Inge TH, Courcoulas AP, Jenkins TM, Michalsky MP, Brandt ML, ­Xanthakos SA, Dixon JB, Harmon CM, Chen MK, Xie C, Evans ME, ­Helmrath MA; Teen–LABS Consortium; Denver, CO, USA ; N Engl J Med. 2019; 380: 2136 – 2145

Fragestellung: Mittels bariatrischer Chirurgie kann ein Gewichtsverlust und eine verbesserte Gesundheit bei Erwachsenen und Adoleszenten erreicht werden. Es ist bisher unklar, ob die Ergebnisse sich in Abhängigkeit vom Alter des Patienten und dem Zeitpunkt der chirurgischen Intervention unterscheiden.

Methodik: Die Autoren untersuchten den Effekt auf die Gesundheit von einem Roux-en-Y-Magenbypass in einer Kohorte von Adoleszenten (161 Patienten wurden in der Zeit von 2006 bis 2012 rekrutiert) und einer Kohorte von Erwachsenen (396 Patienten wurden in der Zeit von 2006 bis 2009 rekrutiert). Die beiden Kohorten nahmen an zwei verwandten aber unabhängig durchgeführten Studien teil. Lineare gemischte und Poisson gemischte Modelle wurden angewandt, um die Ergebnisse zu vergleichen und in Bezug auf Gewicht und begleitende Erkrankungen zu untersuchen. Die beiden Kohorten zum Zeitpunkt von 5 Jahren nach chirurgischer Intervention verglichen. Todesraten und sekundäre abdominelle Operationen und ausgewählte Mikronährstoffspeigel (bis zu 2 Jahre nach dem chirurgischen Eingriff) wurden ebenfalls zwischen den Kohorten verglichen.

Ergebnisse: Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Erwachsenen und Adoleszenten für Gewichtsänderung (Adoleszente -26%; 95 % Konfidenzintervall [KI] -29 bis -23; Erwachsene (-29%; KI-31 bis -27) 5 Jahre nach dem chirurgischen Eingriff (p = 0,08). Nach der Operation zeigten die Adoleszenten signifikant häufiger eine Remission des Typ-2-Diabetes als die Erwachsenen (86% versus 53 %; Risiko-Verhältnis 1,27; 95 % KI 1,03 bis 1,57) und eine Remission der Hypertonie (68 % vs. 41 %; Risiko Verhältnis, 1,51; 95 % KI 1,21 bis 1,88). Drei Adoleszente (1,9 %) und sieben Erwachsene (1,8%) starben in den 5 Jahren nach der Operation. Die Rate an abdominellen Re-Operationen war bei den Adoleszenten signifikant häufiger als bei den Erwachsenen (19 vs. 10 Re-Operationen pro 500 Personenjahre, p = 0,003). Mehr Adoleszente als Erwachsene wiesen niedrige Ferritinspiegel auf (72 der 132 adoleszenten Patienten [48 %] vs. 54 der 179 Erwachsenen [29 %], p = 0,004).

Schlussfolgerung: 5 Jahre nach der gastrischen Bypass Operation zeigen Adoleszente und Erwachsene einen ähnlichen, deutlichen Gewichtsverlust. Adoleszente hatten häufiger eine Diabetesremission und Remission der Hypertonie im Vergleich zu Erwachsenen.

Kommentar: Die bariatrische Operation wirkt bei Adoleszenten eher noch besser als bei Erwachsenen wenn Diabetesremission und Hypertonieremission betrachtet werden. Die Todesfallrate war mit knapp 2 % erschreckend hoch, unterschied sich aber nicht signifkant zwischen den Gruppen.



Autorin: Prof. Dr. med. Nanette Schloot
Deutsches Diabetes-Zentrum DDZ
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf

Erschienen in: Diabetes-Congress-Report, 2019; 19 (3) Seite 49-50