Rosenstock J, Cheng A, Ritzel R, Bosnyak Z, Devisme G, Cali AMG, Sieber J, Stella P, Wang X, Frias JP, Roussel R, Bolli GB, Dallas Diabetes Research Center at Medical City, Dallas, Tx, USA; Diabetes Care 2018; 41: 2147 – 2154

Fragestellung: Es sollte Insulin glargin U 300 (Glar-300) mit Insulin degludec U 100 (IDeg-100) in einer ersten, randomisierten kontrollierten Kopf-an-Kopf-Studie verglichen werden.

Methodik: BRIGHT (NCT02738151) war eine Multicenter, open- label, aktiv-kontrollierte, 2-Arm-, Parallelgruppen-Studie zur Nichtunterlegenheit über 24 Wochen an Insulin-naiven Patienten mit schlecht kontrolliertem Typ-2-Diabetes. Die Studienteilnehmer wurden 1:1 randomisiert einer Abenddosis Gla-300 (n = 466) oder IDeg-100 (n = 463) zugeteilt, titriert auf eine selbstgemessene Nüchternplasmaglukose von 80 bis 100 mg/dl. Der primäre Endpunkt war die HbA1c-Änderung von Beginn bis Woche 24. Sicherheitsendpunkte umfassten Inzidenz und Raten von Hypoglykämien.

Ergebnisse: Nach 24 Wochen verbesserte sich das HbA1c signifikant gegenüber dem Ausgangspunkt von 8,7 % (72 mmol/mol) in der Gla-300-Gruppe und 8,6 % (70 mmol/mol) in der IDeg-100-Gruppe auf 7,0 % (53 mmol/mol) – kleinste mittlere Differenz -0,05 % (95 % CI -0,15 – 0,05/-(0,6 mmol/mol [-1,7 – 0,6 ]) – als Zeichen der Nichtunterlegenheit von Gla-300 gegenüber IDeg-100 (p < 0,0001). Hypoglykämie-Inzidenz und -Raten während der 24 Wochen waren vergleichbar bei beiden Insulinen, in der aktiven Titrationsphase (0 bis 12. Woche) war die Inzidenz und Rate von bestätigten Hypoglykämien (< 70 mg/dl und < 54 mg/dl) zu jeglichem Zeitpunkt (24 h) mit Gla-300 geringer. Beide Insuline wurden ordnungsgemäß titriert und zeigten keine spezifischen Sicherheitsmängel.

Schlussfolgerung: Gla-300 und IDeg-100 zeigten vergleichbare Verbesserungen der glykämischen Kontrolle mit relativ niedrigem Hypoglykämierisiko. Hypoglykämie-Inzidenz und -Raten waren vergleichbar bei beiden Insulinen während der gesamten Studiendauer, aber geringer mit Gla-300 während der Titrationsphase. Die Wahl zwischen diesen langwirkenden Basalinsulinen mag entschieden werden durch Faktoren wie Verfügbarkeit, Kosten und klinische Überlegungen.

Kommentar: Diese Kopf-an-Kopf-Studie mit Insulin glargin U 300 und Insulin degludec U 100 belegt die vergleichbare Wirksamkeit beider ultralangwirkender Basalinsuline bezüglich der Einstellungsqualität und ein vergleichbares Hypoglykämie-Risiko. Die geringere Hypoglykämie-Rate in der Dosis-Titrationsphase bei Insulin glargin U 300 ist vermutlich der speziellen Pharmakodynamik dieses Insulins geschuldet mit dem verzögerten Erreichen des Steady-State. Setzt man Insulin degludec U 100 ein, sollte die Dosis-Titration etwas vorsichtiger erfolgen. Ansonsten scheint es nach diesen Studienresultaten keinen Unterschied zu machen, ob man Insulin glargin U 300 oder Insulin degludec U 100 bei unterschiedlicher lokaler Verfügbarkeit verabreicht, um die Stoffwechsellage zu verbessern. Langzeiteffekte dieser Insuline sind bisher nicht bekannt.



Autorin:
Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2018; 18 (6) Seite 42