Diabetologen finden bei der Digitalisierung Analyse-Software und Kompatibilität der Systeme am wichtigsten, so eine Umfrage mit über 400 Ärzten.

Diabetologisch tätige Ärzte sind Digitalisierung und Technologie gegenüber aufgeschlossen und gehen davon aus, dass sie der Diabetologie einen wichtigen Impuls geben. Und schon längst hat die Digitalisierung Einzug in die Praxen gehalten: Immer mehr Menschen mit Diabetes nutzen die kontinuierliche Glukose­messung – die großen Datenmengen müssen ausgelesen und analysiert werden. Manche Praxen bieten auch schon Telemedizin an.

In einer Umfrage im Rahmen des Diabetes- und Technologiereports (DuT) wurden 422 diabetologisch tätige Ärzte unter anderem nach den Themenfeldern der Digitalisierung gefragt, die sie als besonders wichtig einschätzen. Die drei Topthemen für die befragten Ärzte sind „Software zur Analyse von Glukosedaten“, die Überwindung von Interoperabilitätsproblemen im Sinne einer besseren „Kompatibilität mit anderen Systemen“ und „Systeme zur Unterstützung der Patienten bei Therapieentscheidungen“.

Konkret halten über 90 Prozent der Befragten die Nutzung einer Software für die Analyse der Blutzucker-/Glukosedaten für bedeutsam. Aber: Nur etwa jeder vierte Patient nutzt laut Umfrage eine solche Software, und die Ärztinnen und Ärzte sind skeptisch, ob sich daran in den nächsten Jahren etwas grundlegend ändern wird.

Interoperabilität für große ­Mehrheit ein Thema

Ebenfalls über 90 Prozent der Befragten halten aktuell die Inter­operabilität für nicht adäquat. Mit Interoperabilität ist die einfache und nutzerfreundliche Kompatibilität unterschiedlicher Systeme gemeint, die Diabetesteams und Patienten zum Beispiel nutzen, um Daten aus Zuckermesssystemen auszulesen. Dazu schreiben die Diabetologen Dr. med. Hansjörg Mühlen und Dr. med. Andreas Lueg in ihrem Beitrag für den Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes:

„Die unternehmenseigenen Lösungen erschweren die Arbeit in der Praxis erheblich, da für jedes Unternehmen eine eigene Software installiert und eingesetzt werden muss. (…) Ein weiteres erhebliches Problem bei der Implementierung moderner Software (…) ist deren fehlende Interoperabilität.“ Damit werde die integrative Behandlungsführung erschwert und unnütze Zeit für den Zugang zu den Daten verschwendet.

Generelle Aufgeschlossenheit

Fast 80 Prozent der Teilnehmer stehen der Digitalisierung prinzipiell positiv oder sehr positiv gegenüber. Durchgeführt wurde die Befragung vom Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim (Fidam) in Zusammenarbeit mit dem Zukunftsboard Digitalisierung der Berlin-Chemie AG und mit Unterstützung des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen (BVND) und des Verbandes der niedergelassenen Diabetologen Niedersachsen.

Der erste Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes ist Anfang 2019 im Kirchheim Verlag erschienen, der auch DiabetesNews herausgibt. Künftig soll der Report jährlich erscheinen, um Trends abbilden zu können. 2020 werden auch Patienten in die Umfrage eingebunden.



Autor: Redaktion DiabetesNews
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Erschienen in: DiabetesNews, 2019; 18 (4) Seite 2