Echouffo-Tchengui JB, Zhao S, Brock G, Matsouaka RA, Kline D, Joseph JJ Division of Endocrinology, Diabetes and Metabolism, Department of ­Medicine, Johns Hopkins School of Medicine, Baltimore, MD, USA; Diabetes Care 2019; 42: 486 – 493

Fragestellung: Der prognostische Wert der langzeitglykämischen Variabilität ist nicht vollständig verstanden. Es wurde der Einfluss der Visite-zu-Visite-Variabilität (VVV) der Nüchternglukose (FBG) auf kardiovaskuläre Erkrankung (CVD) und Mortalität untersucht.

Methodik: Es wurde eine prospektive Kohorten-Analyse durchgeführt mit 4 982 Teilnehmern der Antihypertensive and Lipid-Lowering Treatment to Prevent Heart Attack Trial (ALLHAT), die an der Basis-, der 24-Monate- und der 48-Monate-Visite teilnahmen. VVV der Nüchternglukose war definiert als SD oder Variabilität unabhängig vom Mittelwert (VIM) der Nüchternglukose-Messungen bei den 3 Visiten. Teilnehmer ohne CVD wurden während der ersten 48 Monate der Studie beobachtet: hinsichtlich CVD (koronare Herzkrankheit [CHD], Apoplex und Herzinsuffizienz [HF]) sowie Gesamtmortalität.

Ergebnisse: Während einer mittleren Beobachtungsdauer von 5 Jahren traten 305 CVD-Ereignisse (189 CHD, 45 Apoplexe, 81 HF) sowie 154 Todesfälle auf. Die adjustierte Hazard Ratio (HR), die Teilnehmer in der höchsten und niedrigsten Quartile der SD der Nüchternglukose (> 26,4 vs. 5,5 mg/dl) vergleicht, betrug 1,43 (95 % CI 0,93 – 2,19) für CVD und 2,22 (95 % CI 1,22 – 4,04) für die Gesamtmortalität. Die HR für VIM betrug 1,17 (95 % CI 0,84 – 1,62) für CVD und 1,89 (95 % CI 1,21 – 2,93) für die Gesamtmortalität. Unter Individuen ohne Diabetes war die höchste Quartile der SD der FBG (HR 2,67 [95 % CI 0,14 – 6,25]) oder VIM (HR 2,50 [95 % CI 1,40 – 4,46]) mit einem höheren Todesrisiko assoziiert.

Schlussfolgerung: Eine größere VVV der Nüchternglukose ist mit erhöhtem Mortalitätsrisiko assoziiert. Diese Daten betonen die Wichtigkeit, eine normale und stabile glykämische Kontrolle zu erreichen, um das klinische outcome zu verbessern.

Kommentar: Hyper-, aber auch Hypoglykämien, bewirken eine endotheliale Dysfunktion und oxidativen Stress intrazellulär, so dass diabetische Komplikationen nicht nur Folge der chronischen Hyperglykämie sind, wie ursprünglich angenommen, sondern auch durch wiederholte Hypoglykämien vorangetrieben werden, die vor allem multimorbide Patienten mit langer Krankheitsdauer und hohem kardiovaskulären Risiko gefährden. Diese Erkenntnis hat vor ein paar Jahren zur Reformation der HbA1c-Zielwerte durch die Experten geführt. Das Ergebnis dieser Untersuchung deutet darauf hin, dass auch größere Blutzuckerschwankungen, also eine Instabilität der Stoffwechsellage, kardiovaskuläre Komplikationen und Todesfälle provozieren kann. Eine Therapie mit dem Ziel stabile Blutzuckerwerte zu erreichen ohne Hyper- und Hypoglykämien, ist eine echte Herausforderung für Patienten und Therapeuten.



Autorin: Priv.-Doz. Dr. med. Kornelia Konz
Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie, Diabetologie Ernährungsmedizin
DKD HELIOS Klinik
Aukammallee 33
65191 Wiesbaden

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (2) Seite 52-53