Tardif JC, Kouz S, Waters DD, Bertrand OF, Diaz R, Maggioni AP, Pinto FJ, Ibrahim R, Gamra H, Kiwan GS, Berry C, López-Sendón J, Ostadal P, Koenig W, Angoulvant D, Grégoire JC, Lavoie MA, Dubé MP, Rhainds D, Provencher M, Blondeau L, Orfanos A, L‘Allier PL, Guertin MC, Roubille F; Montreal, Canada ; N Engl J Med 2019; 381: 2497 – 2505

Fragestellung: Experimentelle und klinische Daten unterstützen die Rolle der Inflammation in der Arteriosklerose und ihrer Komplikationen. Colchicin ist ein oral verabreichtes potentes anti-inflammatorsiches Medikament, das indiziert ist für die Behandlung von Gicht und Perikarditis.

Methodik: Die Autoren führten eine randomisierte, doppelblinde Studie mit Patienten innerhalb von 30 Tagen nach Myokardinfarkt durch. Die Patienten wurden randomisiert der Behandlung mit Colchicin (0,5 mg einmal täglich) oder Placebo zugewiesen. Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war die Kombination von Tod durch kardiovaskuläre Erkrankung, Wiederbelebung nach Herzstillstand, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder dringende Hospitalisation aufgrund von Angina pectoris, die zur koronaren Revaskularisation führte. Die Einzelkompenenten des primären Endpunkts und Sicherheitsaspekte wurden ebenfalls analysiert.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 4 745 Patienten rekrutiert. 2 366 Patienten erhielten Colchicin, 2 379 Patienten erhielten Placebo. Die Patienten wurden im Median 22,6 Monate lang beobachtet. Der primäre Endpunkt ereignete sich bei 5,5 % der Patienten in der Colchicin-Gruppe im Vergleich zu 7,1 % in der Placebo-Gruppe (Hazard Ratio 0,77; 95 % Konfidenz Intervall [CI] 0,61 bis 0,96; p = 0,02). Die Hazard Ratios lagen bei 0,84 (95 % CI 0,46 bis 1,52) für Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursache, 0,83 (95 % CI 0,25 bis 2,73) für Reanimation nach Herzstillstand, 0,91 (95 % CI, 0,68 bis 1,21) für Myokardinfarkt, 0,26 (95 % CI 0,10 bis 0,70) für Schlaganfall, und 0,50 (95 % CI 0,31 bis 0,81) dringende Hospitalisation aufgrund von Angina pectoris, die zur koronaren Revaskularisation führte. Durchfall wurde bei 9,7 % der Patienten in der Colchicin-Gruppe und bei 8,9 % in Placbeo-Gruppe (p = 0,35) berichtet. Pneumonie wurde als schwerwiegende unerwünschte Wirkung bei 0,9 % der Patienten in der Colchicin-Gruppe und bei 0,4 % der Patienten aus der Placebo-Gruppe (p = 0,03) berichtet.

Schlussfolgerung: Bei Patienten mit kürzlich aufgetretenem Myokardinfarkt führte Colchicin in einer Dosis von 0,5 mg täglich zu einem signifikant niedrigeren Risiko für ein ischämisches kardiovaskuläres Ereignis als Placebo. (Funded by the Government of Quebec and others; COLCOT ClinicalTrials.gov number, NCT02551094).

Kommentar: Diese unerwartet guten Ergebnisse der COLCOT Studie zeigen, dass die wahrscheinlich anti-inflammatorisch bedingte Wirkung des „Medikamenten Klassikers“ Colchicin zu einer Verminderung kardiovaskulärer Ereignisse in der sekundären Prävention führt. 20 % der Patienten hatten einen Diabetes, 462 in der Colchicin-Gruppe und 497 in der Placebo-Gruppe. In Zahlen ausgedrückt ergaben sich folgende Ergebnisse im Vergleich Verum (n = 2 366 ) versus Placebo (n = 2 379): primärer Endpunkt 131 versus 170 Fälle, Einzelkomponenten: Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursache 20 versus 24 Fälle, Reanimation nach Herzstillstand 5 versus 6 Fälle, Myokardinfarkt 89 versus 98 Fälle, Schlaganfall 5 versus 19 Fälle, Hospitalisierung wegen Angina und Revaskularisation 25 versus 50 Fälle. Viele Fragen sind derzeit noch offen, z. B. ob sich ein ähnlich guter Effekt auch in der Primärprävention zeigt. Das Jahr startet hoffnungsfroh.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (1) Seite 54-55