Dhindsa S, Ghanim H, Batra M, Kuhadija ND, Abuaysheh S, Sandhu S, Green K, Makadissi A, Hejna J, Chaudhuri A, Punyanitya M, Dandona P; Buffalo, NY

Fragestellung: Ein Drittel der Männer mit Typ-2-Diabetes leiden an hypogonadotropem Hypogonadismus (HH). Eine randomisierte placebo-kontrollierte Studie sollte den Effekt einer Testosteronsubstitution auf die Insulinresistenz bei Männern mit Typ-2-Diabetes und HH untersuchen.

Studiendesign und Methoden: Die Studie rekrutierte 94 Männer mit Typ-2-Diabetes, 50 davon waren eugonadal, 44 wiesen einen HH auf. Die Insulinsensitivität wurde errechnet aus der Glukose-Infusions-Rate (GIR) während eines hyperinsulinämisch-euglykämischen Clamps. Lean-Body-Mass und die Fettmasse wurden gemessen mit DEXA und MRT. In Biopsien von subkutanem Fettgewebe wurden die Insulin-signaling Gene untersucht. Die Männer mit HH erhielten randomisiert Testosteron (250 mg) intramuskulär oder Placebo (1 ml NaCl) alle 2 Wochen für 24 Wochen.

Resultate: Männer mit HH hatten eine höhere subkutane und viszerale Fettmasse als eugonadale Männer. Die GIR war um 36 % niedriger bei Männern mit HH. Die GIR nahm um 32 % zu nach 24-wöchiger Testosterontherapie und änderte sich nicht nach Placebogabe (p = 0,03 im Vergleich). Die subkutane Fettmasse nahm um -3,3 kg ab und die Lean-Mass nahm um 3,4 kg zu nach Testosterontherapie (p < 0,01) verglichen mit Placebo. Viszerales und hepatisches Fett änderten sich nicht. Die Expression der Insulin-signaling Gene (IR-ß, IRS-1, AKT-2 und GLUT4) des Fettgewebes war signifikant geringer bei Männern mit HH und wurde hochreguliert nach Testosterontherapie. Die Testosterongabe bewirkte auch einen signifikanten Abfall der Konzentration von zirkulierenden freien Fettsäuren, CRP, Interleukin-1ß, TNF-a und Leptin (p < 0,05 für alle Größen).

Schlußfolgerung: Testosteontherapie bei Männern mit Typ-2-Diabetes und HH erhöht die Insulinsensitivität, erhöht die Lean-Body-Mass und verringert das subkutane Fett.

Kommentar: Es existieren 2 Formen des organisch bedingten Hypogonadismus: der primäre hypergonadotrope und der sekundäre hypogonadotrope Hypogonadismus. Erster ist Folge eines Gonadenschadens, letzter ist Ausdruck einer organisch bedingten hypothalamo-hypophysären Regulationsstörung. Die Prävalenz des männlichen Hypogonadismus beträgt ca. 10 %. Erniedrigte Gesamttestosteronspiegel bei Männern sind häufig Hinweis auf einen allgemein schlechteren Gesundheitszustand, physisch wie psychisch und dann als funktionell bedingter Anpassungsmechanismus mit normalen oder niedrig normalen Gonadotropinspiegeln assoziiert. Außerdem weisen adipöse Männer oft erniedrigte Gesamttestosteronkonzentrationen auf als Folge einer reduzierten SHBG (sexualhormonbindendes Globulin)-Produktion in der Leber. Nicht zuletzt zeigen die Testosteronspiegel eine ausgeprägte tageszeitliche Schwankung mit Abfall der Konzentration im Tagesverlauf, und die Labormethode zur Testosteronmessung ist kritisch, so dass eine wiederholte Bestimmung der Konzentration zur Sicherung der Diagnose notwendig ist, am besten in Kombination mit der Bestimmung des freien Testosterons.

Die angegebene Prävalenz von Hypogonadismus mit 30 bis 50 % in dieser Studie ist ungewöhnlich hoch. Es wird nicht mitgeteilt, wie die Diagnose gestellt wurde und ob alle genannten Fallstricke berücksichtigt wurden. Die endokrinologischen Fachgesellschaften empfehlen eine Testosteronsubstitution nur bei eindeutig nachgewiesenem Testosteronmangel, also bei primärem oder sekundärem Hypogonadismus. In allen anderen Fällen wird der Benefit einer Testosterongabe kontrovers diskutiert. Ansonsten steht die Therapie, der der funktionellen Regulationsstörung im Sinne eines Anpassungsmechanismus zugrunde liegenden Erkrankung, an erster Stelle der Behandlung. Bei Männern mit metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes wäre das die adäquate Therapie jeder einzelnen Komponente dieser komplexen Stoffwechselstörung, insbesondere die Gewichtsreduktion.



Autor: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2016; 16 (1) Seite xx-xx