 Patienten (1,4 %) in der Gruppe mit oralem Semaglutid und bei 45 von 1 592 (2,8 %) in der Placebo-Gruppe auf. Die Nichtunterlegenheit von oralem Semaglutid im Vergleich zu Placebo für die kardiovaskuläre Sicherheit in einer Hochrisikopopulation mit einer nicht signifikanten Reduktion der Drei-Punkte-MACE um 21 % wurde bestätigt (Hazard Ratio 0,79 [95 % KI: 0,57 – 1,11]). Weiterhin zeigte Semaglutid eine Reduktion des HbA1c-Werts, des Gewichts und des systolischen Blutdrucks (Husain M et al., 2019).

"Die GLP-1-Rezeptoragonisten sind wohl die stärksten Medikamente zur Senkung des Blutzuckerspiegels und zur Gewichtsreduzierung, die wir haben", sagte Buse.

Nebenwirkungen im Gastrointestinaltrakt, die zum Absetzen von oralem Semaglutid oder Placebo führten, traten häufiger bei oralem Semaglutid auf.

Im Anschluss an die Ergebnispräsentation der Forschungsgruppe gab Dr. Vivian Fonseca von der Tulane University in New Orleans, Louisiana, eine unabhängige Einschätzung zu den Ergebnissen: "Ich war sehr aufgeregt über die Entwicklung eines oralen GLP-1-Rezeptoragonisten. Orales Semaglutid ist sehr wirksam bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes von der frühen bis zur späten Therapie, einschließlich Patienten mit Nierenfunktionsstörung, und hat ein sehr gutes Sicherheitsprofil."

Fonseca fügte hinzu, dass insgesamt "diese Daten für mich nahelegen, dass dies in Zukunft der Hauptbestandteil des Diabetes-Managements sein könnte und viele der verwendeten injizierbaren GLP-1-Rezeptoragonisten ersetzt".

Orales Semaglutid wird derzeit von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde (Food and Drug Administration), der European Medicines Agency und Health Canada geprüft.

Sicherheit und Wirksamkeit von SGLT-2-Inhibitor

Nach EMPA-REG Outcome und CANVAS ist DECLARE-TIMI 58 die dritte große kardiovaskuläre Outcome-Studie mit einem SGLT-2-Inhibitor. Die präsentierten Ergebnisse von DECLARE-TIMI 58 zur Nierensicherheit lassen vermuten, dass der SGLT-2-Inhibitor Dapagliflozin nicht nur die Insulinresistenz und die kardiovaskulären Risikofaktoren senkt, sondern auch Herzinsuffizienz und eine fortschreitende Nierenerkrankung bei den meisten Diabetes-Patienten verhindert, einschließlich Patienten mit normaler Herz- und Nierenfunktion (Mosenzon O et al., 2019). "Akutes Nierenversagen und schwere Hypoglykämie traten bei Dapagliflozin seltener auf. DKA (diabetische Ketoazidose)-Ereignisse und schwere Genitalinfektionen waren selten, jedoch häufiger in der Dapagliflozin-Behandlungsgruppe, was mit dem bekannten Sicherheitsprofil von SGLT-2-Inhibitoren übereinstimmt. Bei den anderen wichtigen Sicherheitsergebnissen gab es keine Unterschiede", erklärte Lawrence A. Leiter, University of Toronto, Kanada.

Insulin glargin 300 E/ml und Nierenfunktionsstörung

Im vergangenen Jahr wurden auf der Tagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Berlin die Detailanalysen der BRIGHT-Studie vorgestellt. BRIGHT lieferte den ersten Vergleich von Insulin glargin 300 E/ml und Insulin degludec. BRIGHT zeigte, von Beginn bis Woche 24, eine unter beiden Basalinsulinen vergleichbare Verbesserung des HbA1c-Wertes und erreichte damit ihren primären Endpunkt.

Die auf dem diesjährigen Kongress vorgestellten Daten zeigen eine Subgruppenanalyse (von BRIGHT), in der Insulin glargin 300 E/ml das HbA1c bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und moderaten bis schweren Nierenfunktionsstörungen (eGFR < 60 ml/min/1,73 m2) im Vergleich zu Insulin degludec (−1,72 % bzw. −1,3 %) ohne Unterschiede bei der Inzidenz bzw. den Ereignisraten bestätigter Hypoglykämien stärker senkte.

Fazit
  • Die Sicherheit der neuen Substanzklassen in der Diabetestherapie wird immer weiter von großen Endpunktstudien belegt – orales Semaglutid und Dapagliflozin sind nur zwei davon.
  • Mit dem oralen Semaglutid steht bald ein Medikament zur Verfügung, das vielen Patienten zugutekommen könnte.

Literatur
1. Husain M et al., N Engl J Med 2019 Jun 11. doi: 10.1056/NEJMoa1901118
2. Mosenzon O et al., Lancet Diabetes Endocrinol 2019; 7: 606 – 617


Autorin: Lena Schmidt
Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14
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Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (4) Seite 30-31