ZititierungNoser AE, Majidi S, Finch J, Clements MA, Youngkin EM, Patton SR; ­Kansas, USA; Pediatr Diabetes 2018; doi: 10.1111/pedi.12726. [Epub ahead of print]

Einführung: Die Autoren untersuchten sowohl im Quer- als auch im Längsschnitt die Assoziationen zwischen elterlichen Erziehungsstilen (d. h. autoritativ, autoritär oder permissiv) und dem HbA1c ihrer Kinder in einer Kohorte von Familien mit Kindern, bei denen aktuell ein Typ-1-Diabetes (T1D) festgestellt worden war.

Methodik: 102 Eltern beantworteten bei der Diagnose einen Fragebogen zu ihrem Erziehungsstil. Weiterhin wurden die HbA1c-Werte der Kinder initial sowie nach 3 und 6 Monaten erfasst. Die Autoren untersuchten anschließend die Assoziationen zwischen den Erziehungsstilen und den HbA1c-Werten der Kinder. Um den Einfluss der unterschiedlichen Erziehungsstile abzuschätzen, wurden multiple Regressionen bezogen auf die HbA1c-Werte nach 3 und 6 Monaten berechnet. Dabei fand eine Kontrolle der Einflüsse des initialen HbA1c, des Familieneinkommens und der Diabetesdauer statt.

Ergebnisse: Die korrelativen Analysen wiesen auf negative Assoziationen zwischen autoritativen Strategien und den HbA1c-Werten der Kinder initial, sowie nach 3 und 6 Monaten hin; weiterhin ergaben sich positive Assoziationen zwischen autoritären Strategien und den HbA1c-Werten der Kinder nach 3 und nach 6 Monaten. Die Regressionsanalysen zeigten, dass autoritative Strategien die einzigen Erziehungsstrategien waren, die mit den HbA1c-Werten der Kinder nach 3 und 6 Monaten assoziiert waren. Dies galt unter der Bedingung der Kontrolle hinsichtlich des initialen HbA1c-Werts, des Familieneinkommens und der Diabetesdauer des Kindes.

Schlussfolgerung: Autoritäre elterliche Erziehungsstrategien können einen ungünstigen Einfluss auf die Stoffwechseleinstellung von Kindern während der ersten sechs Monate nach Diabetesdiagnose haben.

Kommentar: Diabetes bei Kindern ist ein Familienprojekt, bei dem der Erfolg der Therapie vor allem davon abhängt, wie eine Familie die Anforderungen der Erkrankung in ihren Alltag integrieren kann. Ein autoritativer Erziehungsstil ist durch verlässliche Familienregeln, eine konsequente Kontrolle der Kinder gepaart mit einer positiven, liebevollen Eltern-Kind-Bindung gekennzeichnet. Es verwundert nicht, dass diesen Familien die Bewältigung des Diabetes gut gelingt. Zu überlegen ist, wie allen Eltern dieser Erziehungsstil bereits bei Diabetesdiagnose als Teil der Initialschulung vermittelt werden kann. Das Elternprogramm „Delfin“ stellt hierzu eine effektive Möglichkeit dar.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (4) Seite 49-50