Lee D, Booth GL, Ray JG, Ling V, Feig DS; Toronto, Kanada; Diabet Med 2020; 37: 1696 – 1704

Fragestellung: Ziel war der Vergleich perinataler Ergebnisse bei Frauen mit nicht-diagnostiziertem Diabetes und Vorliegen eines Gestationsdiabetes alleine, bei Frauen mit einem vorbestehendem Diabetes, und bei Frauen ohne Diabetes; sowie die Identifizierung von Risikofaktoren welche diese von Frauen mit isoliert vorliegendem Gestationsdiabetes unterscheiden.

Methodik: In diese populationsbasierte Kohortenstudie wurden Verwaltungsdaten von allen Frauen eingeschlossen, welche eine Entbindung in Ontario, Kanada, zwischen 2002 bis 2015 hatten. Mütterliche/neonatale Ergebnisse wurden über die Gruppen, adjustiert für Störfaktoren, mittels logistischer Regressionsanalyse verglichen. Eine verschachtelte Fall-Kontroll-Studie verglich Frauen mit nicht-diagnostiziertem Typ-2-Diabetes mit Frauen mit alleinig vorliegendem Gestationsdiabetes, zur Ermittlung von Faktoren welche hilfreich sein könnten diese Frauen zu identifizieren.

Ergebnisse: Von 995 990 Frauen hatten 68 163 einen Gestationsdiabetes (6,8 %) und von diesen Frauen mit Gestationsdiabetes hatten 1 772 einen nicht-diagnostizierten Typ-2-Dia­betes (2,6 %). Frauen mit nicht-diagnostiziertem Typ-2-Diabetes hatten einen höhere Wahrscheinlichkeit für höheres Alter, niedrigeres Einkommensgebiet, eine Entbindungszahl > 3 und einen BMI ≥ 30 kg/m2, verglichen mit alleinigem Gestationsdiabetes. Säuglinge hatten ein erhöhtes Risiko für perinatale Mortalität (OR 2,3 [1,6 – 3,4]), Frühgeburt (OR 2,6 [2,3 – 2,9]), angeborene Anomalien (OR 2,1 [1,7 – 2,5]), Aufnahme in die neonatale Intensivstation (OR 3,1 [2,8 – 3,5]) und neonatale Hypoglykämie (OR 406,0 [357 – 461]), vergleichbar mit Frauen mit vorbestehendem Diabetes. Die stärksten prädiktiven Risikofaktoren schlossen eine frühe Diagnose eines Gestationsdiabetes, vorhergehenden Gestationsdiabetes sowie chronischen Bluthochdruck ein.

Schlussfolgerung: Frauen mit Gestationsdiabetes welche innerhalb eines Jahres nach Entbindung einen Diabetes entwickeln haben ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, einschliesslich erhöhter perinataler Mortalität. Dies betont die Notwendigkeit einer früheren Diagnose, bevorzugt vor Eintritt einer Schwangerschaft; und aggressivere Behandlung und Überwachung bei Verdacht auf einen Typ-2-Diabetes während der Schwangerschaft.

Kommentar: In dieser großen, populationsbasierten Studie hatten 2,6 % der Frauen mit Gestationsdiabetes einen nicht-diagnostizierten Typ-2-Diabetes. Eine frühe Identifizierung dieser Risikogruppe zu Schwangerschaftsbeginn oder bevorzugt vor Eintritt einer Schwangerschaft könnte Rate und Intensität der beobachteten Komplikationen verringern.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (5) Seite 58