Jacobs E, Rathmann W, Tönnies T, Arendt D, Marchowez M, Veith L, Kuss O, R. Brinks R, Hoyer A; Düsseldorf, Deutschland; Diabet Med 2020; 37: 1723 – 1727

Fragestellung: Für viele europäische Länder existieren keine validen Schätzungen über das Diagnosealter von Typ-2-Diabetes. Ziel war eine Schätzung des Diagnosealters in Deutschland.

Methodik: Das Diagnosealter eines Typ-2-Diabetes in Deutschland wurde über Typ-2-Diabetes-Prävalenz, Inzidenz und die Altersverteilung der deutschen Bevölkerung abgeschätzt. Alters- und geschlechtsspezifische Inzidenz und Prävalenz 2014/2015, basierend auf Anspruchsstellungsdaten bei der gesetzlichen Krankenversicherung (n = 69 000 000, ~ 85 % der deutschen Bevölkerung) sowie die Alterspyramide für Deutschland im Jahre 2015 wurden für die Berechnung verwendet. Das Alter bei Diagnosestellung eines Typ-2-Diabetes wurde für das Geschlecht stratifiziert. Zusätzlich wurde der Altersbereich in welchem 50 % der Bevölkerung eine Diagnose eines Typ-2-Diabetes erhielten berechnet (über den Interquartilenbereich).
Ergebnisse: Das mittlere ± SD Alter bei Diagnose eines Typ-2-Diabetes im Jahre 2015 lag bei 61,0 ± 13,4 Jahren (95 % CI 60,9 – 61,0) bei Männern. Frauen wurden ~ 2 Jahre später als Männer diagnostiziert (mittleres Alter 63,4 ± 14,9 Jahre; 95 % CI 63,4 – 63,5). Der Altersbereich in welchem 50 % der Bevölkerung diagnostiziert wurden lag bei 53 bis 72 Jahren bei Männern und bei 54 bis 76 Jahren bei Frauen.

Ergebnisse: Das mittlere ± SD Alter bei Diagnose eines Typ-2-Diabetes im Jahre 2015 lag bei 61,0 ± 13,4 Jahren (95 % CI 60,9 – 61,0) bei Männern. Frauen wurden ~ 2 Jahre später als Männer diagnostiziert (mittleres Alter 63,4 ± 14,9 Jahre; 95 % CI 63,4 – 63,5). Der Altersbereich in welchem 50 % der Bevölkerung diagnostiziert wurden lag bei 53 bis 72 Jahren bei Männern und bei 54 bis 76 Jahren bei Frauen.

Schlussfolgerung: Die Geschlechtsunterschiede waren hauptsächlich einer höheren Inzidenz von Typ-2-Diabetes bei Männern als Frauen im mittleren Lebensalter zuzuordnen, sowie der höheren absoluten Zahl von Frauen im fortgeschrittenen Alter. Das im Vergleich zur mittleren Lebenserwartung junge Alter bei Diabetesdiagnose bedeutet, dass das Risiko für diabetesbezogene Komplikationen erhöht ist.

Kommentar: Eine Dokumentierung des Diagnosealters bei Dia­betes (und prinzipiell bei allen chronischen Erkrankungen) ist nicht nur hilfreich zur Abschätzung des Risikos für Komplikationen, sondern auch für die Planung von Ressourcen im öffentlichen Gesundheitswesen.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (5) Seite 57-58