Thomsen RW , Nicolaisen SK, Adelborg K, Svensson E, Hasvold P, Palaka E, Pedersen L, Sørensen HT; Aarhus, Danemark; Diabet Med 2018; 35: 1051 – 1060

Fragestellung: Ziel war die Untersuchung von Inzidenz, Risikofaktoren und klinischen Endpunkten einer Hyperkaliämie im Alltag bei Personen mit Diabetes.

Methodik: Unter Verwendung des dänischen Gesundheitsregisters wurde im Zeitraum 2000 – 2012 eine populationsbasierte Kohorte von Personen mit erstmals mit Medikation behandeltem Diabetes identifiziert. Zuerst wurde die kumulative Inzidenz einer Hyperkaliämie erfasst, definiert als erster Bluttest mit einem Kaliumspiegel > 5,0 mmol/l nach dem Beginn einer Diabetesbehandlung. Zweitens wurden in einer Fall-Kontroll-Analyse Risikofaktoren bei Personen mit vs. ohne Hyperkaliämie verglichen. Drittens wurden klinische Endpunkte in einer Vorher-Nachher-Analyse erfasst, bei Individuen mit Hyperkaliämie, sowie in einer gematchten Kohortenanalyse bei Personen mit und ohne Hyperkaliämie.

Ergebnisse: Von 68 601 Individuen mit Diabetes (medianes Alter 62 Jahre, 47 % Frauen), erlitten 16 % eine Hyperkaliämie (Inzidenzrate 40 pro 1 000 Personenjahre) während eines mittleren Nachbeobachtungszeitraumes von 4,1 Jahren. Personen welche eine Hyperkaliämie erlitten, hatten eine höhere Inzidenz einer chronischen Nierenerkrankung [Prävalenzrate 1,74 (95 % CI 1,68 – 1,81)], Herzversagen [Prävalenzrate 2,35 (95 % CI 2,18 – 2,54)], Verwendung eines Angiotensin-konvertierenden Enzymhemmers [Prävalenzrate 1,24 (95 % CI 1,20 – 1,28)], Verwendung von Spironolacton [Prävalenzrate 2,68 (95 % CI 2,48 – 2,88)] und Kaliumsupplementen [Prävalenzrate 1,59 (95 % CI 1,52 – 1,67)]. Bei Personen mit Diabetes welche eine Hyperkaliämie erlitten, waren 31 % innerhalb von 6 Monaten vor der Hyperkaliämie akut in ein Krankenhaus eingewiesen worden, mit einem Anstieg auf 50 % 6 Monate nach der Hyperkaliämie [Vorher-Nachher-Risikorate 1,67 (95 % CI 1,61 – 1,72)]. Die 6-Monate Mortalitätsrate nach einer Hyperkaliämie lag bei 20 %. Verglichen mit gematchten Individuen ohne eine Hyperkaliämie lag die Ereignisrate fur Tod bei 6,47 (95% CI 5,81 – 7,21).

Schlussfolgerung: Eine von sechs Personen mit neu diagnostiziertem Diabetes erlitt ein hyperkalämisches Ereignis, welches mit ernsthaften klinischen Endpunkten und Tod assoziiert war.

Kommentar: Wie erwartet war in dieser Studie eine Hyperkaliämie assoziiert mit dem Grad einer Nierenerkrankung sowie Herzversagen. Die Häufigkeit von hyperkalamischen Ereignissen bei Personen mit erstmals medikamentos behandelten Diabetes in dieser Studie ist bemerkenswert, wobei erwähnenswert ist dass das dänische Gesundheitsregister keine systematische Information über den Diabetestyp erfasst.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (4) Seite 47