Estlin AFL, Ahern AL, Griffin SJ, Strelitz J; Cambridge, England; Diabet Med 2021; 38:e14646.

Fragestellung: Ungesunde Verhaltensweisen sind bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes (T2D) mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) assoziiert. Nur wenige frühere Studien haben untersucht ob gesunde Änderungen des Verhaltens nach einer Diagnosestellung eines T2D das CVD Risiko reduzieren.

Methodik: Eine Kohorte von 867 über Screening ermittelten Erwachsenen mit T2D nahmen an der Anglo-Dänisch-Niederländischen Studie für intensivierte Behandlung bei Personen mit Screening-ermittelten Diabetes in der Primärversorgung (ADDITION)-Cambridge Studie teil und wurden über 10 Jahre für die Inzidenz von CVD Ereignissen nachbeobachtet. Diät, Alkoholkonsum, moderate/intensive körperliche Aktivität und Rauchen wurden über Fragebögen ermittelt, zum Zeitpunkt des T2D Screenings und nach 1 Jahr. Die Assoziationen zwischen Gesundheitsverhalten und CVD wurden mittels Cox-Regression abgeschätzt. Änderungen der Assoziationen durch Verhaltensveränderung wurde in dem Jahr nach der Diagnose eines T2D ermittelt.

Ergebnisse: Rauchen [Ereignisrate (HR): 1,73 (95 % CI: 1,04, 2,87)] und hohe Fetteinnahme [HR: 1,70 (95 % CI: 1,02, 2,85)] waren mit einem höheren Risiko für CVD assoziiert, während höheres Plasma-Vitamin C [HR: 0,44 (95 % CI: 0,22, 0,87)] und höhere Ballaststoffeinnahme [HR: 0,60 (95 % CI: 0,36, 0,99)] mit einem niedrigeren Risiko für CVD assoziiert waren. Verringerung der Fetteinnahme nach Diagnose eines T2D veränderte die Assoziationen mit CVD. Insbesondere bei Personen mit dem höchsten Fettkonsum verringerte eine niedrigere Fetteinnahme die Assoziation mit CVD [HR: 0,75 (95 % CI: 0,36, 1,56)].

Schlussfolgerung: Nach der Diagnose eines T2D war eine Verringerung des Fettkonsums mit niedrigerem Langzeitrisiko fur CVD assoziiert. Diese Ergebnisse könnten Bedenken bezüglich Low-Carb/High-Fat-Diäten mit Ziel von Gewichtsabnahme nach Diagnose eines T2D aufbringen. Weitere Studien unter Berücksichtigung der Herkunft von Nahrungsfetten sind notwendig zur Beeinflussung von Ernährungsempfehlungen.

Kommentar: Diese Studie bestärkt die Wichtigkeit der Beeinflussung von kardiovaskulärem Risiko nach Diagnosestellung eines T2D, mit positiven Assoziationen für hohe Ballaststoffeinnahme und hohe Plasma-Vitamin C Spiegel und negativen Assoziationen für Rauchen und hohe Fetteinnahme. Diesen Ergebnissen zufolge könnten Low-Carb/Hochfettdiäten bei Personen mit neu diagnostiziertem T2D ungünstige Einflüsse auf das kardiovaskuläre Risiko haben.



Autor:
Prof. Dr. med. Martin O. Weickert

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2021; 21 (5) Seite 48-49