Kiviniemi AM, Lepojärvi ES, Tulppo MP, Piira O-K, Kenttä TV, ­Perkiömäki JS, Ukkola OH, Myerburg RJ, Junttila MJ, Huikuri HV; ­Research Unit of Internal Medicine, Medical Research Center Oulu, ­University of Oulu und Oulu University Hospital, Oulu, Finnland; Diabetes Care 2019; 42: 1319 – 1325

Fragestellung: Es sollte die kardiale Mortalität bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) und Prädiabetes mit der bei Patienten mit KHK und normalem Kohlenhydratstoffwechsel und der bei Patienten mit Typ-2-Diabetes verglichen werden.

Methodik: Die Innovation to Reduce Cardiovascular Complications of Diabetes at the Intersection (ARTEMIS)-Studie schloss Patienten mit KHK nach Revaskularisation (79 %), optimaler medikamentöser Therapie oder beidem ein. Patienten hatten Typ-2-Diabetes (n = 834), eine gestörte Glukosetoleranz (IGT; n = 314), eine gestörte Nüchternglukose (IFG; n = 103) oder einen normalen Kohlenhydratstoffwechsel (n = 697), definiert auf der Basis der Resultate eines oralen Glukosetoleranztests. Der primäre Endpunkt war kardialer Tod. Schwere kardiale Ereignisse (MACE: kardialer Tod, Herzinsuffizienz, akutes Koronarsyndrom) und Gesamtmortalität waren sekundäre Endpunkte.

Ergebnisse: Während einer mittleren ± SD Beobachtungszeit von 6,3 ± 1,6 Jahren ereigneten sich 101 kardiale Todesfälle, 385 MACEs und 208 Todesfälle. Patienten mit IGT hatten tendenziell ein um 49 % geringeres Risiko für kardialen Tod (p = 0,069), ein um 32 % geringeres Risiko für Gesamtmortalität (p = 0,076) und ein um 36 % geringeres Risiko für ein MACE (p = 0,011) als Patienten mit Typ-2-Diabetes. Patienten mit IFG hatten ein um 82 % niedrigeres Risiko für Gesamtmortalität (p = 0,015) als Patienten mit Typ-2-Diabetes, während das Risiko für kardialen Tod und MACE nicht signifikant unterschiedlich war zwischen den beiden Gruppen. Das adjustierte Risiko für kardialen Tod, MACE und Gesamtmortalität bei Patienten mit IGT und IFG unterschied sich nicht signifikant vom Risiko der Patienten mit normalem glykämischen Status.

Schlussfolgerung: Die kardiale Mortalität und Inzidenz von MACE bei Patienten mit KHK und Prädiabetes (IFG oder IGT nach Revaskularisation, optimaler Therapie oder beidem) unterscheidet sich nicht von den Zahlen bei Patienten mit normalem Kohlenhydratstoffwechsel.

Kommentar: Zunächst einmal bestätigt die Untersuchung, dass das Gros der Patienten mit koronarer Herzkrankheit eine Störung des Kohlenhydratstoffwechels aufweist (Typ-2-Diabetes, IGT, IFG: n = 1 251; normaler Kohlenhydratstoffwechsel: n = 697). Typ-2-Diabetes bedeutet ein hohes Risiko für kardi­alen Tod, MACE und Gesamtmortalität im Vergleich zu Stoffwechselgesunden, auch das zeigt diese Untersuchung. Dennoch erstaunt etwas: Obwohl Patienten in prädiabetischen Stadien (IFG, IGT) bereits mikrovaskuläre und makrovaskuläre Komplikationen aufgrund diverser kardiovaskulärer Risikofaktoren (Komponenten des Metabolischen Syndroms) entwickeln können, ist das Risiko für kardialen Tod, MACE und Gesamtmortalität bei einer manifesten KHK im Vergleich zu Stoffwechselgesunden nicht erhöht in dieser Studie. Etwas scheint die Patienten mit Typ-2-Diabetes von denen im prädiabetischen Stadium zu unterscheiden, möglicherweise die Glukosevariabilität, die im prädiabetischen Zustand weniger stark ausgeprägt ist als bei manifestem Typ-2-Diabetes.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (4) Seite 47