Moran C, Phan TG, Chen J, Blizzard L, Beare R, Venn A, Münch G, Wood AG, Forbes J, Greenaway TM, Pearson S, Srikanth V; Melbourne, Australien

Einführung:

Typ-2-Diabetes (T2DM) ist mit einer Hirnatrophie und zerebrovaskulären Erkrankungen assoziiert. Die Autoren versuchten, die Verteilung der Hirnatrophie zu lokalisieren. Weiterhin untersuchten sie, ob die Atrophie oder zerebrovaskuläre Läsionen plausible Verbindungen zwischen T2DM und der kognitiven Funktionsfähigkeit darstellen.

Methode:

Bei dieser Querschnittsstudie wurden eine Magnetresonanztomographie (MRT) und kognitive Leistungstests bei 350 Personen mit T2DM und 363 Teilnehmern ohne Diabetes durchgeführt. Mit einer voxel-basierten Morphometrie wurde die lokale Verteilung der Atrophien bei T2DM dargestellt. Dazu bewerteten die Autoren zerebrovaskuläre Läsionen (Infarkte, Mikroblutungen und die Volumina der Hyperintensitäten der weißen Substanz (WMH)) und Atrophien (graue Substanz, weiße Substanz und die Volumina der Hippocampi), ohne dass der Diabetesstatus dabei bekannt war. Mit Hilfe einer multivariaten Regression wurden anschließend die vermittelnde oder bewirkende Modifizierung der Assoziation zwischen T2DM und den kognitiven Leistungen durch MRT-Messwerte untersucht.

Ergebnisse:

Der T2DM war mit mehr zerebralen Infarkten, geringerem Volumen an grauer und weißer Substanz sowie des Hippocampus assoziiert (jeweils p < 0,05). Keine Beziehung ergab sich für Mikroblutungen oder WMH. Der T2DM-assoziierte Verlust an grauer Substanz zeigte sich hauptsächlich im mittleren Temporallappen, im anterioren Gyrus cinguli und im mittleren Frontallappen. Der Verlust an weißer Substanz zeigte sich in den frontalen und temporalen Regionen. T2DM war unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildungsniveau und vaskulären Risiken der Probanden mit Beeinträchtigungen der visuell-räumlichen Konstruktion, der Planung, des visuellen Gedächtnisses und der Geschwindigkeit (p ≤ 0,05) verbunden. Die Stärke dieser Beziehung war nach einer Adjustierung hinsichtlich des hippocampalen und des Gesamtvolumens der grauen Substanz um nahezu die Hälfte reduziert. Demgegenüber blieb sie nach Adjustierung hinsichtlich zerebrovaskulärer Läsionen oder des Volumens der weißen Substanz unverändert.

Schlussfolgerung:

Die kortikale Atrophie bei T2DM gleicht Mustern, die in vorklinischen Phasen der Alzheimer-Erkrankung beobachtet werden. Neurodegenerative Prozesse scheinen eher als zerebrovaskuläre Läsionen eine Schlüsselrolle bei T2DM-assoziierten kognitiven Beeinträchtigungen zu spielen.

Kommentar:

Nachdem vor etwa einer Dekade das deutlich erhöhte Demenzrisiko für Patienten mit T2DM in Metaanalysen belegt und diese kognitive Beeinträchtigung als weitere Folgeerkrankung des Diabetes anerkannt wurde, werden derzeit aktuelle bildgebende Verfahren genutzt, um die zugrundeliegenden physiologischen Prozesse aufzuklären. In dieser methodisch sehr aufwendigen Querschnittsstudie erhielten die Autoren Hinweise darauf, dass auch neurodegenerative Prozesse und nicht nur – wie lange postuliert – vaskuläre Schädigungen vermehrt bei T2DM zu beobachten sind.



Autorin:

Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange, Hannover

Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2013; 13 (5) Seite 51-52