Amarenco P, Kim JS, Labreuche J, Charles H, Abtan J, Béjot Y, Cabrejo L, Cha JK, Ducrocq G, Giroud M, Guidoux C, Hobeanu C, Kim YJ, Lapergue B, Lavallée PC, Lee BC, Lee KB, Leys D, Mahagne MH, Meseguer E, Nighoghossian N, Pico F, Samson Y, Sibon I, Steg PG, Sung SM, Touboul PJ, Touzé E, Varenne O, Vicaut É, Yelles N, Bruckert E; Treat Stroke to Target Investigator; Paris, Frankreich; N Engl J Med 2020; 382: 9 – 19

Fragestellung: Nach einer transienten ischämischen Attacke (TIA) oder einem ischämischen Schlaganfall aufgrund Arteriosklerose wird eine intensive lipidsenkende Therapie mit Statinen empfohlen. Wenig untersucht wurde bisher, welcher LDL-Zielwert anzustreben ist, um kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren.

Methodik: Diese Studie wurde in Frankreich und Südkorea mit parallelen Gruppen durchgeführt. Die Autoren randomisierten die Patienten mit ischämischen Schlaganfall in den vorangegangenen 3 Monaten oder einer TIA in den letzten 15 Tagen in eine Gruppe mit einem Ziel LDL-Cholesterin von weniger als 70 mg/dl (1,8 mmol/l) (niedrigere Zielgruppe) und eine Gruppe mit Zielwerten 90 mg bis 110 mg/dl (2,3 bis 2,8 mmol/l) (höhere Zielgruppe). Alle Patienten zeigten Hinweise einer zerebrovaskulären oder koronaren Arteriosklerose und erhielten ein Statin, Ezetimib oder beides. Der zusammengesetzte primäre Endpunkt von schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen beinhaltete ischämischen Schlaganfall, Myokardinfarkt, neu auftretende Symptome, die zu einer dringenden Revaskularisierung der Koronarien oder Carotiden führten, oder kardiovaskulär bedingter Tod.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 2 860 Patienten rekrutiert.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 2 860 Patienten rekrutiert und im Median 3,5 Jahre beobachtete. 1 430 Personen wurden der jeweiligen LDL-Zielgruppe zugeteilt. Das mittlere LDL-Cholesterin zu Studienbeginn lag bei 135 mg/dl (3,5 mmol/l) und der mittlere LDL- Cholesterinwert erreichte 65 mg/dl (1,7 mmol/l) in der niedrigeren LDL-Zielgruppe und 96 ­mg­/­dl (2,5 mmol/l) in der höheren LDL-Zielgruppe. Die Studie wurde aus administrativen Gründen gestoppt, nachdem 277 der erwarteten 385 Ereignisse des Endpunkts erreicht waren. Der zusammengesetzte Endpunkt ereignete sich bei 121 Patienten (8,5 %) in der niedrigeren LDL-Zielgruppe und bei 156 (10,9 %) in der höheren LDL-Zielgruppe (adjustierte Hazard Ratio 0,78; 95 % Konfidenz Intervall 0,61 bis 0,98; p = 0,04). Die Inzidenz von intrakraniellen Hämorrhagien und neu diagnostiziertem Diabetes unterschied sich nicht signifikant zwischen den beiden Gruppen.

Schlussfolgerung: Nach einem ischämischen Schlaganfall oder einer TIA und Hinweisen für eine Arteriosklerose zeigten Patienten mit einem LDL-Zielwert unter 70 mg/dl ein niedrigeres Risiko für subsequente kardiovaskuläre Ereignisse als solche, die einen LDL Zielwert von 90 – 110 mg/dl aufwiesen. (Funded by the French Ministry of Health and others; Treat Stroke to Target ClinicalTrials.gov number, NCT01252875.).

Kommentar: Diese multizentrische Studie wurden von 2010 – 2018 durchgeführt, 23 % der Patienten wiesen zu Studienbeginn einen Diabetes mellitus auf. Im Mittel waren die Patienten knapp 67 Jahre alt, circa 30 % rauchten. 55 % hatten vor Studienbeginn kein Statin erhalten. Der mittlere Blutdruck lag bei 140/80 mmHg. Das LDL wurde mittels Statin und ggf. Ezetimib eingestellt. Besonders deutliche Unterschiede bei den einzelnen Endpunkten (die zusammen die kombinierten primären Endpunkt ergaben) zeigten sich für kardiovaskulär bedingten Tod (17 in der Niedrig-LDL-Gruppe, 24 in der höheren LDL-Gruppe), nicht-tödlichem Schlaganfall (15 vs. 23) und nicht-tödlichem Myokardinfarkt (81 vs. 100). Vermutlich wird diese Studie dazu führen, dass auch bei diesen Patienten strengere LDL-Zielwerte in Zukunft empfohlen werden.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (1) Seite 55