Sequeira PA, Pyatak EA, Weigensberg MJ, Vigen CP, Wood JR, Ruelas V, Montoya L, Cohen M, Speer H, Clark S, Peters AL; Los Angeles, USA

Einführung: Die Studie untersuchte die Effektivität eines strukturierten Transitionsprogramms für junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zur üblichen Versorgung hinsichtlich der Verbesserung der ambulanten Weiterbetreuung sowie klinischer und psychosozialer Parameter.

Methodik: Aus drei pädiatrischen Kliniken wurden 81 junge Erwachsene während ihres letzten Jahres in der pädiatrischen Versorgung in die Studie eingeschlossen. Die Teilnehmer (n = 51) der Interventionsgruppe (IG) erhielten ein strukturiertes Transitionprogramm, das eine maßgeschneiderte Diabetesschulung, ein Case-Management, Gruppenschulungen und den Zugang zu einer neu gegründeten Diabetesklinik für junge Erwachsene und einer Transitionswebsite einschloss. Die Teilnehmer (n = 30) der Kontrollgruppe (KG) wurden wie üblich betreut. Das primäre Ergebnis war die Zahl der regelmäßigen Ambulanzbesuche. Die sekundären Ergebnisse schlossen die Qualität der Stoffwechseleinstellung, Hypoglykämien, Gesundheitsleistungen und das psychosoziale Wohlbefinden ein. Die Datenerhebungen fanden initial, nach 6 und nach 12 Monaten statt.

Ergebnisse: Bedingt durch Ausfälle in der KG war ein direkter Vergleich der ambulanten Besuche in der internistischen Diabetologie nicht möglich. Jedoch zeigte sich nach 12 Monaten bei den Patienten der IG, die die Pädiatrie verlassen hatten (n = 32), dass 78 % die Einrichtung für Erwachsene zumindest einmal oder häufiger besucht hatten. Unter den Teilnehmern der IG unterschied sich die Zahl der ambulanten Vorstellungen nicht zwischen denen, die noch in der Pädiatrie und denen, die in der Erwachsenenmedizin versorgt wurden (3,0 ± 1,24 vs. 3,11 ± 0,94, p = 0,74). Die Teilnehmer der IG wiesen verglichen mit denen der KG eine verbesserte Stoffwechseleinstellung (-0,40 ± 1,16 % vs. 0,42 ± 1,51 % [4,4 ± 12,7 mmol/mol vs. 4,6 ± 16,5 mmol/mol], p = 0,01), eine geringere Inzidenz schwerer Hypoglykämien (0,0 % vs. 16 %, p = 0,02) und ein besseres allgemeines Wohlbefinden (p = 0,02) nach 12 Monaten auf.

Schlussfolgerung: Ein strukturiertes Transitionsprogramm konnte den Übergang in die internistische Betreuung unterstützen, ohne dass es zu einer Abnahme der regulären ambulanten Vorstellungen kam. Verglichen mit der üblichen Versorgung unterstützte das Transitionsprogramm Verbesserungen der Stoffwechselkontrolle, der Hypoglykämierate und des psychosozialen Wohlbefindens.

Kommentar: Die Studie zeigt deutlich, wie schwierig sich der Übergang von der pädiatrischen in die internistische Dia­betologie gestalten kann und dass ein Teil der jungen Erwachsenen damit überfordert ist und Gefahr läuft, ganz aus einer qualifizierten Versorgung herauszufallen. Die Arbeit belegt, dass es möglich ist, die Kontinuität der Versorgung zu fördern. Die konkreten Daten zur Stoffwechseleinstellung mit HbA1c-Mittelwerten über 9 % in beiden Gruppen, zeigen aber auch, dass dies allein nicht für eine günstige Prognose ausreicht. In der Rushhour des Lebens benötigen viele junge Erwachsene eine intensive bedarfsgerechte Betreuung, um die Anforderungen des Diabetes mit ihrem Alltag in Einklang zu bringen.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2016; 16 (1) Seite xx-xx