Montvida O, Green JB, Atherton J, Paul SK; Melbourne, Australien; Diabet Med 2019; 36: 491 – 498

Fragestellung: Ziel war die Untersuchung der Risiken für akute Pankreatitis, Pankreaskarzinom und andere pankreatische Erkrankungen, bei Personen mit Metformin-behandeltem Diabetes, nach Initiierung einer zweitlinien anti­hyperglykämischen Therapie.

Methodik: Personen mit einem nach 2004 diagnostizierten Typ-2-Diabetes, welche Metformin sowie einen Dipeptidylpeptidase-4 Hemmer (DPP-4i; n = 50 095), einen Glukagon-like Peptid-1 Rezeptorantagonisten (GLP-1-RA; n = 12 654), ein Thazolidindion (n = 17 597) oder Insulin (n = 34 805) für zumindest 3 Monate erhielten, wurden aus den US Centricity elektronischen medizinischen Aufzeichnungen identifiziert. Der Zeitraum bis zum Auftreten einer akuten Pankreatitis oder anderer pankreatischer Erkrankungen, sowie einer Krebserkrankung des Pankreas wurden abgeschätzt, unter Abwägung und Adjustierung der anti-hyperglykämischen Behandlungsgruppen für angemessene Störfaktoren.

Ergebnisse: In der DPP-4i-Gruppe lag die adjustierte mittlere Zeit zur Entwicklung einer Pankreatitis bei 2,63 [95 % Konfidenzintervalle (CI) 2,38, 2,88] Jahren; der Zeitraum zur Entwicklung eines Pankreaskarzinomes lag bei 2,70 (2,19, 3,21) Jahren; und der Zeitraum zur Entwicklung anderer pankreatischer Erkrankungen bei 2,73 (2,33, 3,12) Jahren. Verglichen mit DPP-4i entwickelte die Insulingruppe 0,48 Jahre (p < 0,01) früher eine akute Pankreatitis, während in der GLP-1-RA-Gruppe Pankreaskarzinome 3 Jahre später auftraten (p < 0,01). Jedoch war, nach Ausschluss von Ereignissen innerhalb von 6 Monaten nach Beginn einer Insulinbehandlung, das Risiko für akute Pankreatitis in der Insulingruppe nicht signifikant. Es wurden keine weiteren signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen beobachtet.

Schlussfolgerung: Es wurden bei Personen welche mit verschiedenen anti-hyperglykämischen Medikamentengruppen behandelt wurden keine signifikanten Unterschiede für das Risiko der Entwicklung einer pankreatischen Erkrankung gefunden.

Kommentar: Diese Analyse zeigt kein erhöhtes Risiko für pankreatische Erkrankungen unter Behandlung mit GLP-1-Analoga, verglichen mit anderen anti-hyperglykämischen Medikamentengruppen. Das beobachtete erhöhte Risiko für akute Pankreatitis in der Insulingruppe ist möglicherweise erklärt durch üblicherweise weiter fortgeschrittenen Typ-2-Diabetes und höhere Begleiterkrankungsraten bei insulinbehandelten Patienten.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (2) Seite 51