JM, Goodman SG, Hanotin C, Harrington RA, Jukema JW, Lecorps G, ­Mahaffey KW, Moryusef A, Pordy R, Quintero K, Roe MT, Sasiela­ WJ, Tamby JF, Tricoci P, White HD, Zeiher AM; ODYSSEY OUTCOMES Committees and Investigators; Aurora, Colorado, USA; N Engl J Med 2018; 379: 2097 – 2107

Fragestellung: Patienten mit stattgehabtem akuten Koronarsyndrom haben ein hohes Risiko für ein erneutes ischämisches Ereignis. Die Autoren untersuchten, ob Alirocumab, ein humaner monoklonaler Antikörper gegen Proprotein Convertase Subtilisin-Kexin Typ 9 (PCSK9), das kardiovaskuläre „Outcome“ bei Patienten unter intensiver Statinbehandlung und mit stattgehabtem akuten Koronarsyndrom verbessern kann.

Methodik: Die Autoren führten eine multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie mit 18 924 Patienten durch, die 1 bis 12 Monate vor Studienbeginn ein akutes Koronarsyndrom erlitten hatten, ein LDL-Cholesterin von mindestens 70 mg/dl (1,8 mmol/l), ein non-LDL-Cholesterin von mindestens 100 mg/dl (2,6 mmol/l) oder ein Apolipoprotein-B-Spiegel von mindestens 80 ­mg­/­dl aufwiesen und mit einem hoch dosierten oder maximal tolerierten Statin behandelt wurden. Patienten wurden nach dem Zufalls­prinzip in einen Alirocumab-Arm mit einer Dosierung von 75 mg (9 462 Patienten) oder gematchtem Placebo (9 462 Patienten) geteilt und alle 2 Wochen behandelt. Die Alirocumab-Dosis wurde unter verblindeten Bedingungen adjustiert mit einem Ziel-LDL-Cholesterin von 25 bis 50 ­mg/­dl (0,6 bis 1,3 mmol/l). Primärer Endpunkt war die Kombination aus Tod durch koronare Herzerkrankung, nicht-tödlicher Myokardinfarkt, tödlicher oder nicht-tödlicher ischämischer Schlaganfall oder instabile Angina pectoris mit Krankenhauseinweisung.

Ergebnisse: Die mittlere Beobachtungsdauer betrug 2,8 Jahre. Der kombinierte primäre Endpunkt trat bei 903 Patienten (9,5 %) in der Alirocumab-Gruppe und bei 1 052 Patienten (11,1 %) in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio HR 0,85; 95 % Konfidenzintervall (KI) 0,78 ­ – 0,93; p < 0,001) auf. 334 Patienten (3,5 %) der Alirocumab-Gruppe und 392 Patienten (4,1 %) der Placebo-Gruppe starben (HR 0,85, 95 % KI 0,73 – 0,98). Der absolute Vorteil von Alirocumab in Bezug auf den primären kombinierten Endpunkt war größer bei Patienten, die ein LDL-Cholesterin zu Studienbeginn von mindestens 100 mg/dl aufwiesen im Vergleich zu Patienten mit niedrigerem LDL zu Studienbeginn. Die Inzidenz von unerwünschten Ereignissen war in beiden Gruppen ähnlich, ausgenommen die lokalen Reaktionen an den Injektionsstellen (3,8 % in der Alirocumab-Gruppe vs. 2,1 % in der Placebo-Gruppe).

Schlussfolgerung: Bei Hochdosis-Statin-Patienten mit stattgehabtem akuten Koronarsyndrom war das Risiko eines erneuten ischämischen kardiovaskulären Ereignisses geringer, wenn sie Alirocumab erhielten als unter Placebo-Behandlung.

Kommentar: Wiederum waren 29 % des Studienkollektivs Personen mit Diabetes. Die positiven Effekte einer Alirocumab-Behandlung waren vor allem bei den Personen ausgeprägt, die bei Studienbeginn LDL-Werte über 100 mg/dl aufwiesen. Nach der FOURIER-Studie mit Evolocumab und der SPIRE-Studie mit Bococizumab ist dies nun die dritte Studie, die bei einem Hoch-Risikokollektiv mit erhöhten LDL-Werten trotz intensiver Statintherapie ein verbessertes kardiovaskuläres Outcome zeigt.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (1) Seite 37-38