Broekhuizen K, Simmons D, Devlieger R, van Assche A, Jans G, Galjaard S, Corcoy R, Adelantado JM, Dunne F, Desoye G, Harreiter J, Kautzky-Willer A, Damm P, Mathiesen ER, Jensen DM, Andersen LL, Lapolla A, Dalfra MG, Bertolotto A, Wender-Ozegowska E, Zawiejska A, Hill D, Snoek FJ, Jelsma JGM, Bosmans JE, van Poppel MNM, van Dongen JM; Amsterdam, Niederlande; Int J Behav Nutr Phys Act 2018; 15: 23

Einführung: Gestationsdiabetes (GDM) ist mit perinatalen Gesundheitsrisiken sowohl für Mütter wie auch ihre Neugeborenen als auch mit großen ökonomischen Belastungen für das Gesundheitssystem verbunden. Die DALI-Studie steht für eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie, in der die Effektivität von Interventionen bei schwangeren Frauen mit erhöhtem GDM-Risiko überprüft wird. Mit der Studie sollte die Kosten-Nutzen-Relation von Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung und/oder körperlicher Aktivität mit der üblichen Betreuung Schwangerer mit erhöhtem GDM-Risiko aus gesellschaftlicher Perspektive verglichen werden.

Methodik: Begleitend zur multizentrischen Europäischen randomisierten kontrollierten Studie wurde eine ökonomische Evaluation der Effektivität durchgeführt. Insgesamt wurden 435 Schwangere mit erhöhtem Risiko für einen GDM, die in Behandlungseinrichtungen des ersten und zweiten Sektors in neun Europäischen Staaten behandelt wurden, für die Studie rekrutiert. Sie wurden zufällig entweder der Intervention zu gesundem Essverhalten (GE), zu vermehrter körperlicher Aktivität (KA) oder der Intervention zu beidem (GE + KA) zugewiesen. Als zentrale Ergebnisparameter wurden die Gewichtzunahme in der Schwangerschaft, die Nüchternglukose, die Insulinresistenz (HOMA-IR), die qualitätsadjustierten Lebensjahre (QALYs) und die Kosten für die Gesellschaft erfasst.

Ergebnisse: Die Gesamtkosten und die Unterschiede bezogen auf die Effekte waren zwischen den Interventionsgruppen nicht signifikant. Jedoch ergab sich in der 35. – 37. Woche eine signifikant geringere Gewichtszunahme in der Schwangerschaft in der GE + KA-Gruppe im Vergleich zur üblichen Betreuung (-2,3; 95 %CI: -3,7 bis -0,9). Die Kosten-Effektivitäts-Akzeptanzkurven zeigen, dass die GE + KA Intervention die zu bevorzugende Strategie darstellt. Da sich die GE + KA Intervention bezogen auf die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft als kosteneffektiv erwiesen hat, hängt es von der Bereitschaft der Kostenträger ab wieviel sie pro Kilogramm weniger in Schwangerschaft zu zahlen bereit sind. Gleichzeitig muss bedacht werden, dass die Intervention weder hinsichtlich der Nüchternglukose noch des HOMA-IR kosteneffektiv war. Nach der Geburt erwies sich die GE + KA Intervention als kosteneffektiv bezogen auf die QALYs. Dies war vor allem durch eine große Reduktion der geburtsbezogenen Kosten bedingt.

Schlussfolgerung: Die Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität erwies sich als die am besten geeignete Strategie, um die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft zu begrenzen. Da sich diese Intervention nach der Geburt als kosteneffektiv bezogen auf die QALYs erwiesen hat, unterstützt diese Studie den weiteren und breiten Einsatz der Intervention.

Kommentar: Mit Blick auf die noch immer steigende Inzidenz von Typ-2-Diabetes kommt der Prävention eine zentrale Bedeutung zu. Schwangere mit einem erhöhten Risiko für einen Gestationsdiabetes stellen eine wichtige Zielgruppe für Interventionen dar, da nicht nur sie, sondern auch ihre Ungeborenen von einer Reduktion des Risikos profitieren. Gleichzeitig ist die Schwangerschaft für viele Frauen eine sensible Phase, in der sie offen und bereit für Änderungen ihres Lebensstils sind. Dieses Fenster sollte weit mehr als bisher genutzt werden, um die Gesundheit kommender Generationen zu fördern. Die Studie zeigt hier, dass bereits durch relativ geringe ökonomische Investitionen relevante Vorteile für das Gesundheitssystem realisiert werden können.



Autorin: Prof. Dr. rer. nat. Karin Lange
Diplom-Psychologin, Fachpsychologin Diabetes DDG
Medizinische Hochschule Hannover (MHH)
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (2) Seite 56-57