Gejl M, Gjedde A, Brock B, Møller A, van Duinkerken E, Haahr HL, Hansen CT, Chu PL, Stender-Petersen KL, Rungby J; Aarhus, Dänemark; Diabetologia 2018; 61: 551 – 561

Einführung: Mit dieser randomisierten cross-over-Studie wurde die kognitive Leistungsfähigkeit und die damit verbundenen Muster der Hirnaktivierung während einer Hypoglykämie (Plasma Glucose [PG] ≤ 3,1 mmol/l) und während einer Euglykämie bei Menschen mit Typ-1-Diabetes untersucht.

Methodik: An dieser, für Patienten verblindeten, Cross-over-Studie nahmen 26 Personen mit Typ-1-Diabetes an zwei, in zufälliger Reihenfolge dargebotenen, experimentellen Bedingungen teil: einem hypoglykämischen Clamp (PG 2,8 ± 0,2 mmol/l, Dauer etwa 55 min) und einem euglykämischen Clamp (PG 5,5 mmol/l ± 10 %). Die Plasmaglukosespiegel wurden durch hyperinsulinämische Glucose-Clamps konstant gehalten. Die kognitive Funktion wurde während der hypoglykämischen und der euglykämischen Bedingung mit einer modifizierten Version des Digit Symbol Substitution Test (mDSST) und einer Kontrollversion des DSST (cDSST) erfasst. Gleichzeitig wurde der regionale zerebrale Blutfluss (rCBF) in zuvor definierten Hirnregionen durch sechs H215O-Positronen-Emissions-Tomographien (PET) pro Sitzung bestimmt.

Ergebnisse: Während der Hypoglykämie war die Funktion des Arbeitsgedächtnisses gegenüber der euglykämischen Bedingung beeinträchtigt. Dies zeigte sich durch statistisch signifikant niedrigere Werte im mDSST (geschätzer Unterschied zwischen den Bedingungen [ETD] -0,63 [95 % CI -1,13; -0,14], p = 0,014) und einer statistisch signifikant längeren Antwortzeit (ETD 2,86 s [7 %] [95 % CI 0,67; 5,05], p = 0,013). Während der Hypoglykämie war die Durchführung der mDSST-Aufgabe mit einer erhöhten Aktivität in den Frontallappenregionen, den superioren Parietallappen und dem Thalamus assoziiert. Gleichzeitig kam es zu einer Abnahme der Aktivität in den Temporallappenregionen (p < 0,05). Die Aktivierung des Arbeitsgedächtnisses (mDSST - cDSST) erhöhte während der Hypoglykämie statistisch signifikant den Blutfluss im Striatum (ETD 0,0374 % [95 % CI 0,0157; 0,0590], p = 0,002).

Schlussfolgerung: Während einer Hypoglykämie (mittlerer Plasmaglukosespiegel 2,9 mmol/l) war die Funktion des Arbeitsgedächtnisses beeinträchtigt. Die veränderte Leistung war assoziiert mit einer signifikanten Zunahme des Blutflusses im Striatum, einem Teil der Basalganglien, der an der Regulierung von motorischen Funktionen, Gedächtnis, Sprache und Emotionen beteiligt ist.

Kommentar: Die aufwändige experimentelle Studie bestätigt die Erfahrungen von Patienten, die während Hypoglykämien sowohl über emotionale als auch motorische und kognitive Beeinträchtigungen berichten. Sie macht auch deutlich, dass es bereits bei Glukosewerten zwischen 2,8 und 3,0 mmol/L zu Veränderungen der Hirnaktivität kommt. Darüber sollten insbesondere die Patienten informiert werden, die langfristig hypoglykämienahe Stoffwechselwerte anstreben.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (3) Seite 42