Bruce DG, Davis WA, Starkstein SE, Davis TME; Freemantle, Australien; Diabet Med 2018; 35: 903 – 910

Fragestellung: Ziel war die Identifizierung von frühen klinischen Prädiktoren von depressiven Syndromen bei Personen mit Typ-2-Diabetes.

Methodik: Depressive Syndrome wurden in 325 Individuen mit Typ-2-Diabetes erfasst, 15 Jahre nach einer ersten Bewertung; unter Einschluss von Information über die Verwendung von Antidepresssiva und depressiven Symptomen aus einer Lebensqualität-Skala. In der Nachbeobachtung wurden gegenwärtige und über die Lebensdauer vorliegende depressive Syndrome erfasst mittels des 9-Punkte-Patientengesundheitsfragebogens, sowie der kurzen Lebensdauer-Depressionsskala und Erfassung einer Einnnahme von Antidepressiva. Falls die Patientengesundheitsfragebogen-Kriterien nicht erfüllt waren, wurden Auswertungen sowohl mit als auch ohne den Einschluss einer Einnahme von Antidepressiva durchgeführt.

Ergebnisse: Zu Beobachtungsbeginn waren die Teilnehmer in einem Alter von 57,2 ± 9,3 Jahren und die mediane (Interquartilenbereich) Diabetesdauer lag bei 2,2 (0,6 – 6,0) Jahren. Nach einer mittleren Nachbeobachtungsdauer von 14,7 ± 1,1 Jahren hatten 81 der Teilnehmer (24,9 %) depressive Syndrome (14,8 % definiert über den Patientengesundheitsfragebogen, 10,2 % definiert über die Einnahme von Antidepressiva), 31,4 % berichteten eine Depression über die Lebensdauer und bei 10,2 % der Teilnehmer lag eine Depression vor einer Manifestation eines Diabetes vor. Unter Verwendung von logistischer Regression (unter Einschluss von Antidepressiva) waren depressive Syndrome in der Nachbeobachtung negativ assoziiert mit dem Bildungsgrad [Wahrscheinlichkeitsrate 0,39 (95 % CI 0,20 – 0,75)] und der Verwendung von Antidepressiva [Wahrscheinlichkeitsrate 0.11 (95 % CI 0,03 – 0,36)] und positiv assoziiert mit Vorliegen einer Depression vor Diabetesmanifestation [Wahrscheinlichkeitsrate 2,79 (95 % CI 1,24 – 6,27)]. In einem Modell unter Ausschluss von Antidepressiva waren depressive Syndrome positiv assoziiert mit basalen depressiven Symptomen [Wahrscheinlichkeitsrate 2,57 (95 % CI 1,32 – 5,03)] sowie der Einnahme von Antidepressiva [Wahrscheinlichkeitsrate 3,54 (95 % CI 1,20 – 10,42)] und waren negativ assoziiert mit dem Bildungsgrad [Wahrscheinlichkeitsrate 0,39 (95 % CI 0,19 – 0,81)].

Schlussfolgerung: Risikofaktoren für depressive Syndrome können früh nach der Manifestation eines Typ-2-Diabetes identifiziert werden. Das frühe Vorliegen von depressiven Symptomen oder eine Behandlung einer Depression und/oder eine Depression in der Anamnese sind wahrscheinliche Indikatoren für eine Gefährdung. Frühe Risikostratifizierung für späte depressive Syndrome bei Personen mit Typ-2-Diabetes ist möglich und könnte für Behandlung oder Prävention einer Depression hillfreich sein.

Kommentar: Risikofaktoren für eine Depression können früh nach der Diagnose eines Typ-2-Diabetes identifiziert werden und scheinen unabhängig zu sein von möglichen Begleiterkrankungen.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (4) Seite 47-48