Rajendran R, Raymond G: Jansson SPO, Svardsudd K, Andersson DKG; Ipswich, Großbritannien

Fragestellung: Ziel war die Abschätzung der Inzidenz von ernsthaften Komplikationen durch Hypoglykämie bei stationären Patienten mit Diabetes.

Methodik: Ein anonymisierter Fragebogen wurde per E-Mail an die leitenden Organisatoren von 142 NHS Akutkrankenhäusern gesendet, welche am Nationalen Diabetes Inpatient Audit 2012 teilgenommen hatten. Jedes Diabetesteam wurde gebeten, sich an alle schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse einer bei stationären Patienten aufgetretenen Hypoglykämie im vorhergehenden Jahr zu erinnern und zu berichten. Insgesamt 83 Akutkrankenhäuser erklärten sich zur Teilnahme bereit. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden definiert als Tod, kardiales oder zerebrales Ereignis oder als Sturz welcher in fortbestehender körperlicher Einschränkung oder einer Fraktur resultierte.

Ergebnisse: Insgesamt 41 Akutkrankenhäuser sendeten den Fragebogen zurück. Von diesen waren lediglich 28 (68,3 %) zuversichtlich, dass in dem entsprechenden Akutkrankenhaus robuste Methoden implementiert waren zur Meldung derartiger Ereignisse; und lediglich 23 (56,1 %) waren zuversichtlich, dass alle derartigen Ereignisse durch das Diabetesteam berichtet wurden. Trotz der Bedenken bezüglich Berichterstattung, der retrospektiven Natur der Studie und einem Verlassen auf erinnerte Ereignisse wurden von 9 Akutkrankenhäusern unerwünschte schwerwiegende Ereignisse berichtet: drei Todesfälle, zwei Fälle mit fortbestehendem zerebralem Schaden, zwei erfolgreich wiederbelebte Fälle mit Herzstillstand, drei Krampfanfälle und zwei nicht definierte Ereignisse. Eine Therapie mit Insulin lag bei 10 der Ereignisse vor. Es ist wichtig zu erwähnen, dass drei der Ereignisse mit zwei Todesfällen bei Patienten auftraten, welche Insulin/Glukose zur Korrektur einer Hyperglykämie erhielten und lediglich einer dieser Patienten einen Diabetes hatte.

Schlussfolgerung: Es wurde eine besorgniserregende Anzahl schwerwiegender unerwünschter Ereignisse berichtet: 12 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse mit 3 Todesfällen über einen 1-Jahreszeitraum in 41 Akutkrankenhäusern. Unter Berücksichtigung möglicherweise nicht berichteter Ereignisse könnte dies die Spitze eines Eisberges darstellen. Robuste Meldemechanismen sind notwendig, um das volle Ausmaß dieser schwerwiegenden und vermeidbaren Gefährdung zu erfassen.

Kommentar: Diese Studie zeigt eine vierfach höhere Ereignisrate von schwerwiegenden Schäden durch Hypoglykämie während eines Krankenhausaufenthaltes, wobei die tatsächliche Rate höher liegen dürfte. Die Behandlung einer Hyperglykamie mit Insulin und Glukoseinfusionen bei Patienten ohne Diagnose eines Diabetes stellte den Hauptrisikofaktor für Todesfälle dar.



Autor:

Dr. med. Martin O. Weickert, Warwick (Großbritannien)

University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2014; 14 (6) Seite 40