Perazzolo M, Reeves ND, F. L. Bowling FL, A. J. M. Boulton AJM, Raffi M, Marple-Horvat DE; Manchester, Vereinigtes Königreich; Diabet Med 2020; 37: 335 – 342

Fragestellung: Ziel war die Untersuchung ob senso-motorische Beeinträchtigung aufgrund einer diabetischen peripheren Neuropathie während eines Fahrsimulationstestes Auswirkungen auf die Kontrolle des Gaspedales hat.

Methodik: Insgesamt 32 aktive Autofahrer, 11 mit diabetischer peripherer Neuropathie (Mittelwert ± SD, Alter 67 ± 5,0 Jahre), 10 mit Diabetes aber ohne Neuropathie (Diabetesgruppe, Alter 63 ± 10 Jahre) und 11 gesunde Individuen ohne Diabetes (gesunde Gruppe, Alter 60 ± 11 Jahre) unterzogen sich einem Test auf einem Dynamometer, zur Erfassung der plantaren Knöchelbeugungsmuskelstärke und der knöchelgelenkspropriozeptiven Funktion des rechten Beines; sowie einem Fahrsimulationstest. Die folgenden Variablen wurden gemessen: maximale plantare Knöchelbeugungsmuskelstärke; Geschwindigkeit der Kraftbildung, und Knöchelgelenkspropriozeption (Knöchelrepositionsfehler in Grad). Im Fahrsimulationstest wurden Fahrgeschwindigkeit (mph), Gaspedalsignal (Grad) und Dauer von spezifischen „Kontrollverlustereignissen“ (sec) während zweier Fahrten gemessen (Fahrt 1, Fahrt 2).

Ergebnisse: Teilnehmer mit diabetischer peripherer Neuropathie hatten im Vergleich zu gesunden Teilnehmern eine niedrigere Geschwindigkeit von Kraftbildung (p < 0,001), eine niedrigere maximale plantare Knöchelbeugungsmuskelstärke (p < 0,001), sowie eine gestörte Knöchelpropriozeption (p = 0,034). Die Gruppe mit diabetischer peripherer Neuropathie fuhr im Vergleich zur gesunden Gruppe langsamer (Fahrt 1, p = 0,048; Fahrt 2, p = 0,042) und zeigte ausgeprägte Unterschiede in der Bedienung des Gaspedals, sowohl verglichen mit der Diabetes-Gruppe (p = 0,010) als auch der gesunden Gruppe (p = 0,002). Teilnehmer mit diabetischer peripherer Neuropathie hatten die längste Dauer von Kontrollverlustereignissen, jedoch war dies nach einer Fahrt stark verringert (p = 0,023).

Schlussfolgerung: Muskelfunktion, Knöchelpropriozeption und Gaspedalkontrolle sind bei Personen mit diabetischer peripherer Neuropathie alle beeinflusst, mit negativer Beeinflussung de Fahrleistung; jedoch bleibt mit gezielter Übung ein Potential für Verbesserung möglich.

Kommentar: Technische Lösungen und gezieltes Training bei aktiven Autofahrern mit diabetischer peripherer Neuropathie könnten zur Verbesserung der Strassenverkehrssicherheit mit beitragen.



Autor: Prof. Dr. med. Martin O. Weickert
University of Warwick (UK)

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2020; 20 (2) Seite 39-40